Die Galagäste bildeten eine Gasse, sodass Adrienne unbehelligt den Ausgang errichte. Auf dem oberen Treppenabsatz zog sie ihre hochhackigen Schuhe aus und eilte barfuß hinunter. Sie hatte Glück - in dem Moment, in dem sie den Bürgersteig erreichte, kam ein Taxi die Straße entlang. Als sie gerade eingestiegen war, hörte sie jemanden ihren Namen rufen. Sie blickte sich um und sah Lucien. Einen kurzen Augenblick zögerte sie, dann zog sie die Wagentür hinter sich zu und bat den Fahrer, loszufahren.
Eigentlich wollte sie es nicht, doch am Ende konnte sie sich doch nicht davon abhalten., zumindest einen kurzen Blick durch die Heckscheibe zurückzuwerfen. Lucien stand da, die Arme in einer hilflosen Geste ausgebreitet. Er schüttelte den Kopf. So, als würde er wirklich nicht verstehen, warum sie die Flucht ergriffen hatte.
Der Gedanke ließ sie innerlich zusammenzucken - doch was half es, sich etwas vorzumachen zu wollen? Es war eine Flucht gewesen, und nichts anderes als das. Weniger eindeutig war die Antwort auf die Frage, vor was sie davongelaufen war.
Vor Lucien?
Oder vor sich selbst?
Seufzend fuhr sie mit einer Hand durchs Haar. Sie wollte gar nicht allzu gründlich darüber nachdenken. Es war besser, so zu tun, als wäre überhaupt nichts geschehen. Doch das würde auf Dauer nicht funktionieren. Spätestens morgen im Büro würde Lucien sie mir Sicherheit damit konfrontieren. Und was sollte sie dann sagen? Ausgerechnet sie, die sich doch immer so verhement für den guten Zweck einsetzte? Sie hatte nicht darüber nachgedacht, was es bedeutet, davonzulaufen. Doch selbst wenn es ihr in dem Moment klar gewesen wäre - sie hätte nicht andres gekonnt, als den Wettbewerb abzubrechen.
,,Wohin??'', fragte der Taxifahrer, und Adrienne nannte ihm die Adresse ihrer Familie. Danach hing sie ihren Gedanken nach, bis sie schließlich vor der Villa vorfuhr. Sämtliche Fenster waren hell erleuchtet, was Adrienne ein wenig wunderte. Es war bereits kurz vor elf, und sie hatte sich daran gewöhnt, dass ihr Vater stets früh zu Bett ging. Jedenfalls war es so gewesen, seit sie nach Monaco zurückgekehrt war.
Leicht beunruhigt schloss sie die Haustüre auf. Sofort bemerkte sie den Koffer, der in der Eingangshalle stand. Es war der Koffer ihrer Mutter. ,,Papa?'', rief sie, während sie ihre Bolerojacke auszog und an der Garderobe aufhängte. Das Klappern der Absätze ihrer Schuhe, die sie sich im Taxi wieder angezogen hatte, hallte laut von den nackten Wändern wieder. ,,Mama?''
Ihr Vater tauchte am oberen Treppenabsatz auf. ,,Du bist schon wieder zurück?'' Er wirkte überrascht. Dann glitt ein Lächeln über seine Lippen. ,,Komm nach oben. Deine Mutter ist heute Abend aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sie wollte sich unbedingt zu Hause von der Chemotherapie erholen, und die Ärzte hatten nichts dagegen. Du willst sie sicher begrüßen, n'est-ce pas?''
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Schicksalstage in Monaco *Abgeschlossen*
RomanceAdrienne fühlt sich unwiederstehlich zu ihrem attraktiven Boss Lucien Dupont hingezogen. Aber sie darf sich keine tieferen Gefühle für ihn erlauben! Denn der skrupellose Geschäftsmann aus Monaco hat scheinbar nichts Geringeres im Sinn, als ihre Fami...