Lucien atmete tief durch. Von dem, was er nun sagen würde, hing so viel ab, dass ihm nun plötzlich die Worte fehlen. Wie sollte er beginnen? Wie sollte er Adrienne klarmachen, wie er für sie empfand?
Im Grunde gab es nur einen Weg: Er musste ihr die Wahrheit sagen. Die reine, schonungslose Wahrheit.
,,Du hast recht'', sagte er. ,,Ich habe dich angelogen. Das Schicksal von CCD lag niemals wirklich in meiner Hand, und es war falsch von mir, dich etwas anderes glauben zu lassen.''
Adrienne runzelte die Stirn. ,,Was soll das heißen, es lag nicht in deiner Hand?''
,,Es ist mein Stiefbruder Olivier, der im Unternehmen die Entscheidungen trifft. Unser Vater hat ihm die Mehrheit der Firmenanteile überlassen.'' Er zuckte mit den Schultern. ,,Ich bin im Grunde nicht mehr als ein leitender Angstellter. Aber weil ich es besser verstehe, mit den Medien umzugehen, hat Olivier mich zum Sprachrohr und damit zum Gesicht von Groupe d'entreprises Dupont gemacht.''
,,Du hast als von Anfang an gewusst, dass das hier passieren würde?''
Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar. ,,Sagen wir, ich habe gehofft, dass es mir irgendwie gelingen würde, das zu verhindern. Aber ich hätte ahnen müssen, dass Olivier die Sache erst recht ins Rollen bringen würde, nachdem er uns zusammen...'' Er seufzte. ,,Er hat noch nie wiederstehen können, wenn er eine Schwäche bei mir erkannt hat. Es tut mir leid, Adrienne. Du musst mir glauben, das habe ich nicht gewollt.''
Adrienne musterte Lucien eindringlich. Er wirkte ehrlich zerknirscht und schultbewusst. Doch sie wusste nicht, was sie davon halten sollte. Spielte er ihr wieder nur etwas vor? Oder meinte er es dieses Mal tatsächlich ernst?
,,Warum sollte er so etwas tun?'', hakte sie nach. ,,Ich meine, ihr seid doch immerhin Brüder.''
,,Stiefbrüder'', korrigierte Lucien sofort. ,,Und es ist nicht so, als wären wir jemals eine große glückliche Familie gewesen. Olivier hasst mich. Er hat, solange ich zurückdenken kann, jede Chance genutzt, mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Als er dich mit mir zusammen sah und begriff, wer du bist...''
Adrienne schüttelte den Kopf. ,,Du meinst, er hat die Übernahme so plötzlich vorangetrieben, um dir eins auszuwischen? Aber Warum?''
,,Weil er gespürt hat, dass du mir etwas bedeutest'', erwiderte Lucien leise.
Ungläubig starrte Adrienne ihn an. Sie war sicher, sich verhört zu haben. ,,Ich ...Was?''
,,Du...'' Zum wiederholte Male zauste er sich das Haar. ,,Verdammt, warum muss das so furchtbar schwer sein? Du bist mir wichtig Adrienne! Ich habe es lange Zeit verdrängt, doch Olivier hat mir, ohne es zu wollen, die Wahrheit vor Augen geführt. Doch als mir klar wurde, dass ich dich verlieren würde...''
Atemlos hatte Adrienne ihm zugehört. Sie wünschte sich so sehr, dass es wirklich wahr war. Dass er tatsächlich etwas für sie empfand. Aber woher sollte sie wissen, dass er nicht wieder nur versuchte, sie zu täuschen?
Als er jetzt noch einen Schritt auf sie zumachte, fühlte sie sich hin- und hergerissen. Sie konnte nichts gegen die Gefühle tun, die sie für Lucien empfand. Ganz gleich, wie sehr er sie auch enttäuscht haben mochte - ihr Herz gehörte ihm. Und sie machte sich selbst etwas vor, wenn sie sich einredete, dass sie ihn einfach so vergessen konnte. Aber konnte sie vergessen, dass er sie belogen hatte? Und wenn sie es tat - wie würden ihre Eltern darauf reagieren?
,,Adrienne? Lucien hob eine Hand und zeichnete mit den Fingerspitzen zärtlich die Konturen ihres Gesichts nach. Ihre Lippen faltterten, und sie schloss die Augen. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals, als sie sich in seine Berührung schmiegte.
,,Adrienne, ich liebe dich. Glaubst du, du kannst mir noch einmal verzeihen? Wenn du mir noch eine Chance gibst - nur diese eine Mal -, dann werde ich dafür sorgen, dass alles wieder in Ordnung kommt. Ich schwöre es dir. Bitte....''
Adrienne spürte, wie ihr die Kehle eng wurde und sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Sie konnte nicht in Worte fassen, was sie empfand. Doch sie wusste, dass es ihr, wenn sie Lucien verlor, das Herz brechen würde. Und ihr wurde klar, dass sie nicht länger Rücksicht darauf nehmen durfte, was ihre Eltern wollten. Sie war sicher, dass ihr Vater sich früher oder später damit abfinden würde. Bei ihrer Mutter war sie sich zwar nicht ganz so sicher, wie sich ihre Einstellung im Laufe der Zeit entwickeln würde, aber immerhin war sie schon mal ein wenig zur Einsicht gelangt.
,,Ist das wirklich wahr?'', stieß Adrienne nun mit heiserer Stimmer hervor. ,,Du liebst mich?''
,,Mehr als alles andere auf der Welt'', erwiderte Lucien. ,,Du hast mich verzaubert. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen.'' Er zog sie an sich und verschloss ihren Mund mit seinen Lippen.
Adrienne schlang ihm die Arme um den Nacken und erwiderte seinen stürmischen Kuss. Nichts uns niemand, das schwor sie sich, würde sich jemals wieder zwischen sie beiden stellen.
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Schicksalstage in Monaco *Abgeschlossen*
RomansaAdrienne fühlt sich unwiederstehlich zu ihrem attraktiven Boss Lucien Dupont hingezogen. Aber sie darf sich keine tieferen Gefühle für ihn erlauben! Denn der skrupellose Geschäftsmann aus Monaco hat scheinbar nichts Geringeres im Sinn, als ihre Fami...