Kapitel 53

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,,Sie war bis vor ein paar Minuten noch in ihrem Büro. patron'', erklärte Luciens Sekretärin als er sich bei ihr nach Adrienne erkundigte. ,,Doch dann ist sie ohne ein Wort hinausgestürmt und zu den Aufzügen gelaufen.''

Lucien unterdrückte ein Fluch. Merde, er war zu spät gekommen. Dass Adrienne gegangen war, konnte nur bedeuten: Sie hatte die Neuigkeiten bereits erfahren - und ihre eigenen Schlüsse daraus gezogen. Verdammt, er konnte es ihr ja nicht einmal verübeln. Für sie musste es aussehen, als hätte er sie von Anfang an nur ausgenutzt und belogen - was, wenn er ehrlich zu sich selbst sein wollte, auch zutraf. Zuerst. Doch im Laufe der Zeit hatte sich etwas zwischen ihnen entwickelt. Etwas, das Lucien nicht vorausgesehen hatte.

Das musste sie doch auch gespürt haben - oder?

Aber woher soll sie es wissen? Hast du ihr gegenüber jemals etwas Derartiges verlauten lassen?

Aufstöhnend fuhr er sich mit der Hand durchs Haar. ,,Ist alles in Ordung, patron?'' Lucien nickte abwesend. Er hatte vollkommen vergessen, dass er immer noch im Vorzimmer seines Büros stand. ,,Bitte keine Anrufe, Nathalie. Und sagen Sie für heute alle meine Termine ab.''

Die junge Frau war zu professionell, um sich ihre Irritation anmerken zu lassen. Lucien wandte sich ohne ein Wort der Erklärung ab und betrat sein Büro. Erst auf den zweiten Blick bemerkte er den Zettel, der um das wuchtige Möbelstück herum. Ihm stockte der Atem, als er die wenige Zeilen überflog.


Lucien,

wie konnte ich so dumm sein, dir zu vertrauen? Alles Welt hat mich vor dir gewarnt, aber ich wollte ja nicht hören. Meine eigene Schuld, dass ich so leichtgläubig gewesen bin, wie? Ich will dich niemals wiedersehen! Versuch bitte nicht, mit mir in Kontakt zu treten. Aber warum solltest du? Du hast von mir ja alles bekommen, was du wolltest. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich meiner Mutter eines Tages einmal recht geben würde....

Adrienne


Lucien raufte sich das Haar. Er fühlte sich wie in die Vergangenheit zurückversetzt. Damals bei Christine war es ganz genauso gelaufen. Olivier hatte es wieder einmal geschafft, einen Keil zwischen ihn und die Frau zu treiben, die er liebt.

Die er liebte?

Er atmete scharf ein. Die Erkenntnis über seine Gefühle traf ihn wie ein Schlag mitten ins Gesicht.

Zu spät...

Er ließ sich auf seinen Stuhl sinken und schloss die Augen. Ein paar Minuten lang blieb er regungslos sitzen, doch dann rief er sich zur Ordnung. Seit wann war er bereit, sich so leicht geschlagen zu geben? Hatte er sich nicht lange genug von Olivier herumstoßen lassen?

Er öffnete die Augen, stand schwungvoll auf und straffte die Schultern. Nein, dieses Mal würde er sich nicht wieder alles von seinem Stiefbruder kaputt machen lassen.

Dieses Mal nicht!


Schicksalstage in Monaco *Abgeschlossen*Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt