,,Du wolltest mit mir sprechen?'' Lucien schloss die Tür zum Büro seines Stiefbruder und drehte sich zu ihm um. Seine Sekretärin hatte ihn bereits kurz nach seinem Eintreffen informiert, dass Olivier ihn zu sehen wünschte. Ohne ein Wort der Erklärung. Typisch. Er wusste, wie sehr es Lucien es hasste, von ihm herumkommandiert zu werden - und genau deshalb nutze er jede Gelegenheit, genau das zu tun.
,,Ja'', sagte Olivier mit einem Lächeln, das Lucien unwillkülich auf der Hut sein ließ. ,,Aber setz dich doch erst einmal. Wir müssen das doch nicht im Stehen besprechen, oder?''
Widerwillig ließ Lucien sich auf einen der Besucherstühle sinken. ,, Zunächst einmal wüsste ich gern, was es zu besprechen gibt. Du hast dich meiner Sekretärin gegenüber geheimnisvoll gegeben. Um was geht es also?''
,,Nun, ich habe seit gerstern Abend ein wenig recherchiert'', begann sein Stiefbruder und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. ,,Und mir sind da einige interessante Dinge zu Ohren gekommen.'' Er hob eine Braue. ,,Könntest du bitte aufhören, in Rätseln zu sprechen? Ich habe meine Zeit nicht gestohlen, Olivier. Komm zum Punkt oder lass es sein - mir ist es gleich.''
,,Das glaube ich, ehrlich gesagt nicht'', entgegnete Olivier schmunzelnd. ,,Es gibt keinen Grund mehr, mit mir Versteck zu spielen, Lucien. Ich habe herausgefunden, dass du versuchst, dich auf eigene Füße zu stellen. Ein kurzes Gespräch mit Didier Boisson hat mir die Augen geöffnet. Er war übrigens ziemlich wütend darüber, dass du ihn einfach so abserviert hast.''
Lucien spürte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich. Doch er zwang sich, äußerlich gelassen zu bleiben. Er zuckte mit den Schultern. ,,Das geht dich alles überhaupt nichts an. Ich komme meinen arbeitsvertraglichen Pflichten nach - was willst du also von mir?''
,,Oh, entschuldige bitte, das habe ich dir ja noch gar nicht gesagt. Ich wollte dich einfach nur vorwarnen: Ich habe die Übernahme von CCD eingeleitet. Die Diderots sind fällig - mit meiner Taktikk habe ich sie bia an den Rand der Zahlungsunfähigkeit getrieben.''
,,Du hast was?'' Fassungslos starrte Lucien ihn an. Er hatte seit Adriennes Anstellung Augen und Ohren offen gehalten, um in Erfahrung zu bringen, was sein Stiefbruder plante. Doch es waren nicht einmal Gerüchte im Umlauf gewesen, sodass Lucien angenommen hatte, dass Olivier noch nicht bereit war, zum großen Schlag auszuholsen - ein Trugschluss, wie er nun erkennen musste. ,,Du hast mich schon verstanden. Die Firma der Familie deiner Süßen wird schon in ein paar Tagen mir gehören.'' Er grinste herablassend. ,,Ich dachte, du solltest das wissen. Könnte sein, dass die Kleine ein wenig ärgerlich reagiert, wenn sie davon erfährt.''
Lucien sprang von seinem Platz auf - so energisch, dass der Stuhl nach hinten umkippte. ,,Du tust es schon wieder, nicht wahr?'' Wütend funkelte er seinen Stiefbruder an. ,,Warum, Olivier? Warum musst du alles zerstören, was mir etwas bedeutet? Hasst du mich so sehr?''
Olivier hob eine Braue. ,,Das fragst du noch? Ich habe dich schon ab dem Moment gehasst, als unser Vater dich zum ersten Mal im Arm gehalten hat. Aber darum geht es überhaupt nicht.'' Er schüttelt den Kopf. ,,Du besitzt etwas, das von Rechts wegen mir gehören sollte.''
,,Du sprichts von den Fimenanteilen, die Vater mir überlassen hat? Und dafür bist du bereit, über Leichen zu gehen? Bist du wahnsinnig geworden?'' Olivier grinste selbstzufrieden, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schwieg.
Als Lucien klar wurde, dass er von seinem Stiefbruder keine weitere Erklärung bekommen würde, wandte er sich wutentbrannt ab und stürmte aus dem Büro. Er musste mit Adrienne sprechen, ehe diese erfuhr, was Olivier getan hatte.
Hoffentlich kam er nicht zu spät.
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Schicksalstage in Monaco *Abgeschlossen*
RomanceAdrienne fühlt sich unwiederstehlich zu ihrem attraktiven Boss Lucien Dupont hingezogen. Aber sie darf sich keine tieferen Gefühle für ihn erlauben! Denn der skrupellose Geschäftsmann aus Monaco hat scheinbar nichts Geringeres im Sinn, als ihre Fami...