Part 54 - Odor

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Hey! :)

Ich hoffe, ihr habt alle schon bei meinen Kurzgeschichten reingeschaut! Mir persönlich hat es wirklich Spaß gemacht! Die nächste, die ich hochladen werde (ich kann euch noch nicht sagen, wann ich fertig bin), ist mit Harry! :)

Viel Spaß mit dem Part! <3

Danke für eure Votes & Kommentare! :)

Part 54 – Odor

(dt. Geruch)

Bevor ich ins Zimmer zurückgekommen bin, hat sich Harry bis auf Boxershorts und Shirt ausgezogen.

Das Shirt ist lang, weswegen seine tätowierten Arme bedeckt sind.

Er ist noch so jung und hat trotzdem schon so viele Tattoos. Und mittlerweile bin ich mir sicher, dass hinter jedem eine Bedeutung steckt. Weil hinter Harry so viel mehr steckt, als man zuerst vermutet. Als ich zuerst vermutet habe.

Aber heute frage ich ihn nicht mehr. Vielleicht würde er mir sowieso nichts sagen.

Wenn man einen Menschen verliert, gibt es – vor allem so kurz danach – keine tröstenden Worte. Es gibt nur tröstende Gesten, die einem zeigen, dass Leute für einen da sind, sich um jemanden kümmern.

Harry versucht es erst gar nicht und dafür bin ich ihm dankbar. Nachdenklich betrachte ich ihn. Ja, hinter ihm steckt mehr. Und vielleicht hat er ja auch schon mal jemanden verloren.

Und so schlafen wir irgendwann zusammen ein. Einer früher als der andere, aber dennoch zusammen.

Mein Gesicht ist in seiner Brust vergraben und sein Geruch vernebelt nahezu alle meine Sinne. Überschwemmt mich, gibt mir ein angenehmes Gefühl. Ein Gefühl, gewollt zu sein, sicher und beschützt.

Seine Arme verlassen meinen Rücken nicht, pressen mich dicht an ihn, als ob er mich nicht loslassen kann. Nicht loslassen möchte.

Ich weine nicht, ich bin ganz still. Atme und liege einfach nur da.

Aber ich fühle.

Und als ich seinen Geruch plötzlich erkenne, von einem früheren Erlebnis, zieht mich der Schlaf schon in seine erbarmungslosen Tiefen.

Ich gehe durch die Stadt. Gleich fahre ich los, zu meiner Freundin Skye.

Ich bin etwas aufgeregt, weil wir heute Nacht in den Wald, nahe an ihrem Haus, gehen wollen. Und gruselig ist noch untertrieben.

Heute ist viel los. Die Leute rauschen an mir vorbei, schenken mir kaum einen Blick. Aber das tue ich auch nicht. Mein Blick ist stets zu Boden gerichtet. Ich vermeide jeden Augenkontakt, betrachte immerzu meine Fußspitzen, die Schritt für Schritt voreinander setzen.

Ich bin keiner dieser Menschen, die provokativ jedem in die Augen starren, um irgendeine Reaktion zu erzeugen. Ich kann es nicht mal besonders leiden, wenn mich fremde Leute anschauen. Mir wird unwohl und ich habe instinktiv das Gefühl mich zu verstecken, indem ich mich an der Nase kratze oder ähnliches. Um eine Schutzmauer aufzubauen.

Ich gehe weiter, auf eine Parfümerie zu, weil ich mir mein Lieblingsparfum nachkaufen will.

Drinnen überwältigt einen die Duftwolke aus all diesen verschiedenen Gerüchen fast komplett.

Bald schon kann ich gar nichts mehr richtig unterscheiden.

Die Düfte sind ja doch alle gleich. Nicht einzigartig. Denn jeder kann sie kaufen.

Ich zucke mit den Schultern, kaufe mir mein Parfum trotzdem. Sehe auf die Uhr. Habe noch einige Minuten, bis die Bahn fährt, die mich zu Skye bringt.

Als ich aus dem Geschäft gehe und am Rand einen Obdachlosen sitzen sehe, krame ich etwas Kleingeld hervor und werfe es in seinen Becher. Ich hoffe einfach, dass es keiner dieser engagierten Leute ist, sondern jemand, der es wirklich braucht.

Gehe weiter, immer in Richtung Bahnhof.

Ich sehe ihn erst kommen, als er fast direkt vor mir steht. Möchte ausweichen, reagiere nicht schnell genug.

Die Person, in Kapuzenjacke gekleidet, sodass ich sein Gesicht nicht sehen kann, rempelt mich an. Entschuldigt sich nicht mal, hastet einfach weiter an mir vorbei. Das einzige, was ich höre, ist ein leises Luftholen.

Ich drehe mich um, doch er verschwindet einfach weiter in der Menge.

Was soll’s, das wird mich auch nicht umbringen.

Als ich weiterlaufe, geht mir eine Sache doch nicht aus dem Kopf.

Sein Geruch. Irgendetwas da ist sicher Parfum oder ähnliches gewesen, aber das ist nur ein Bestandteil, da bin ich mir sicher. Kann man einen Menschen aufgrund seines Duftes faszinierend finden?

Ich versuche ihn vor mir heraufzubeschwören, aber unsere Begegnung ist so kurz gewesen, dass es bereits wieder schwindet.

Ich kann nicht mal sicher sagen, ob der Fremde einen schwarzen, dunkelblauen oder grauen Kapuzenpullover angehabt hat.

Ist ja auch egal. Ich schüttele den Kopf. Zerbrech dir nicht den Kopf darüber.

Ich komme beim Bahnsteig an, steige in den Zug, warte auf das Abfahren.

In letzter Sekunde höre ich wie jemand hinter mir durch die Türen herein hastet.

Mein Blick schweift zu ihm, er geht zwei Reihen weiter und lässt sich auf seinen Sitz fallen.

Vielleicht habe ich es dort erkennen müssen, aber das habe ich nicht.

Der Junge hat ebenfalls einen Kapuzenpullover an. Aber es wäre ja wirklich seltsam ihn zu fragen, ob ich mal an ihm riechen darf, weil ich denke, dass er derjenige ist, der mich angerempelt hat.

Seine grünen Augen lassen mich kaum aus den Augen, beobachten mich, behalten mich im Blick und mit jeder Minute in der Bahn wird mir unwohler.

Er fährt sich durch seine Haare, fixiert mich immer noch mit seinem stechenden Blick.

Ich schaue demonstrativ aus dem Fenster, auf den Boden, nur nicht in seine Richtung.

Als ich aussteigen muss, bete ich, dass er sitzen bleibt. Er tut es.

Erlöst springe ich geradezu auf, als sich die Türen öffnen.

Sehe nicht zurück, als sie sich wieder schließen und den seltsamen Jungen mit sich nehmen.

In eine andere Richtung, in ein anderes Leben. Denn er hat rein gar nichts mit meinem zutun. 

So, ich hoffe, ich hab es klar genug gemacht, haha :D

Der Traum ist eine Erinnerung - an den ersten Tag, bevor sie Harry und die anderen im Wald getroffen hat. Am Anfang hat Lauren ja kurz erwähnt, dass Harry sie schon in der Bahn beobachtet hat... :D

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