Part 59 - Graves

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Hallo! :)

Ich glaube, in den letzten beiden Tagen habe ich neue Leser dazubekommen, denn ihr habt soviel gevotet & kommentiert wie noch nie! Das freut mich wirklich total! :) <3

Viel Spaß mit Part 59 - und zur Aufklärung, da einige gefragt haben: Harry hat das "Ich liebe dich" alles andere als freundschaftlich gemeint! :D 

Danke für eure Unterstützung jedes Mal! <33

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Part 59 – Graves

(dt. Gräber)

Sie war so tapfer, so unglaublich tapfer. Das schießt mir immer wieder durch den Kopf.

Und dann realisiere ich, dass jeder Geburtstag reine Qual für ihn sein muss. Und es würde sich so falsch anfühlen, ihm zu gratulieren. Einen solchen Tag gratuliert man nicht.

Als er angefangen hat, ist mir ziemlich schnell früh klar gewesen, worauf das Ganze hinaus läuft. Aber als er es schildert, so erzählt, so emotionsgeladen, kann ich nichts tun, als die Hände vor den Mund zu schlagen und die Tränen lautlos fließen zu lassen.

Bitter starrt Harry mich an. „Oh mein Gott, es tut mir so leid, Harry“, es ist unfair, dass ich mehr schluchze, mehr weine als er.

Aber ich kann es nicht halten, nicht stoppen.

Zuerst etwas zaghaft, aber dann kräftiger umarme ich ihn. Er erwidert es, presst mich so dicht an ihn, aber dieses Mal ist es einfach nur tröstend, sonst nichts.

Harry hat sie geliebt, jahrelang. Hat sie verloren, gibt sich selbst die Schuld daran.

Und vielleicht liebt ein Teil von ihm sie immer noch.

Vielleicht ist es tatsächlich alles ein bisschen zu viel für mich, aber die Tränen wollen gar nicht mehr stoppen.

Ohne, dass ich etwas sage, löse ich mich von ihm, bringe kein Wort hervor, weil meine Kehle so verstopft scheint.

Ich stolpere zum Grab meines Großvaters, sinke erneut in die Knie. Beweine ihn, meinen Verlust.

Alles ergibt Sinn. Harry, der vollkommen aufgelöst zu mir kommt. Vielleicht sind alle seine Erinnerungen gekommen. Und er hat eine Pause gebraucht, eine Pause vom Starksein.

„Lauren“, Harrys Stimme ist besorgt, aber kann mich nicht beruhigen.

Er tritt hinter mich, zieht mich hoch, schlingt seine Arme um mich.

Ich bin so schwach, fühle mich schon fast erbärmlich.

„Wird es besser?“, frage ich zitternd. Wenn Harry mich loslassen würde, würde ich wahrscheinlich einfach zurück auf die Erde sinken.

Harry atmet tief ein, scheint zu überlegen.

Zayn hat gesagt, es wird besser. Nur wie soll ich ihm das jetzt glauben?

Es überwältigt mich, es überschwemmt mich, ich kann einfach nicht dagegen anstehen.

„Ich bin da, Lauren“, raunt Harry immer wieder beruhigend in mein Ohr, als ich wieder und wieder aufschluchze.

Er beantwortet meine Frage nicht, aber es macht nichts. Nicht jeder drückt seinen Schmerz in so vielen Tränen wie ich aus. Manche leiden stiller als andere.

Wie habe ich nur eine einzige Sekunde in Erwägung ziehen können, dass Harry tatsächlich jemanden umgebracht hat?

Ich murmele: „Du bist wirklich nicht schuld, Harry. Der andere Fahrer war das, nicht du.“

Harrys Arme um meinen Bauch werden lockerer. „Alle in dem anderen Auto sind auch gestorben.“

Darauf erwidere ich nichts. Was könnte ich auch sagen?

„Aber ich habe etwas erkannt“, er dreht mich zu sich herum, lässt mich los.

Überraschenderweise kann ich wieder stehen, habe wieder Kraft getankt.

„Was zählt, sind die Lebenden, nicht die Toten“, eindringlich mustert er mich.

„Ich fühle mich nur einfach so schlecht. Ich weiß nicht mal mehr, was ich fühle“, erkläre ich verzweifelt.

Harry schließt die Augen, zieht mich dann wieder zu sich heran.

Ich bin froh, dass er da ist. So froh, dass mein Herz wärmer wird. Weil er mitfühlt, weil er für mich da ist. Weil ich mich dann nicht mehr ganz so schlecht fühle.

Dieser kurze Moment an Glückseligkeit strömt durch meine Adern, erhellt jeden Punkt in meinem Körper und vergeht darauf wieder, glimmt aber dennoch immer noch nach.

Harry öffnet leicht seine Lippen, schweigt aber.

Ganz sanft küsst er meine Stirn.

Und ausnahmsweise ernst und in keinster Weise anzüglich meinend, sagt er: „Ich werde nicht zusehen, wie du dasselbe wie ich durchmachst. Ich werde dich glücklich machen.“

Und es klingt nicht mal kitschig, es klingt wie ein ehrliches Versprechen. Ein Versprechen, das so viel beinhalten kann.

Bei dem kleinen Blumenshop, der direkt am Friedhof grenzt, kauft Harry zwei weiße Rosen für uns.

Ich schlucke kurz, als ich die Pflanze sehe, aber ich schätze, sie muss es sein.

Es fühlt sich richtig an, auch wenn es schmerzt.

Genau wie meine Trauer: richtig, aber schmerzend.

Sanft lege ich sie neben den Grabstein meines Großvaters ab.

Ich hoffe, dass jede Blume, die man auf das Grab eines Menschen legt, diesen grüßt, glücklicher werden lässt.

Damit er weiß, dass es mir nicht egal ist.

Wir gehen zurück zu Sienna und ich lasse Harry kurz Zeit.

„Zeit weiterzuziehen, hm?“, meint Harry.

Und ich bin mir nicht sicher, ob er damit nur meint, dass wir gehen sollten, weg von diesem Ort, oder ob er meint, dass er über Sienna hinweg ist.

Seine Rose fällt auf die Erde, direkt neben eine frische, rote, aber ich schenke ihr keine Aufmerksamkeit.

Nehme Harrys Hand und zusammen drehen wir uns um, laufen zum Ausgang, weg von diesem stillen, leidenden Ort.

Haben beide noch nicht abgeschlossen, aber es geht voran. Das wird es immer. 

Toxic Love (Harry Styles/Zayn Malik FF; AU)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt