Nachhilfe bei der Fledermaus

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Das erste, was ich tat, nachdem ich in meinem Zimmer angekommen war, war, unter die heiße Dusche zu gehen. Also, ich würde ja vieles tun, um diesem Ekelpaket eines auszuwischen, aber zu einem Treffen - auch wenn das wirklich nicht freiwillig war - würde ich definitiv nicht stinkend gehen. So weit kommt's noch, dass ich der blöden Fledermaus auch noch einen Grund gebe, über mich her zu ziehen oder mich zu verarschen. Nee, nee, das konnte er sich gleich mal in seinen Hintern schieben. Hmmm, meine Beine hätten wieder einmal eine Rasur nötig. Aber war das nicht zu übertrieben? Herrgott, Mimi, Du gehst zu einer Nachhilfestunde bei dem wohl fiesesten Kerl, der Dir in den letzten Jahren untergekommen ist - und das will bei der Menge an Franzosen schon etwas heißen - also entspann Dich jetzt endlich mal und mache Dir keine Gedanken über Dein Aussehen. Du könntest als Bettler verkleidet gehen und ihn würde es NULL interessieren und Dich doch auch nicht.
Trotzdem entschied ich mich dafür. Ich musste ja nicht wie ein haariges Knuddelmonster auftauchen. Nein, das ging gar nicht. Außerdem fühle ich mich ansonsten nicht wohl. Das war einfach nicht ich. Ich achtete nun einmal sehr auf mein Aussehen. Was war so schlimm daran? Absolut gar nichts. Also bitte, verklagt mich doch.
Ich wusch mir meine langen, blonden Haare und knetete noch extra meine Intensivspülung hinein, damit ich sie mir später schön glatt föhnen beziehungsweise trocken zaubern konnte. Dann würden sie mir als eine Art natürlicher Schutzvorhang über die Schultern fallen und ich konnte damit zur Not mein Gesicht verstecken.
„Mimi, bist Du schon ertrunken", rief Lilly vor der Tür.
Oh Mist, ich hatte komplett vergessen, dass sie in meinem Schlafraum auf mich wartete. Wo war ich denn bloß mit meinen Gedanken? Wenigstens diese eine Frage konnte ich ganz eindeutig beantworten: Ich war bei meinem persönlichen Albtraum. Severus Snape und Zaubertränke in einem dunklen Kerker. Na, wenn da keine Freude aufkommt. Und das auch noch an einem Samstag. Das sollte ein super Wochenende werden und jetzt das. Da hatte mir Slughorn ein riesiges Überraschungei gelegt.
„Mimi?"
„Ja, ich komme ja schon", gab ich zurück und stellte das Wasser ab. „Nur keinen Stress, ja? Den bekomme ich schon noch früh genug."
Ich trat aus der Dusche, schnappte mir ein Handtuch und rubbelte mich trocken. Dann wickelte ich mich darin ein und ein zweites um meinen Kopf. So ging ich zurück in mein Schlafzimmer.
„Tadaaa, ich bin fertig", sagte ich und streckte meine Arme seitlich weg, um mich zu präsentieren.
„Uh lala", meinte Lilly und fächelte sich mit der Hand spielerisch Luft zu. „Ziemlich heiß würde ich sagen. Das würde Severus mit Sicherheit gefallen."
„Ich will ihm ja gar nicht gefallen! Hör zu, er ist Dein Ex und damit schon mal absolut tabu für mich. Also könntest Du mir bitte einen Müllsack oder so besorgen?"
„Na, so weit kommt's noch, dass Du in einem Müllsack herum läufst. Wenn Du Severus ärgern willst, dann musst Du in knalligen Farben herum laufen. Das mag er nämlich gar nicht."
„Ich hab überhaupt nichts knalliges. Was soll ich denn jetzt anziehen?"
Ich stand mittlerweile vor meinem Kleiderschrank und hatte wie immer „viel zu wenige Klamotten". Oh Mann, war das bescheuert. Wieso geht es uns Frauen immer nur so? Männer kümmern sich doch auch einen Scheißdreck darum, wie sie aussehen. Gut, die meisten jedenfalls. Wieso wird dann von uns erwartet, dass wir immer top gestylt durch die Gegend rennen? Ich verstehe einfach nicht, warum die Welt so ungerecht ist. Und wieso bitte, stehe ich jetzt hier und frage mich, was ich zu meiner Nachhilfestunde mit diesem miesen Typen anziehen soll? War ich denn komplett verrückt geworden? Ich glaube, demnächst würde ich noch eine Hab-mich-lieb-Jacke brauchen. Tja, dann hätte ich wenigstens etwas, was ich tragen konnte. MIMI! REIß DICH JETZT ENDLICH MAL ZUSAMMEN!
„Keine Ahnung", riss mich Lilly aus meinen Überlegungen. „Ich würde Jeans und T-Shirt vorschlagen. Ganz normal einfach. Sag mal, was machst Du Dir eigentlich so große Gedanken um das, was Du anziehen sollst?"
„Glaub mir, das frage ich mich gerade selbst. Ich bin einfach nicht ich selbst im Moment. Ich hasse Zaubertränke und das dann auch noch mit Snape zusammen... Das ist meine ganz persönliche Hölle. Was habe ich in meinem Leben nur falsch gemacht, dass ich das verdiene?"
„Du hast überhaupt nichts falsch gemacht. Du bist nur etwas nervös, das ist alles. Das wäre ich auch. So, dann wollen wir mal sehen, was Du so in Deinem Schrank hast. Da wird sich schon etwas finden."
Sie trat an mir vorbei und schaute zuerst meine Hosen durch, während ich eine schwarze Spitzenunterwäsche aus meiner Schublade kramte und schnell hinein schlüpfte. Dann reichte mir Lilly meine hellblaue Lieblingsjeans. Ich liebte dieses Teil, da sie ziemlich sexy den Hintern betonte. Als nächstes schmiss sie mir ein schwarzes Shirt mit Neckholder ins Gesicht, während ich noch mit meiner Hose beschäftigt war.
„So Problem gelöst", sagte sie lächelnd.
Ich zog mir das T-Shirt über den Kopf und entfernte schnell die Träger von meinem BH, die zum Aushaken waren. Dann betrachtete ich mich im Spiegel. Lilly hatte wirklich einen guten Geschmack. Aber war das Oberteil nicht zu tief ausgeschnitten? Na ja, das würden wir ja sehen, wenn ich komplett fertig war. Mit Turban auf dem Kopf konnte ich das noch nicht so genau sagen.
Als nächstes setzte ich mich an meinen Frisiertisch und legte ein schlichtes Make-up auf. Das hieß für mich Puder, Kajal und Wimperntusche. Das musste genügen. Und nun zu den Haaren. Mit einem Schlenker meines Zauberstabs föhnte ich sie nur schnell trocken, sodass sie in einem goldenen Schleier bis auf mein Steißbein fielen. Ja, das passte, aber ich würde zur Sicherheit noch einen Haargummi mitnehmen, nicht dass ich sie mir noch abfackelte. Das wäre ja was.
Fehlten nur noch die Schuhe. Ich entschied mich für meine schwarzen Sneakers. Sicher hätten Pumps besser dazu ausgesehen, aber immerhin würde ein Severus Snape mit mir im gleichen Raum sein und ich wusste nicht, was passieren würde. Vielleicht musste ich auf einmal ganz schnell laufen, dann waren Absätze wirklich das letzte, was ich gebrauchen konnte. Ich war vielleicht vieles, aber lebensmüde definitiv noch nicht!
„Du siehst wirklich gut aus", sagte meine Freundin zu mir, als sie mich vor den Spiegel zog und ich musste zugeben, dass sie recht hatte. Das Shirt brachte meine Titten super zur Geltung.
„Aber ist das nicht zu aufgedonnert", wollte ich wissen und zupfte an meinem Dekolleté herum.
„Nein gar nicht. Ich finde, das steht Dir super. Und was ist schon schlimm daran, wenn man sich ein klein wenig zurecht macht? Auch für eine Nachhilfestunde mit Snape ist das okay."
„Ich glaube, in einem Müllsack würde ich mich wirklich wohler fühlen."
„Ach, hab Dich nicht so. Das ist nur die Aufregung. Du wirst sehen, so schlimm wird es schon nicht werden."
„Aber es geht um Zaubertränke UND Snape. Das ist..."
„Jetzt stell Dich nicht so an. Severus ist wirklich nicht so übel, wie er immer tut. Glaub mir, ich kenne ihn am besten. Und Du willst doch nicht in Zaubertränke durchfallen oder?" Ich schüttelte den Kopf. „Na siehst Du. Severus ist wirklich gut darin. Er erklärt das in relativ einfachen Worten, die echt JEDER kapiert, der auch nur ein kleines bisschen was von Magie versteht. Also sei kein Frosch, kneif die Arschbacken zusammen und sei eine Frau!"
„Ja, ja, ist ja schon gut. Bist Du Dir sicher, dass Du nichts mehr von ihm willst, so wie Du ihn in Schutz nimmst?"
„Ja, absolut sicher."
„Hast Du vielleicht noch ein paar letzte Tipps für mich, bevor ich mich in die Höhle des Löwen, oder besser gesagt, der Schlange, begebe?"
„Ja, habe ich. Also, was Severus gar nicht leiden kann, ist, wenn man ihm nicht zuhört. Da wird er immer fuchsteufelswild. Und Du solltest ihm ein klein wenig Respekt zeigen, denn immerhin macht er das nicht für sich. Er ist nicht darauf angewiesen, verstehst Du? Und Gesprächsthemen, die Du meiden solltest sind seine Familienverhältnisse und natürlich ich. Es sei denn, er spricht sie von selbst an. Trotzdem solltest Du die Themen dann immer recht schnell beenden, nicht dass er noch schlechte Laune bekommt. Das möchtest Du nicht erleben. Wobei, das hast Du ja schon, also hast Du gesehen, wie er werden kann. Dann mutiert er nämlich wirklich zum Arschloch. Okay, und was Du noch beachten solltest, ist, dass Du ihn niemals - und ich meine wirklich NIEMALS, NIE IM LEBEN - unterbrechen oder widersprechen solltest. Das hasst er."
„Aber was wenn..."
„Beherzige einfach meine Ratschläge, Mimi, dann wird schon alles gut werden. Und wenn Du wirklich sauer wirst, dann ignoriere ihn und mach Deine Arbeit. Konzentriere Dich darauf. Und lass Dich nicht von ihm provozieren, denn ich kann nicht versprechen, dass er es nicht versuchen wird. Wenn es wirklich ausarten sollte, dann sag ihm einfach, dass Du ein paar Minuten Pause brauchst und gehe raus um kurz durchzuatmen. Hau ihm nicht einfach eine in die Fresse, auch wenn Dir noch so sehr danach ist."
„Okay, das habe ich soweit verstanden. Aber was ist, wenn er mich auslacht, weil ich so schlecht bin? Dann kann ich wirklich für nichts garantieren. Da raste ich aus!"
„Er wird das nicht tun. Severus weiß genau, dass Zaubertränke ein sehr schwieriges Fach ist und dass nicht jeder super darin sein kann."
„Na, Dein Wort in Gottes Ohr."
„Zieh es einfach durch, Mimi. Ich weiß, dass Du das kannst. Du bist stark und Du hast Köpfchen. Aber trotzdem solltest Du jetzt langsam los. In zehn Minuten solltest Du unten in den Kerkern sein. Das wird eh schon relativ knapp."
Wie, was, wo? Schon so spät? Wo war die Zeit nur hin? Oh Gott, ich will nicht, ich mag nicht! Kann mich nicht doch noch jemand schnell umbringen? Das wäre wirklich überaus freundlich. So eine kleine Kopfverletzungen würde aber auch schon reichen. Okay, drücken wir es anders aus: Kann mich nicht einfach irgendwer kurz in so einen Zustand versetzen, dass es mir leider nicht möglich ist, zu der Nachhilfestunde zu gehen?
„Hör jetzt endlich auf, Dich wie ein Feigling zu benehmen, Mimi", maulte mich Lilly kurzerhand an. „Das bist Du nicht! Hast Du alles, was Du brauchst?"
Ich warf noch einen schnellen in Blick in meine Tasche mit den Trankzutaten und -utensilien, die auf meinem Schreibtisch stand.
„Ja, ich glaube schon."
„Na, dann ab mit Dir."
„Sicher, dass ich nicht doch einen Müllbeutel drüber ziehen soll?"
„MIMI!"
„Ja, ja, ist ja schon gut. Keinen Grund, sich gleich aufzuregen. Danke noch einmal für die Tipps. Ach, und dass Du auf Filou aufpasst."
Den würde ich nämlich nicht mitnehmen, auch wenn ich es liebend gern getan hätte. Aber die Gefahr, dass er mich irgendwie ablenkte oder sogar eingriff, wenn Snape mich ärgerte, war zu groß. Außerdem haarte er im Moment ziemlich heftig. Und wenn allein schon ein Fussel einen Zaubertrank verändern konnte...
„Kein Thema, Mimi", meinte Lilly und umarmte mich schnell. „Und jetzt schau, dass Du Land gewinnst."
„Zu Befehl, Kapitän. Bis später dann. Wünsch mir Glück."
„Mach ich."
Ich drehte mich um und lief aus meinem Zimmer. Jetzt aber schnell, Mimi.

Come fly with me loving batGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt