Tango d'amour

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Noch bevor ich die Tür erreichte liefen die Tränen.
Wie konnte mir Severus nur so etwas antun? Wieso küsste er eine andere? Gut, er hatte es nicht auf die Lippen getan, aber trotzdem. Das änderte überhaupt nichts an der Situation an sich.
Irgendwie war mein Plan ziemlich nach hinten los gegangen. Ich hatte ihn mit Sirius eifersüchtig machen wollen, wollte ihm vor Augen führen, wie sehr diese seelischen Qualen weh tun konnten. Doch stattdessen hatte er einfach den Spieß umgedreht. Er hatte einfach diese dumme Kuh befummelt und auf den Hals geküsst. Ich meine, gut, ich hatte Sirius auch berührt, aber mehr war da nicht gewesen. Ich hatte ihn nicht angegrapscht. Das einzige, was ich getan hatte, war, meine Finger in sein Haar zu schieben. Für die Latte, die er gehabt hatte, konnte ich nichts. Okay, Severus und ich waren nicht zusammen und ich konnte ihm somit nicht vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hatte. Aber er hatte doch zu mir gesagt, dass ich ihm wichtig war oder etwa nicht? Galt das jetzt alles nicht mehr? Hatte er es sich anders überlegt? Oder hatte er mich wirklich nur rumkriegen wollen und ließ mich jetzt fallen wie eine heiße Kartoffel, weil er es nicht geschafft hatte?
Ich wusste nicht mehr weiter. Ich fühlte nur noch den Schmerz. Mein Herz fühlte sich an, als würde es in der Mitte entzwei gerissen werden. Ich bereute in diesem Moment alles, was ich getan hatte. Ich hätte mich nicht auf Severus einlassen und mich nicht in ihn verlieben dürfen. Ich hätte es niemals zulassen dürfen, dass man mich so verletzt. Gott, mein Vater hatte recht gehabt: Jungs waren alle scheiße und wollten alle nur das eine. Oder war dem doch nicht so und der Fehler lag bei mir? Gott, ich hatte so vieles falsch gemacht. Ich hätte diesen Satz „Wie Lilly" einfach überhören und mich stattdessen einfach von ihm küssen lassen sollen. Dann wäre so vieles nicht geschehen, was jetzt passiert war. Ich wäre jetzt wahrscheinlich mit Severus zusammen und überglücklich. James und seine Jungs wären mir nicht über den Weg gelaufen und es hätte den Angriff nicht gegeben. Niemand wäre verletzt worden und Severus hätte mich nicht einfach so im Krankenflügel liegen gelassen. Wahrscheinlich wäre ich jetzt mit ihm auf der Tanzfläche gewesen und hätte mich von ihm berühren und küssen lassen, denn ich hätte diese Show niemals abziehen müssen und Severus hätte keine andere geküsst.
Da sieht man es mal wieder, ich war selbst schuld an meiner Misere. Wieso hatte ich nicht einfach die Worte überhören können? Warum hatte ich wieder einmal ausflippen müssen? Hätte ich nicht einfach schlucken und mein Temperament im Zaum halten können? Toll, Mimi, das hast Du wirklich super hin gekriegt. Gut, man konnte die Sache auch anders herum auslegen. Hätte Severus mich nicht mit Lilly verglichen, dann wäre ich nicht ausgeflippt und so weiter und so fort. Aber zu so etwas gehörten immer Zwei.
Doch was sollte ich jetzt tun? Ich wollte nicht mehr zurück auf das Fest, aus Angst, Severus dort knutschend mit seiner Tussi vorzufinden. Aber ich konnte mich nicht einfach so davor drücken, denn immerhin war es Pflichtprogramm für alle Schüler und wenn man mich erwischte, würde ich nur wieder Ärger bekommen. Den hatte ich im Moment aber wahrlich genug.
Also blieb mir nur eine Möglichkeit: Ich musste mich jetzt irgendwo hin verziehen und dann hatte ich maximal eine Viertelstunde Zeit, mich zu beruhigen. Nicht mehr und nicht weniger. Das musste genügen um wieder zu einigermaßen klarem Verstand zu kommen. Ich musste nur meine Gedanken sortieren und versuchen, mich so weit in den Griff zu bekommen, dass mir niemand etwas anmerkte. Vor allem nicht Severus. Er durfte nie merken, wie sehr er mich verletzt hatte. Diese Genugtuung durfte ich ihm nicht gewähren. Koste es, was es wolle. Ich musste nur noch ein letztes Mal stark bleiben. Und gleich morgen würde ich in der Pause zu Professor Slughorn gehen und ihn bitten, mich von der Nachhilfe zu erlösen. Ich brauchte sie jetzt immerhin nicht mehr, denn mit einem Annehmbar hätte ich die ZAG-Prüfung bestanden. Das reichte mir vollkommen. Aber ich wollte nie wieder alleine mit Severus in diesem Kerker sein. Zu viel war passiert und ich steckte zu tief in dieser Sache drin. Ich musste ihn vergessen, sonst würde ich zerbrechen.
Ich lief in die Damentoilette im zweiten Stock. Dort würde ich meine Ruhe haben, denn die im Erdgeschoss wurde von allen Festbesucherinnen benutzt und in der im ersten Stock trieb ein komisches Geistermädchen ihr Unwesen. Auf die hatte ich jetzt wirklich keine Lust. Ich brauchte absolute Ruhe, wenn ich runter kommen wollte. Und das musste ich, damit ich es Severus Snape doch noch irgendwie zeigen konnte.
Ich flog quasi durch die Tür, doch weiter kam ich nicht, denn meine Beine gaben unter mir nach. Das waren sie gewesen, meine letzten Kraftreserven. Ich hatte es noch bis hierher geschafft, aber weiter ging es nicht mehr. Ich gab den Kampf auf, rollte mich auf dem Boden zusammen und ließ meinen Tränen nun vollends freien Lauf.

Come fly with me loving batGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt