Die Hilfe eines Freundes

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„Veritaserum", rief ich der Fetten Dame schon von weitem entgegen.
Ich hatte es endlich geschafft, zum Gryffindorturm zu gelangen und war mehr als froh darüber. Hier würde mich Severus nicht mehr belästigen können. Hier hatte ich vor ihm meine Ruhe. Ich hatte es sogar geschafft, meine Tränen zu unterdrücken. Die würde ich erst laufen lassen, wenn ich oben in meinem Bett lag und dann würde mich nichts und niemand davon abhalten können.
Wieso nur hatte Severus das getan? Warum nur musste er mich eine Schlampe nennen, die so eklig war, dass es ihm grauste, mit ihr zu schlafen? Hatte er es deshalb nicht getan? Weil er sich vor mir ekelte? Und was bildete er sich eigentlich ein, mir dann auch noch hinterher zu laufen und die einzige Bedingung abzulehnen, die ich ihm gestellt hatte? Sicher verstand ich, dass Severus unsere Beziehung geheim halten wollte, da Avery und Nott ziemlich schräg drauf waren. Aber musste er denn so etwas Bösartiges sagen? Ob bewusst oder unbewusst hatte er nämlich genau die Worte ausgesprochen, die mich belasteten. Und die hatte ich ihm ja auch noch gesagt. Blöde, bescheuerte Fledermaus. Ich wollte ihn nie wieder sehen und nie wieder mit ihm sprechen. Das war heute definitiv zu viel des Guten gewesen. Irgendwann hatte der Spaß auch mal sein Ende und das konnte ich ihm nicht verzeihen. Vor allem, dass er sich für seine Freunde und gegen mich entschieden hatte. Das tat so weh. Der Schmerz fraß mich beinahe auf! Ich wünschte mir nichts sehnlicher, als mich endlich in mein Bett verziehen und mich so richtig ausheulen zu können, denn das brauchte ich jetzt.
„Wie siehst Du denn aus", wollte die Fette Dame von mir wissen. „Bist Du irgendwie unter die Räder gekommen?"
Ich hatte jetzt keine Lust, mir irgendwelche Belehrungen oder Beileidsbekundungen von einem Gemälde anzuhören. Ich wollte einfach nur nach oben in mein Schlafzimmer. War das denn zu viel verlangt?
„Veritaserum", seufzte ich deshalb nochmal.
„Hey, man wird doch wohl mal fragen dürfen. Ich habe es doch nur gut gemeint. Und außerdem blutest Du hier den ganzen Boden voll. Das wird unserem lieben Filchie aber gar nicht gefallen."
Da platzte mir der Kragen. Heute schien einfach nicht mein Tag zu sein. Ich wollte doch nur einmal nicht die Starke sein und zur Heulboje mutieren. Bitte!!!
„Ich würde hier garantiert nicht alles vollsabbern, wenn Du mich endlich rein lassen würdest", schrie ich sie deshalb an. „Ist das denn so schwer? Ich sage es jetzt noch ein letztes Mal und wehe ich kann dann nicht rein. VERITASERUM!"
Wer dachte sich eigentlich diese Passwörter aus? Mit dem musste ich dringend mal ein Wörtchen reden. Musste man denn unbedingt ein Passwort nehmen, dass mich so sehr an Severus erinnerte? Ich hörte seine Stimme in meinem Kopf, als wäre es gestern gewesen.
„Jetzt sag schon endlich, was mit Dir los ist. Oder ich muss Dich dazu zwingen, etwas von meinem Veritaserum zu trinken? Das ist übrigens einwandfrei, nur damit Du es weißt."
Die Tränen stiegen mir in die Augen. Scheiße, warum musste mich selbst hier oben etwas an Severus erinnern? Ich hatte geglaubt, hier oben hätte ich meine Ruhe. Komm schon, Mimi, bleib stark! Zumindest noch drei Minuten. Dann bist Du oben und kannst Deinen Tränen freien Lauf lassen. Bis dahin heißt es noch: Kopf hoch, Brust raus! Nur drei Minuten. Das ist doch ein Klacks, wenn man an die Ewigkeit denkt, die vor Dir liegt. Oh Gott! Eine Ewigkeit ohne Severus. Wie sollte ich das nur überleben? Hatte ich vielleicht falsch reagiert? Hätte ich diese Beleidigung vielleicht einfach so hinnehmen wollen? Vielleicht hatte er uns wirklich nur beschützen wollen. Aber wieso hatte er dann so etwas gemeines überhaupt gesagt? Die Antwort war immer die gleiche: Ich weiß es nicht.
„Mann, ist ja gut", maulte die Fette Dame mich jetzt an. „Komm wieder runter, Mädchen. Du tust ja gerade so, als hätte ich gesagt, dass ich Dich gleich auffresse. (So sah sie ja auch aus!) Also, entspann Dich endlich. Ich mach ja schon auf."
Wie in Zeitlupe öffnete sie sich. Himmel, Herrgott, ging das denn nicht schneller? Ich hatte schließlich besseres zu tun, als mir hier die Beine in den Bauch zu stehen. Dann war der Weg endlich frei für mich und ich stürmte los - Filou auf den Fersen - und hatte die rettende Treppe bereits ins Auge gefasst.
BAMM. Ich war gegen irgendwas ziemlich hartes gelaufen, taumelte rückwärts und landete volle Kanne auf meinem Hintern. Toll, die einzige Sache, die ich mir heute nicht verletzt hatte, würde jetzt grün und blau werden und das nur wegen meiner eigenen Blödheit. Klasse, Mimi, wirklich toll! Der Kandidat hat 100 Punkte.
„Hey, Mimi, alles in Ordnung mit Dir", wurde ich gefragt. Ich sah auf und sah Sirius vor mir stehen. „Immer langsam mit den jungen Pferden. Ich weiß ja, dass ich ziemlich heiß bin, aber das ist noch lange kein Grund, gleich so über mich her zu fallen und sich mir dann auch noch zu Füßen zu legen."
Er streckte die Hand nach mir aus, die ich dankbar ergriff und zog mich nach oben. Da schaute er mich das erste Mal genau an.
„Heilige, Scheiße, Mimi, was ist denn mit Dir passiert", rief er erschrocken aus.
„N... n... nichts", schluchzte ich.
Mein glorreicher Sturz auf den Arsch hatte das Fass vollends zum Überlaufen gebracht. Dahin war sie, meine sorgsam aufrecht erhaltene Gefühlsbarriere. Aber jetzt konnte ich sie nicht mehr halten. Die Tränen stiegen mir in die Augen.
„Das sieht mir aber nicht nach nichts aus", meinte Sirius, nahm mein Gesicht in beide Hände und schaute sich den Schnitt auf der Wange und den über der Augenbraue genauer an. „Das solltest man dringend untersuchen, Mimi. Die sehen tief aus und sie bluten ziemlich heftig. Wie ist das denn passiert?"
„Kann... kann... kann ich Dir... nicht... sagen. Bitte, Sirius, ich... ich... möchte einfach nur... nach oben. Ich gebe ein bisschen Diptam-Essenz drauf... dann... wird... es gleich... wieder besser."
„Wer hat Dir das angetan? Hat es irgendwas mit Schniefelus zu tun?"
Er sah ziemlich sauer drein. Sirius wusste, dass ich mit Snape zusammen war, halt, gewesen war und ihm hatte das gar nicht gepasst. Trotzdem hatte er das mir gegenüber nie erwähnt. Doch da er jetzt von ihm anfing, da dieser mir so weh getan hatte... Das hielt ich nicht aus.
„Bitte, Sirius... Ich... ich kann nicht! Ich möchte einfach nur meine Ruhe. Bitte!"
Da liefen die Tränen über und ich konnte sie nicht mehr aufhalten. Ich wollte es auch gar nicht mehr. Ich wollte nur noch alleine sein. Ich riss mich von meinem Freund los und stürmte in Richtung Treppe.
„Mimi", rief er mir hinterher, doch ich ignorierte ihn schlichtweg.

Come fly with me loving batGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt