Abschied

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Als ich aufwachte, stellte ich fest, dass ich nicht mehr in Dumbledores Büro war. Ich lag in einem weißen sterilem Raum auf einem Krankenhausbett mit weißer Bettwäsche. Na super, ganz toll. Ich war im Krankenflügel und dabei hasste ich solche Einrichtungen. Egal ob es sich um Krankenstationen, Krankenhäuser oder Arztpraxen handelte. Für mich war das einfach ein Graus. 
Ich setzte mich auf – mein Körper protestierte ein wenig aufgrund der Prellungen am Rücken – und sah mich um. Draußen vor den Fenstern war es stockfinster, wahrscheinlich war es mitten in der Nacht. Kein Mensch war bei mir am Bett, aber ich konnte sie sehr wohl hören. Sie schienen in Madam Pomfreys Schwesternzimmer zu sein, das sich neben dem Krankenzimmer befand. 
„Das arme Mädchen“, hörte ich die kleine Krankenschwester sagen. „Auf eine so tragische Art und Weise die Eltern zu verlieren... Aber was wird jetzt aus ihr?“
„Diese Entscheidung liegt nicht bei uns, Poppy“, erkannte ich die Stimme von Albus Dumbledore. „Es liegt an Miss Duchesse, wo sie...“
„Du weißt schon, dass es unhöflich ist, andere Leute zu belauschen, oder“, erschreckte mich eine mir bekannte Stimme beinahe zu Tode. 
Ich zuckte zusammen und stieß einen kleinen spitzen Schrei aus. Hastig sah ich mich um und sah meinen weißen Schäferhund rechts neben meinem Bett sitzen. Unter normalen Umständen hätte ich ihn jetzt dermaßen zusammen gestaucht, weil er mich so erschreckt hatte, aber jetzt war ich einfach nur froh, ihn bei mir zu haben. 
„Filou“, flüsterte ich leise und versuchte die Tränen zu unterdrücken, die mir in die Augen stiegen. „Ich bin ja so froh, dass Du hier bist.“
Ich rutschte ein Stück zur Seite und klopfte auf den frei gewordenen Platz. Sofort sprang Filou zu mir aufs Bett und kuschelte sich an mich. Es tat ja so gut, seine Nähe zu spüren. Endlich fühlte ich all die Liebe, die mir jemand gab und die ich so dringend brauchte. 
„Ich habe es schon mitbekommen“, meinte mein Hund in meinen Gedanken. „Ich war in Hogsmeade, als sie Dir die Nachricht überbrachten, aber ich habe Deine letzten Worte mitbekommen, die Du Taylor entgegen geschleudert hast. Wirklich sehr schön. Ich muss schon sagen, Mimi, Du hast echt Mumm, dass Du es gleich mit drei Lehrern gleichzeitig aufnehmen wolltest. Das mit Deinen Eltern tut mir übrigens sehr leid, meine Kleine. Du weißt, dass ich sie auch geliebt habe.“
„Ich weiß“, schluchzte ich. „Ich kann das noch gar nicht fassen. Mum... Dad... sie kommen nie mehr wieder. Sie haben mich einfach so alleine gelassen. Was soll ich denn jetzt machen? Ich wäre am liebsten tot.“
„Aber, aber, Mimi. So darfst Du gar nicht denken. Du hast doch mich. Ich werde immer für Dich da sein, das weißt Du. Solange ich lebe, lasse ich es nicht zu, dass Dir etwas geschieht, das verspreche ich Dir. Außerdem gibt es doch noch Deinen Schnuckiputz. Wobei, wo ist der eigentlich? Es wundert mich, dass er nicht hier an Deinem Bett sitzt und Dein Händchen hält.“
Jetzt begann ich noch mehr zu heulen. Die Tatsache, dass Snape mich betrogen hatte, hatte ich nach ganz weit hinten in mein Gedächtnis verbannt. Doch jetzt, da Filou ihn erwähnte, brach auch diese Erinnerung wieder aus meinem Inneren hervor und malträtierte mein ohnehin schon geschundenes Herz. Würde ich denn je wieder glücklich sein können? Würde ich den heutigen Tag, den ich nun wirklich als den schlimmsten meines Lebens bezeichnen konnte, jemals verarbeiten können? Ich glaube nicht. Zu viel war passiert. 
„Mimi, mein Schatz, was ist los“, fragte Filou erschrocken. „Habe ich irgendetwas falsches gesagt?“
Ich brauchte ein paar Minuten, bis ich überhaupt einen Ton heraus brachte. Tränen liefen wie Sturzbäche aus meinen Augen und ich hatte das Gefühl, als würde es meinen Brustkorb zuschnüren vor Schmerz. Es tat so weh. Ich wollte nicht an das alles denken, aber ich konnte die Gefühlswellen, die über mich schwappten, nicht aufhalten, so sehr ich auch wollte. 
„Hey, Süße“, was ist passiert“, sagte Filou, richtete sich auf und schleckte mir über die Wange. 
„Das mit Sev...“, stotterte ich. Es fiel mir einfach schwer darüber zu sprechen. Der Schmerz fraß mich beinahe auf. „Das mit dieser widerlichen Fledermaus und mir ist vorbei. Aus, Ende, Finito, Basta, Fini! Such Dir was aus.“
Ich schniefte laut und wischte mir recht undamenhaft meine Nase mit dem Ärmel des Krankenhaushemds ab, in das man mich gesteckt hatte. Na toll, jetzt hatte ich zu allem Übel auch noch einen entblößten Hintern. Konnte es noch schlimmer kommen? 
„Das ist nicht Dein Ernst, Mimi“, rief Filou aus. „Du verarscht mich doch gerade, oder?“
„Nein, tu ich nicht. Ich wünschte, es wäre so“, gab ich zurück. 
„Aber warum? Hat er sich über Dein Geschenk lustig gemacht?“
Filou wirkte echt schockiert. Damit hatte er nie und nimmer gerechnet. 
„Das ist nicht witzig, Filou“, schimpfte ich ihn nun doch. „Er hat es mit Lilly in unserem Raum getrieben. Und bevor Du fragst. Ja, ich bin mir sicher. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen.“
„Dieser elende, hirnverbrannte Schweinehund. Warte, der kann was erleben. Dem reiße ich sämtliche Knochen aus dem Leib, den zerfetze ich in millimetergroße Stücke und seinen dreckigen Schwanz gleich mit. Der soll sehen, was er davon hat. Den mache ich platt wie eine Flunder. Ich...“
„Krieg Dich wieder ein, Filou!“
„Oh nein, Mimi. Du kannst ja vieles von mir verlangen, aber das nicht. Ich habe geschworen, jeden, der Dir weh tut, fertig zu machen und daran halte ich mich. Jetzt ist Schluss mit lustig. Das hat er nicht umsonst getan, dieser verfluchte Blutsauger. Und ich habe mich auch noch von ihm blenden lassen. Hätte ich doch nur von Anfang an auf meinen Bauch gehört. Ich wusste, dass so etwas irgendwann kommen würde. Das gibt Rache, Mimi, das verspreche ich Dir!“
Filou war fuchsteufelswild. Er sträubte sogar das Fell und fletschte die Zähne obwohl Fucking Bat gar nicht in der Nähe war. 
„Das bringt doch jetzt alles nichts, Filou“, versuchte ich ihn runter zu bringen. Diese Wut war jetzt das letzte, was ich gebrauchen konnte. „Ich habe jetzt andere Dinge im Kopf, um die ich mich kümmern muss.“
„Aber Mimi, Du kannst doch nicht...“
„Oh doch, ich kann und ich muss. Ich muss die Beerdigung meiner Eltern organisieren, wenn man denn ihre... Leichen (Oh Gott, bitte hilf mir!)... schon gefunden hat. Und ich muss zusehen, wie es mit uns beiden weiter geht.“
„Was meinst Du damit?“ 
„Na ja, ich glaube kaum...“
Doch weiter kam ich nicht, denn in diesem Moment ging die Tür zu Madam Pomfreys Büro auf und heraus kamen die Professoren Dumbledore, McGonagall und Taylor, sowie meine Tante und die kleine Krankenschwester. 
„Ah, Miss Duchesse, Sie sind schon wieder wach“, meinte Madam Pomfrey und kam zu mir herüber geeilt. „Dann hat der Anti-Schockzauber... AAAAAH!“
Sie stieß einen gellend lauten Schrei aus und alle inklusive mir zuckten zusammen. Was war denn jetzt passiert? Hatte sie Schmerzen? Sie sah fast so aus. 
„Was sehen meine Augen da“, brüllte sie auf einmal los. „Ein Hund auf MEINER Krankenstation? Bei Merlins rechter Arschbacke, das geht nicht! Raus mit Dir, Du Vieh! Schau, dass Du Land gewinnst. Kusch, kusch, kusch!“
Sie wedelte mit beiden Händen in der Luft, als wollte sie eine Fliege vertreiben, doch das ließ mich und Filou völlig kalt. Sie wollte ihn verscheuchen? Schön, dann gehe ich eben mit. Ich brauchte ihn jetzt. 
„Aber, aber, Poppy“, sagte Dumbledore beruhigend. „Mäßigen Sie sich. So schlimm ist das nun auch wieder nicht. Miss Duchesse braucht ihren Hund jetzt. Das ist doch der einzige Freund, den sie im Moment noch hat. Lassen Sie ihn bei ihr. Miss Duchesse hat doch schon einen so großen Verlust erlitten.“ Danke für die freundliche Erinnerung. 
„Aber, Albus, die Hygiene“, versuchte die Krankenschwester zu widersprechen, doch Dumbledore unterbrach sie, wofür ich mehr als nur dankbar war. 
„Das ist nichts, was man nicht mit eine guten Desinfektionszauber wieder hinkriegt.“
„Aber...“
„Nein, keine Widerrede. Wenn Sie es wünschen, dann werde ich später den Zauber persönlich durchführen. Dann können Sie sicher sein, dass hinterher alles glänzend rein ist. Und nun lassen Sie uns bitte allein, Poppy. Wir haben mit Miss Duchesse einiges zu besprechen.“
Madam Pomfrey sah aus, als hätte man sie soeben gezwungen, eine ganze Kiste Zitronen zu essen. Man sah ihr deutlich an, dass es ihr überhaupt nicht passte, dass man sie aus ihrem eigenen Krankenzimmer schmiss. Aber dem Direktor konnte sie sich leider nicht widersetzen und das wusste sie nur zu gut. Sie gab ein leises „Pffff“ von sich, drehte sich auf dem Absatz um und marschierte forschen Schrittes zurück in ihr Büro. Zum „Abschied“ knallte sie jedoch gewaltig die Tür zu. Puh, wenn das nicht mal ein Abgang war. Ein feuerspeiender Drache war ein Scheißdreck dagegen.
„So, Miss Duchesse“, wandte sich Dumbledore nun an mich. „Wie geht es Ihnen jetzt?“
Mein peinlicher Auftritt im Schulleiterbüro fiel mir wieder ein. Ich hatte geschrien, getobt, meine Tante von mir gewiesen, zwei Lehrer und den Direktor bedroht. Heilige Scheiße, was war da nur in mich gefahren? Ich kannte ja viel von mir, aber so einen Aussetzer hatte ich noch nie gehabt. Gut, ich war auch noch nie in so einer Scheißlage gesteckt wie jetzt. Vom Freund betrogen und beide Eltern gestorben. Da würde wahrscheinlich jeder ausrasten. Irgendwann spielte der Verstand einfach nicht mehr mit und setzte aus. 
„Körperlich bin ich okay, Professor“, gab ich deshalb fast demütig zurück. Ich senkte auch den Blick, weil ich Dumbledore einfach nicht in die Augen sehen konnte. „Aber psychisch... Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich im Moment fühle. Aber, Professor Dumbledore, ich wollte mich für diese Szene in Ihrem Büro entschuldigen. Ich war einfach nicht ich selbst und... habe einfach nur einen Weg aus dieser Situation gesucht. Ich wollte nur alleine sein und will es eigentlich immer noch. Ich bin einfach der Typ, der seinen Schmerz in sich hinein frisst (Ich warf Cole Taylor einen bedeutungsvollen Blick zu). Aber das ist noch lange kein Grund, gleich so ausfallend zu werden. Dafür entschuldige ich mich, Sir.“
„Natürlich war ihr Auftritt sehr...“ Dumbledore suchte nach den richtigen Worten. „Unpassend, würde ich es mal nennen. Aber wir waren alle schon einmal in so einer Lage, in der man einfach nicht mehr weiter weiß. Der eine braucht die körperliche Nähe, der andere verabscheut sie. Der eine wird sentimental, der andere wird wütend. Was meinen Sie, wie ich mir die hier zugezogen habe?“
Er deutete auf seine Adlernase, die ziemlich sicher schon einmal gebrochen gewesen war. So sah sie zumindest aus. 
„Ich habe keine Ahnung, Professor“, antworte ich ihm ehrlich. 
„Ich hatte einen Streit mit einem Menschen, den ich sehr schätze. Und der wurde so ausfallend, dass er mir auf die Nase geschlagen hat.“
Das überraschte mich jetzt, aber ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte. Und überhaupt, was hatte das mit meinem Auftreten und meiner Lage zu tun? Meine Eltern waren tot, verdammt nochmal! Ich wollte nur alleine sein und ganze Ozeane von Tränen vergießen und mir nicht irgendwelche tollen Ratschläge aus dem Mund meines Schulleiters anhören müssen.
„Und... wie sieht meine Strafe aus“, wollte ich – zum zweiten Mal am heutigen Tag – wissen. Doch dieses Mal war ich mir sicher, dass ich ihr nicht entgehen konnte. Doch ich wurde wieder einmal überrascht. 
„Ich bestrafe Sie doch nicht, Miss Duchesse“, meinte Dumbledore mitfühlend. „Nicht wegen einer solchen Kleinigkeit. Es ist ja nichts weiter passiert. Nein, Miss Duchesse, Sie haben heute wahrlich genug durchgemacht.“
Einerseits war ich froh darüber, aber andererseits auch wütend. Behandelt mich doch nicht wie ein Baby oder eine Aussätzige, nur weil meine Eltern gestorben sind. 
Mimi, bist Du eigentlich wahnsinnig? Keine Strafe, das ist eine gute Sache. So kommst Du nicht zum Nachdenken! Schon mal daran gedacht? Was Du jetzt brauchst ist Ablenkung! Auch wenn ich selbst weiß, dass das wahrscheinlich unmöglich ist... 
„Danke, Professor“, sagte ich trotzdem höflich und starrte immer noch auf die Bettdecke. Nebenbei streichelte ich meinen Hund. Doch der war so klug und hielt sich aus diesem Gespräch heraus. Braver Hund, Filou. Manchmal könnte man glatt meinen, dass Du doch gut erzogen bist. 
„Ich bin gut erzogen, Mimi“, warf er ein und ich seufzte innerlich. Zu früh gefreut. 
„Ich glaube, es ist das beste, wenn wir uns erst einmal alle setzen“, meinte Dumbledore und zeichnete mit seinem Zauberstab vier Stühle in die Luft, die eine Millisekunde später aus dem Nichts erschienen. 
Dann nahmen sie alle Platz, meine Tante, Professor McGonagall, Professor Taylor und Professor Dumbledore. Der saß mir am nächsten und schaute mich gütig an. 
„Bevor wir weiter sprechen, möchte ich Ihnen zuerst einmal mein allerherzlichstes Beileid aussprechen, Miss Duchesse“, sagte er ruhig. „Der Verlust eines lieben Menschen – in Ihrem Falle gleich zwei – ist mehr als nur schmerzvoll. Das kann ich sehr gut nachempfinden, vielleicht besser, als Sie es mir glauben wollen. Aber ich möchte Ihnen auch noch etwas mit auf den Weg geben, das sie nicht vergessen sollten: Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“
Sehr schöne Worte, die der Schulleiter da wählte und ich wusste, dass er recht hatte. Ich würde meine Eltern immer lieben und ich wusste, egal, wo sie jetzt waren, sie würden immer bei mir sein. 
„Aber nun müssen wir besprechen, wie es mit Ihnen weitergehen soll, Miss Duchesse“, fuhr der Direktor fort. „Es gibt für Sie nun zwei Möglichkeiten und Sie haben die Wahl, was sie machen möchten.“
„Wie sehen diese Möglichkeiten aus, Professor“, wollte ich wissen, dankbar dafür, dass man mir überhaupt eine Wahl ließ, denn wenn man mich gefragt hätte, ich hätte keine Ahnung gehabt, wie es jetzt weiter gehen sollte.
„Entweder bleiben Sie hier in Hogwarts und beenden hier Ihre schulische Laufbahn. Sie würden selbstverständlich für die Beerdigung Ihrer Eltern vom Unterricht frei gestellt werden und die Ferien könnten Sie immer bei Ihrer Tante verbringen. Oder aber Sie kehren mit Ihr nach Frankreich zurück und gehen wieder auf die Beauxbatons-Akademie. Die Entscheidung liegt bei Ihnen, Miss Duchesse, aber lassen Sie mich sagen, dass, egal, wie Sie sich entscheiden, wir alle hinter Ihnen stehen werden. Natürlich wäre es für Hogwarts sehr schade, eine so talentierte Schülerin zu verlieren, aber wenn Sie gehen möchten, dann werden wir Ihnen keine Steine in den Weg legen.“
Das war sie, die Möglichkeit von dieser ganzen Scheiße hier weg zu kommen und auf die ich in den letzten Stunden so sehr gehofft hatte. Ich müsste Severus nie wieder sehen. Und ich müsste nicht in einem Zimmer mit Lilly, dieser Bitch, schlafen. Das war mehr, als ich mir erhoffen konnte, denn ich würde in Ruhe trauern können, ohne dass eine schwanzwedelnde Fledermaus hinter mir her lief und mich zurückerobern wollte. 
Doch ich konnte mich nicht sofort entscheiden, ich musste das mit demjenigen besprechen, der mir am allerwichtigsten in diesem Raum war. 
„Was meinst Du, Filou“, fragte ich meinen Hund. „Hierbleiben oder zurück nach Frankreich?“
„Diese Entscheidung kann ich Dir nicht abnehmen, Mimi“, sagte er und schaute mich aus seinen treuen Augen an. 
„Aber ich würde gerne Deine Meinung dazu hören.“
„Okay, also ich würde sagen, beides hat seine Vor- und Nachteile. Hogwarts ist mit Sicherheit eine hervorragende Schule und da sind Sirius und Bella, die ich eigentlich ungern hier zurück lasse, aber ich weiß auch, dass Du diese Schule mit viel Leid verbindest. In Frankreich ist es natürlich schön warm, aber da sind auch die Franzosen, wenn Du verstehst, was ich meine. Und es würde einen nochmaligen Schulwechsel bedeuten, auch wenn Du Beauxbatons und die Leute da schon kennst. Aber wahrscheinlich könntest Du dort so richtig abschalten. Ich möchte nur, dass Du weißt, ich gehe mit Dir, Mimi. Überallhin!“
Ich musste kurz über seine Worte nachdenken, bevor ich meine Entscheidung traf. Aber eigentlich war ich mir schon sicher gewesen, nachdem ich Dumbledores Vorschlag gehört hatte. 
„Ich... möchte zurück nach Frankreich“, sagte ich leise. 
Ich würde von hier weg kommen. Ich konnte diesen Ort, an dem mir so viel Schlechtes – aber auch Gutes – widerfahren war, verlassen. Doch Hogwarts war einfach mit zu vielen Emotionen für mich verbunden, dass ich es nicht mehr hier aushielt. Hier war der Ort, an dem ich meinen ersten Kuss erhalten, mein erstes Mal mit einem Jungen erlebt und mich das erste Mal verliebt hatte. Aber ich hatte auch Schmerzen und Kummer ertragen müssen. Die Sache mit Avery und Co, der Augenblick, als ich Lilly und Snape im Bett erwischt hatte und dann auch noch die Nachricht, dass meine Eltern tot waren. Ich musste hier weg, sonst würde ich zerbrechen. 
„Das habe ich mir schon fast gedacht, Miss Duchesse“, sagte Dumbledore noch immer gutmütig wie eh und je. „Auch wenn es wirklich schade ist, aber ich kann Sie verstehen. Na gut, dann würde ich sagen, wir treffen alle nötigen Vorbereitungen und ruhen uns dann noch ein bisschen aus, bevor Sie und Ihre Tante morgen Früh aufbrechen. Ich werde Madame Maxime eine Nachricht schreiben, dass Sie in etwa zwei Wochen wieder nach Beauxbatons kommen. Ich denke, die Zeit sollte genügen, um sich einigermaßen zu erholen und Ihre Angelegenheiten zu klären.“
„Vielen Dank, Professor“, antwortete ich. „Für alles.“
„Jederzeit wieder, Miss Duchesse“, gab er zurück und lächelte sanft. „Gut, ich würde sagen, Sie können jetzt nach oben in den Gryffindorturm gehen und Ihre Sachen packen. Dann kommen Sie wieder hierher und schlafen noch eine Runde. Und Sie kommen bitte mit mir mit, Miss Duchesse. Wir haben noch einige Dinge zu besprechen.“
Nur damit keine Zweifel aufkommen: Damit meinte er meine Tante. Sie hatte nie geheiratet und war deshalb auch eine Miss Duchesse. 
„Kommst Du mit, Filou“, fragte ich meinen Schatz. 
„Natürlich, Mimi!“
Ich stand aus dem Bett auf und ging hinter den anderen, die nun auch den Krankenflügel verließen, aus dem Raum (mit nacktem Hintern!). Dann wandte ich mich in Richtung Gryffindorturm und betete, dass ich niemandem begegnen würde. 

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