Annäherung

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Die nächsten Wochen liefen eigentlich immer nach dem gleichen Schema ab. Für mich gab es nichts anderes als Schule, Hausaufgaben und Nachhilfe. Und meinen Hund natürlich nicht zu vergessen. Fast jeden Abend ging ich mit ihm noch eine Runde laufen, aber das Wetter spielte in letzter Zeit oftmals nicht mit, da es ja immerhin schon Ende Oktober war. Ständig regnete es. Muss ich euch wirklich erzählen, wie sehr ich mich darüber freute? Ich glaube nicht. Ich hasse Regen, er war einfach so eklig nass und kalt. Einfach bäääh.
Schule lief eigentlich ganz okay. In meinen Paradefächern Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Verwandlung und Alte Runen stand ich überall auf Ohnegleichen und meine Lehrer prophezeiten mir jetzt schon eine hervorragende Note in meinen bevorstehenden ZAG-Prüfungen. Auch in den anderen Fächern war ich ziemlich gut. Ihr fragt euch jetzt sicher, wie es in Zaubertränke lief, da ich ja fast jeden Abend mit Severus im Kerker verbrachte um zu büffeln. Tja, was soll ich sagen? Ich hatte es doch tatsächlich geschafft, auf ein Annehmbar zu kommen. Bei einigen Tränken hatte ich noch meine Schwierigkeiten, aber im Großen und Ganzen lief es schon sehr gut. Für meine Verhältnisse zumindest. Auch Professor Slughorn war sehr begeistert.
„Sagte ich es nicht, dass Severus ein hervorragender Lehrer ist", meinte er mehr als einfach nur stolz auf sich selbst. „Sie von einem Schrecklich oder Troll (AUA!) auf ein Annehmbar zu bringen ist wirklich eine großartige Leistung. Oder meinen Sie nicht auch?"
Ja, genau, hebe Severus auch noch in den Himmel. Ich hatte ja auch überhaupt nichts dazu beigetragen, dass ich jetzt so dastand. Was meinte der denn, was ich tat? Die ganzen Nachhilfestunden verschlafen? Ha, ganz im Gegenteil. Ich opferte einen Großteil meiner Freizeit dafür und saß teilweise noch bis spät in der Nacht da und büffelte wie eine Verrückte und das nur um im diesen Fach gut da zu stehen. Und auch noch wegen etwas anderem, aber darauf komme ich später noch zurück.
Tja, was war noch so in den letzten Wochen vorgefallen, von dem ich berichten müsste? Ach ja, Lilly und James hatten jetzt schon zwei Dates miteinander gehabt. Sie schienen sich nun blendend zu verstehen, auch wenn noch nichts zwischen ihnen gelaufen war.
„Er ist nur ein guter Freund", erklärte mir meine Freundin immer wieder, aber so ganz nahm ich ihr das nicht ab.
Sie verbrachte einfach viel zu viel Zeit mit Potter um es nur als reine Freundschaft zu bezeichnen. Fast jeden Abend saß er bei uns, nur einmal hatte er uns bisher für ein paar Tage in Ruhe gelassen. Und wenn Lilly von ihm sprach, dann hatte sie immer einen ganz besonderen Glanz in den Augen. Ich spürte einfach, dass sie mittlerweile mehr für ihn empfand, als sie zugeben wollte. Außerdem hatte man bei ihr ja eindeutig gesehen, wo eine Freundschaft hinführen konnte. Aber ich drängte sie nicht dazu, mir irgendetwas zu erzählen. Eines Tages würde sie schon von selbst auf mich zukommen und sie war mir in der letzten Zeit zu wichtig geworden, um meine Freundschaft zu ihr wegen meiner blöden Neugier aufs Spiel zu setzen.
Sirius ging ich, soweit es mir möglich war, aus dem Weg. Er versuchte zwar immer noch, mich anzubaggern, aber ich ignorierte ihn schlichtweg. Ich hatte einfach keinen Bock auf sein dummes Gelaber. Gut, es ließ sich nicht immer verhindern, aber ich tat mein bestes. Beim ersten Quidditchspiel, der Saison zum Beispiel, Gryffindor gegen Ravenclaw, musste ich auftauchen, da es Lillys erstes Spiel als Treiberin war. Und was wäre ich für eine Freundin, wenn ich sie einfach so im Stich gelassen hätte? Lilly spielte klasse und dank ihrer Hilfe - sie hatte fünfmal ein gegnerisches Tor verhindert, weil sie den Jäger glattweg vom Besen gehauen hatte - gewann Gryffindor mit 320 zu 60. James hatte den Schnatz dem anderen Sucher genau vor der Nase weg geschnappt und leider musste ich zugeben, dass Sirius ein hervorragender Treiber war. Er war schnell, wendig und treffsicher. Grrr, das passte mir gar nicht. Mir wäre es viel lieber gewesen, wenn er grauenhaft gespielt hätte, dann hätte ich ihn so richtig doll verarschen können. Aber so musste ich ihm wohl oder über gratulieren. Oder ich ignorierte ihn einfach weiterhin. Das war viel leichter.
Nach dem Spiel fand eine riesige Party im Gemeinschaftsraum statt und es kam mir so vor, als hätten wir bereits die Meisterschaft gewonnen. Aber dem war ja nicht so. Aber trotzdem tat es nach all dem Stress, den ich in der letzten Zeit gehabt hatte, gut, wieder einmal so richtig abzurocken. Bis in die Nacht hinein hörten wir Musik, tanzten und tranken das ein oder andere Butterbier, das James aus der Küche hatte mitgehen lassen. Mir wäre zwar etwas härteres lieber gewesen, aber besser als gar nichts. Mir blieb leider auch keine andere Wahl, als mich ein paar Minuten mit Sirius zu unterhalten, aber es ging eigentlich nur um das Spiel. Doch ich ließ ihn recht schnell wieder links liegen und wandte mich stattdessen Remus zu, der mir in den letzten Wochen recht viele Tipps zum Vertrauensschüleramt gegeben hatte. Als ich zum Beispiel einen Streit zwischen Viertklässlern wegen einem Mädchen schlichten musste, war er mir sofort zur Seite gesprungen. Die beiden wollten doch tatsächlich aufeinander losgehen, aber zu zweit hatten wir die Situation recht schnell unter Kontrolle bekommen. Remus hatte mir auch erklärt, dass ich keine Scheu davor haben sollte, einen älteren Schüler zu bestrafen. Wer gegen die Schulregeln verstieß, gehörte bestraft. Und wenn sie wegen meines Alters nicht auf mich hören wollten, dann sollte ich ihnen einfach mit einem Lehrer drohen und wenn das nicht funktionierte, sollte ich einen Lehrer hinzu ziehen. Mit Remus kam ich wirklich sehr gut klar. Er war nett und kompetent und in keinster Weise arrogant oder ähnliches. Er mochte Sirius' Art auch nicht so, aber er war „froh, ihn trotzdem als Freund haben zu dürfen". Ich fragte mich zwar, was das „dürfen" bedeuten sollte, war aber noch nicht dahinter gekommen.
Von Peter wusste ich nicht, was ich so recht von ihm halten sollte, denn er war immer sehr schweigsam und wenn er was tat, dann nur um Sirius und James zu imponieren. Er betete sie förmlich an. Wieso? Keine Ahnung. Was ich von Sirius hielt, wisst ihr, blieb nur noch James. Da war ich mir auch nicht sicher. Er war zwar in den letzten Wochen nicht ganz so ein Arschloch gewesen wie davor, gerade wenn Lilly dabei war, aber trotzdem tat er manchmal so geheimniskrämerisch. Außerdem nannten ihn die anderen oftmals „Krone", was mich wiederum vermuten ließ, dass er sich einfach nur als der King schlechthin sah. Und wenn wir schon bei den Jungs sind: ihr Geheimnis hatten Lilly und ich immer noch nicht gelüftet, was sie trieben, wenn sie sich in der Nacht aus dem Schloss schlichen. Einmal hatte ich das jetzt schon mitbekommen. Das war Ende September gewesen. Lilly und ich hatten Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um mitkommen zu dürfen, aber die Jungs hatten sich strikt geweigert, uns mitzunehmen.
„Das ist viel zu gefährlich", hatte Remus gemeint und dabei relativ böse gekuckt.
„Ja, was ist, wenn sie euch erwischen", sprang James ihm zur Seite.
Nach fast stundenlangem Betteln (Gut, es waren vielleicht nur 15 Minuten oder so gewesen), hatten Lilly und ich es schließlich aufgegeben. Zuerst hatten wir noch die Idee gehabt, ihnen hinterher zu schleichen, aber wir hatten sie recht schnell wieder verworfen. Wir wollten wirklich nicht erwischt werden, wenn wir in der Nacht in den Gängen herum schlichen und irgendwelchen Ärger riskieren. Hmmm, wenn ich jetzt so darüber nachdachte, dann waren die darauffolgenden Tage die gewesen, wo ich mit Lilly allein die Abende verbracht hatte und kein James in der Nähe gewesen war. Und Remus war danach nicht zum Unterricht erschienen, sagte zumindest Lilly. Die anderen waren da, aber er nicht. Was ging da nur vor? Ich hatte wirklich keine Ahnung. Ich hatte zwar schon einige Zeit in der Bibliothek verbracht und versucht, irgendetwas nachzulesen, aber da ich keinen Plan hatte, wonach ich überhaupt suchen sollte, war das auch ein Schuss in den Ofen gewesen.
Tja, und nun zu dem Thema, das mich im Moment am meisten interessierte und das will schon etwas heißen, wenn ich doch eigentlich darauf brennen sollte, ein Geheimnis zu lösen. Severus! Er setzte fast jeden Abend nach dem Essen eine Nachhilfestunde an und am Wochenende lernten wir oft den ganzen Tag. Wir verstanden uns wirklich richtig gut. Ich hielt wirklich sehr viel von ihm. Er war ein klasse Lehrer und konnte super erklären. Meiner Meinung nach sollte er wirklich mal darüber nachdenken, eine Karriere als Professor für Zaubertränke in Erwägung zu ziehen. Er wäre wirklich super darin. Er war echt nett, wenn wir alleine waren. Wenn aber einer seiner Kumpels, Avery, Mulciber und Nott hießen die, in der Nähe war, dann mutierte er wieder zu dem Arschloch, das ich kennen gelernt hatte. Ich erinnerte mich nur ungern an eine Situation vor etwa zwei Wochen: in der kleinen Pause zwischen der zweiten und der dritten Unterrichtsstunde war ich einmal zu Severus gegangen um ihn zu fragen, ob es bei der Nachhilfestunde am Abend blieb.
„Hey, Sev", hatte ich zu ihm gesagt und ihm dabei freundschaftlich auf die Schulter geklopft, wie eigentlich immer. „Bleibt es bei heute Abend? Selbe Uhrzeit, selber Ort?"
Ich hatte das nur getan, weil mir, wie so oft, langweilig gewesen war. Lilly hatte mal wieder mit James abgehangen und Sirius war in der Nähe gewesen, deswegen hatte ich mich schnell verdrückt. Und da hatte ich Severus gesehen, der sich mit seinen Kumpels unterhalten hatte. Bis dahin hatte ich mich noch nie mit ihnen unterhalten und ich hatte mir gedacht, dass sie doch gar nicht so schlimm sein konnten, wie Lilly immer sagte. Sie hatte sich ja auch in Bezug auf James geirrt. Also hatte ich mir gedacht: „Ach, komm, was soll's" und war kurzerhand auf die drei zumarschiert. Ich hatte wirklich nichts böses gewollt. Doch Severus hatte einfach meine Hand weg geschlagen und mich böse angeschaut.
„Lass das", hatte er gezischt.
Ich wusste nicht, was er meinte und zog deshalb einfach nur fragend die Augenbraue hoch.
„Hey, Alter, was will die Tussi von Dir", hatte Avery, ein hagerer Kerl mit zotteligem, hellbraunen Haar, recht blöd gefragt.
„Ja", fügte Nott, ein kleiner, etwas pummeliger Typ mit schwarzen Haaren, hinzu. „Will die vielleicht eine Nummer mit Dir schieben? Die würde ich aber nur mit Handschuhen anfassen. Wer weiß, wer an der schon alles dran war."
Ich war wie vor den Kopf geschlagen gewesen. Was hatte ich denen denn getan? Die kannten mich doch gar nicht. Doch dann war es mir eingefallen. Slytherins! Die waren zu allen so scheiße, die nicht in ihrem heiligen Haus waren. Ich hatte mir auf die Zunge gebissen, um nichts darauf zu erwidern, denn ansonsten wäre ich ausgerastet. Ich kannte mich einfach selbst zu gut. Aber ich wollte keinen Ärger riskieren. Ich hatte Severus einfach nur angeschaut und gehofft, dass er irgendetwas verteidigendes zu seinen Freunden sagen würde, denn immerhin waren wir Freunde. So was in der Art „So ist sie nicht, Leute" oder „Redet nicht so eine Scheiße" wäre schon toll gewesen. So dachte ich zumindest. Die vielen Stunden, die wir miteinander verbracht hatten, waren wirklich mehr als nur schön gewesen und wir hatten immer jede Menge Spaß und lachten bis uns die Tränen kamen. Severus hatte einen wunderbaren Humor und unsere Gedanken gingen immer in die gleiche Richtung. Doch jetzt sollte er mich enttäuschen. Er schaute mich einfach nur feindselig an.
Das einzige, was er zu mir sagte, oder besser gesagt schrie, war: „Hau endlich ab und lass mich in Ruhe, Du blöde Kuh. Wie oft soll ich Dir das denn noch sagen?"
Ich hatte ihn verwirrt angeschaut und hatte nicht gewusst, was ich daraufhin sagen sollte. Etwas richtig böses steckte mir in der Kehle und ich versuchte, es herunter zu schlucken, aber ich war kläglich gescheitert.
„Du sollst Dich verpissen", hatte er noch einmal gebrüllt und mir zum Zeichen einen kleinen Stoß gegen die Schulter verpasst.
Ich war rückwärts gestolpert, hatte es aber gerade noch verhindern können, auf meinem Allerwertesten zu landen. Das wäre ja noch das Höchste gewesen.
„Ach ja", hatte ich daraufhin gekreischt. „Schön, fein. Komm Du noch einmal und heul Dich bei mir aus (Denn das tat er ziemlich oft. Worüber brauche ich wohl nicht erwähnen.) Das kannst Du Dir in Zukunft sonstwo hinstecken, Du blöder Idiot!"
Daraufhin hatte ich mich umgedreht und war davon stolziert, doch ich konnte leider noch hören, was Severus zu Avery und Nott sagte.
„Keine Ahnung, was die kleine Zicke von mir will", erwiderte er. „Die hat es sicher nur mal wieder nötig."
„Hast Du sie denn schon geknallt, Alter?"
„Natürlich, klar. Das tue ich ständig."
Dieser elende Lügner! Was sollte diese Scheiße eigentlich? Wollte er bei seinen Kumpels als der große Aufreißer dastehen? Nur zur Information: seit unserer ersten Nachhilfestunde hatte es nur die ein oder andere freundschaftliche Berührung zwischen uns gegeben, das heißt, mal einen Klaps auf die Schulter oder einen kleinen Stoß mit dem Ellenbogen. Aber sonst absolut gar nichts. Nicht das kleinste bisschen. Ich wäre froh darüber gewesen, wenn er es getan hätte, den ich mochte ihn wirklich mehr als nur gern. Jedes Mal, wenn ich bei ihm war, verspürte ich dieses Kribbeln im Bauch. Ich wusste nicht, was es zu bedeuten hatte, aber ich konnte mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen. Er war einfach ein Freund, war nett, charmant und klug. Und ich genoss die Zeit, die ich mit ihm verbringen durfte.
Aber da hatte er sich wie ein riesengroßes Arschloch aufgeführt. Ich war verletzt und tief gekränkt gewesen. Wieso stand er nicht einfach zu unserer Freundschaft? Wenn er wenigstens so ehrlich gewesen wäre und gesagt hätte, dass er mir nur Nachhilfe gab, das wäre okay gewesen. Aber das hier war definitiv ein Schlag unter die Gürtellinie gewesen.
Ich hatte mich natürlich gerächt. Tja, so war ich nun einmal: nachtragend wie eine ganze Herde Elefanten. Doch falls ihr jetzt meint, dass ich Severus einfach einen Fluch auf den Hals gehetzt habe, dann täuscht ihr euch. Nein, das wäre noch viel zu gut für ihn gewesen, da der Schmerz dann relativ schnell abgeebbt wäre. Für ihn hatte ich mir etwas viel fieseres ausgedacht. Ich war jeden Tag schön brav in meine Nachhilfestunde gegangen, aber ich hatte ihn schlichtweg ignoriert und mich nur auf meine Arbeit konzentriert. Severus hatte wirklich alles versucht, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Er hatte gebettelt, mich angefleht, sich entschuldigt, mir eine Schachtel Pralinen geschenkt und als das alles nichts nutzte, hat er mich angebrüllt und beschimpft. Doch das war einfach alles an mir abgeprallt. Den Durchbruch hatte es dann schließlich vor drei Tagen gegeben, als ich wieder einmal keinen Ton mit ihm geredet hatte.
„Hör zu, Mimi", hatte er gesagt, kaum dass ich das Klassenzimmer betreten und meinen Platz eingenommen hatte. „Was soll ich denn noch tun? Ich habe mich doch bereits bei Dir entschuldigt. Sag mir, was ich machen soll und ich tue es."
Doch ich hatte weiterhin geschwiegen und stattdessen meine Zaubertranksachen aus meiner Tasche ausgepackt. Dann hatte ich mein Buch an irgendeiner Stelle aufgeschlagen und zu lesen begonnen.
Plötzlich hatte mich Severus an der Schulter gepackt und vom Stuhl gerissen.
„Sieh mich an", hatte er mir befohlen, doch ich hatte nur stur in die andere Richtung geschaut. „Mimi, bitte, rede mit mir! Ich habe das nicht gewollt. Es hat mir selbst weh getan, so etwas sagen zu müssen. Ich mag Dich, verdammt noch mal! Aber Du hast ja keine Ahnung, wie meine Jungs so sein können!"
Ach ja, ich habe also keine Ahnung, hätte ich am liebsten geschrien. Fein, ich will sie auch gar nicht kennen lernen, wenn sie solche Wichser sind und Dich dazu zwingen, irgendeine Scheiße daher zu labern. Erst Lily und jetzt ich! Das ist doch schon einmal eine wunderbare Quote, wenn es darum geht, Mädchen, die ihm vielleicht wichtig sind - bei mir war ich da ja nicht ganz so sicher - zu verletzten. Super, toll, der Kandidat hat 100 Punkte. Mit 101 hätte er eine Waschmaschine gewonnen. Wie schade aber auch!
Ich war ja so sauer gewesen, doch ich hatte geschwiegen. Diese Blöße hatte ich mir nicht geben wollen. Er sollte so sehr leiden, wie ich es getan hatte.
Er hatte mich noch immer bei den Schultern umklammert, doch dann fasste er mich auf einmal unter dem Kinn an, schob meinen Kopf in den Nacken und zwang mich so, ihn anzusehen. In seinen Augen funkelte etwas, das wie Hoffnung aussah, doch ich ließ mich von seinen wunderschönen Augen nicht weich klopfen. Dieses Mal war er zu weit gegangen.
„Mimi, was kann ich tun, um Dir zu zeigen, dass ich meinen Fehler bereue? Wie kann ich es wieder gut machen?"
Mein Herz hatte wie verrückt zu schlagen begonnen. Ich hatte nur noch seine Finger gespürt, die mein Kinn umschlossen hatten und mein ganzer Körper hatte wie verrückt geprickelt. Alle Gedanken in meinem Gehirn steuerten auf einmal ein Ziel an: Küss mich, Du blöder Idiot! Zeig mir damit, wie wichtig ich Dir bin. Doch wieder einmal hatte die Vernunft über meine Gefühle, die ich nicht wirklich zuordnen konnte, gesiegt. Ich war einfach zu sauer auf ihn gewesen, deswegen hatte ich schnell meinen Blick abgewandt und auf einen Punkt an der Wand hinter ihm gestarrt.
Severus hatte tief geseufzt und mich schließlich losgelassen. Gott sei Dank, ich hätte es keine Sekunde länger ausgehalten. Doch schon in der Sekunde, als er mich losgelassen hatte, wünschte ich mir, dass er mich wieder berühren würde. Ja, meine Gefühle für Severus waren so eine Sache. Ich hatte keine Ahnung, wie ich sie beschreiben sollte. Severus war ein Freund, ein sehr guter sogar, gar keine Frage, aber manchmal wünschte ich mir eindeutig mehr. Ich genoss jede Sekunde, die ich mit ihm verbrachte und dieses Achterbahngefühl, das ich in der ersten Nachhilfestunde schon gefühlt hatte, kam jetzt immer öfter. Genauer gesagt jedes Mal, wenn er mich anlächelte und das war ziemlich oft der Fall. Doch ich wusste nicht, was das alles zu bedeuten hatte. War ich vielleicht dabei, mich in die Fledermaus zu verlieben? Das konnte nicht sein und das durfte nicht sein. Ich hatte ein tierisch schlechtes Gewissen meiner Freundin gegenüber und ich ging dem Thema so gut es ging aus dem Weg.
„Verdammt nochmal, was soll ich denn noch tun", hatte Severus auf einmal geschrien. Ja, das kannte ich in der Zwischenzeit schon ziemlich gut, aber es ließ mich kalt. „Soll ich vielleicht vor Dir auf die Knie fallen? Ist es das, was Du willst?"
Und ehe ich es mich versah, war er vor mir auf den Boden gekniet.
„Mimi, es tut mir leid. Bitte, rede wieder mit mir. Ich ertrage das alles nicht mehr."
Tja, das hätte er sich eben vorher überlegen müssen, bevor er so übel über mich geredet hatte. Ich ließ mir ja viel gefallen, aber so etwas definitiv nicht. Irgendwann reichte es auch.
Doch als er da so vor mir gekniet war und mit einem Hundeblick zu mir hinauf gesehen hatte, dass es mir beinahe das Herz zerriss, da fiel es mir immer schwerer, ihm noch böse zu sein. Doch noch wollte ich ihn ein bisschen zappeln lassen. Das hatte er mehr als nur verdient. Meiner Meinung nach zumindest.
„Soll ich zu Avery und Nott gehen und ihnen die Wahrheit sagen", hatte er gefragt. „Soll ich ihnen sagen, dass ich mit einer Gryffindor befreundet bin? Das habe ich schon mal getan, glaube es mir. Sie haben mich jahrelang nur verarscht. Es reicht mir schon, wenn das Potter und Black immer machen. Von meinen Leuten ertrage ich das nicht."
Na, das waren ja tolle Freunde, wenn sie ihn so durch den Dreck zogen, aber das war ja schließlich nicht mein Problem. Wenn er sich die falschen Leute aussuchte, war das seine Sache. Aber mich deswegen so zu beleidigen, war einfach zu viel des guten.
„Oder soll ich mich bis auf die Knochen blamieren", hatte er nachgesetzt. „Ginge es Dir dann besser? Würdest Du dann wieder lachen?"
Plötzlich war er aufgesprungen und zog sich seinen dünnen, schwarzen Pullover über den Kopf, sodass er mit freiem Oberkörper vor mir stand. Mir war glatt die Spucke weg geblieben. Uh lala, das sah ganz und gar nicht übel aus. Er war muskulös, gar keine Frage und er hatte einen kleinen Sixpack. Täuschte ich mich oder war es hier drin auf einmal ziemlich heiß? Aber was hatte er vor? Was sollte dieses Getue? Ich hatte nur Bahnhof verstanden.
„Na schön, bitte, wenn Du das willst, dann tue ich es. Und zwar nur für Dich", hatte er gesagt und dabei seinen Gürtel geöffnet.
Der würde doch nicht....? Doch schon lag seine Jeans bei seinem Shirt und er stand nur noch in einer schwarzen Boxershort vor mir und atmete schwer. OH MEIN GOTT! Ich wusste gar nicht mehr, wo ich hinschauen sollte. Das war zu viel.
Dann war er zu meinem Federmäppchen gegangen und hatte eine Feder heraus geholt. Dann hatte er sie in Tinte getaucht und etwas auf seine Brust geschrieben, was ich zuerst nicht erkennen konnte. Doch dann hatte er sich wieder zu mir umgedreht. 'Ich bin mit Mimi Duchesse befreundet' war da in seiner krakeligen Schrift geschrieben. Ich hatte nur noch mit Mühe und Not ruhig bleiben können, doch ich hatte bereits schmunzeln müssen. So langsam aber sicher war mir ein Licht aufgegangen.
„Weißt Du, was ich jetzt machen werde", hatte er gefragt. „Ich werde jetzt nackt durch die Große Halle rennen, nur mit dieser Schrift auf der Brust. Noch müssten einige Leute da oben sein. Bist Du dann zufrieden? Verzeihst Du mir dann?"
Mir war ein leises Grunzen entfahren, doch ich hatte mich zusammen gerissen, um nicht in Lachen auszubrechen. Dann hätte ich mich nicht mehr halten können. Severus war an mir vorbei zur Tür gegangen, doch er hatte sich noch einmal umgedreht.
„Nur zu Deiner Information: die hier (Er ließ den Bund seiner Hose gegen seine Hüfte schnalzen) ziehe ich aus, sobald ich vor der Tür zur Halle bin. Möchtest Du mitkommen und zuschauen?"
Oja, das wollte ich um nichts in der Welt verpassen. Severus, wie er nackt durch die Große Halle rannte! Ja, bitte! Nur her damit. Aber konnte ich ihm so etwas wirklich antun?
Er hatte die Tür geöffnet und war hinaus auf den Gang getreten.
„Ich an Deiner Stelle würde das nicht tun", hatte ich ihm ernst hinterher gerufen.
Doch dann hatte ich mich nicht mehr halten können. Der meinte das tatsächlich ernst! Ich war in schallendes Gelächter ausgebrochen. Mein Freund war wieder zurück gekommen und schaute mich belustigt an. Mir waren mittlerweile die Tränen über die Wangen gelaufen, so sehr musste ich lachen.
„Severus... es...", hatte ich gejapst, doch ich hatte noch nicht weiter sprechen können. Erst nach weiteren drei Minuten ging es einigermaßen. „Es ist okay. Du brauchst das nicht zu machen. Ich verzeihe Dir auch so. Du hast wahrlich genug gelitten in der letzten Woche. Und außerdem würdest Du mich damit nur auch blamieren. Also komm wieder rein und zieh Dich an. Nicht, dass Du Dich noch erkältest."
„Du sprichst wieder mit mir?"
„Sieht ganz so aus."
„Oh, Mimi, ich bin ja so froh."
Dann war er auf mich zugelaufen und mir um den Hals gefallen. Ich hatte nur noch seinen warmen, nackten Oberkörper gespürt. Es hatte sich ja so gut angefühlt und er hatte himmlisch gerochen. Ich glaube, ich...

Come fly with me loving batGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt