„Musst Du denn wirklich schon gehen?"
Ich sah Bella an, die mich mit ihren großen braunen Augen anschaute. Sie war wirklich außergewöhnlich hübsch für eine Mischlingshündin. In Frankreich hatte ich schon viele von ihrer Sorte kennen gelernt, aber keine davon konnte Bella das Wasser reichen. Ihr langes cremefarbenes Fell war weich und samtig, ihre spitzen Ohren hatten genau die richtige Größe und ihr Geruch erst, wenn sie läufig war. Da lief mir gleich das Wasser im Mund zusammen. Gott sei Dank hatte Mimi mich noch nicht zum Tierarzt geschleppt um mir das Allerheiligste zu nehmen, was ein Hund nur besitzen konnte. Meine Männlichkeit. Die würde ich so schnell nicht aufgeben, da konnte sich mein Frauchen auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln, aber ich behalte meine Eier, ob es ihr passt oder nicht. Was sollte ich denn sonst den lieben langen Tag machen, wenn sie im Unterricht war oder sich mit ihrem komischen Freund traf? Ich meine, gut, mit Hagrid durch den Wald zu laufen, wie ich es eigentlich sollte, machte auch viel Spaß, aber das war nichts im Vergleich zu meinen Treffen mit Bella. Sie war einfach die tollste Hündin, die mir jemals unter gekommen war und das im wahrsten Sinne des Wortes. Wir tollten stundenlang durch die Gegend, staubten in dem seltsamen, dunklen Pub in der Seitenstraße immer was zu Fressen ab und wenn sie läufig war, dann ging oft auch noch die Post ab.
Ach, so ein Hundeleben ist einfach toll. Man hatte keine großartigen Verpflichtungen, musste nicht in die Schule oder in die Arbeit gehen, bekam immer das Essen serviert und wenn einem danach war, konnte man stundenlang faulenzen, ohne dass es jemanden interessierte.
Es sei denn, man hatte Marie Duchesse als Frauchen. Die trieb mich nämlich mit ihrem Sportwahn oft mal in den Wahnsinn. Ich meine, sicher machte es mir Spaß, mit ihr durch die Gegend zu laufen, aber oftmals war das ziemlich anstrengend. Mimi hatte einfach eine wahnsinnige Kondition und dreimal in der Woche etwa zehn Kilometer zu laufen... Da machte selbst der fitteste Hund irgendwann einmal schlapp. Ich konnte nur froh sein, dass wir jetzt hier waren und Mimi endlich einen Freund gefunden hatte, denn in Frankreich waren wir jeden Tag so weit gelaufen. Das war manchmal beinahe tödlich gewesen, doch Gott sei Dank hatte mich Mimi damals noch nicht hören können, denn mehr als einmal hatte ich sie verflucht.
„Filou, Darling", riss mich Bella aus meinen Gedanken. „Hörst Du mir überhaupt zu?"
Sie schaute mich böse an. In diesem Punkt waren Weibchen genauso nervtötend wie menschliche Frauen. Weiber, mehr fällt mir dazu nicht ein. Wir Männer können doch schließlich nicht immer beide Augen und Ohren offen halten, geschweige denn immer ihrer Meinung sein. Aber warum waren die bloß so? Musste an den Hormonen liegen.
„Natürlich höre ich Dir zu", antwortete ich ihr deshalb schnell. Nicht dass sie mich noch in den Wind schoss. Das konnte ich gar nicht gebrauchen, vor allem, weil sie gerade läufig war. „Das tue ich doch immer."
„Was habe ich Dich dann eben gefragt?"
Oh Mist!
„Äääähm..." Na komm schon, Alter, lass Dir gefälligst was einfallen. Doch leider kam mir Bella zuvor.
„Wusste ich es doch. Nie hörst Du mir zu. Ihr Rüden seid doch alle gleich. Ihr interessiert euch doch nur für uns Weibchen, wenn wir läufig sind und euch ran lassen. Ansonsten sind wir euch doch scheißegal."
Oh nein, nicht wieder diese Leier. Wie oft hatte ich mir das in der letzten zeit schon anhören dürfen? Zu oft für meinen Geschmack. Aber ich musste einlenken, wenn ich dieses hübsche Wesen nicht verlieren wollte und das wollte ich in gar keinem Fall. Erstens, weil mein Leben sonst nur wieder in den alten Trott fallen würde und zweitens, weil ich sie wirklich mochte. Und zwar nicht nur, um mich eventuell mit ihr fort zu pflanzen. Nein, ich verbrachte gerne Zeit mit ihr, auch wenn mir dieses Gejammer auf die Nerven ging. Aber gut, wenn es denn sein muss, dann lenke ich halt mal wieder ein. Das funktioniert bei Frauen nämlich immer und zwar nicht nur bei Bella, sondern auch bei Mimi. Die wickel ich nämlich auch immer mit meinem Hundeblick um den Finger. Meistens zumindest. Okay, nur ab und zu, aber besser einmal als keinmal.
„Tut mir leid, meine Liebe", sagte ich daher, ging zu ihr hinüber und stieß mit meinem Kopf gegen ihren. „Ich wollte Dich nicht beleidigen. Ich war nur gerade in Gedanken wo anders."
„Etwa bei einer anderen Hündin?"
„Ach Quatsch, auf so einen Gedanken käme ich ja nie (Okay, käme ich doch, aber das musste sie ja nicht unbedingt wissen.). Ich musste nur... ähm... an diese unglaublichen letzten Stunden denken. Es hat mir heute wirklich sehr gut gefallen, Bella."
„Mir auch, Filou. Es ist immer wieder schön mit Dir."
„Merci. Also, was wolltest Du wissen?"
„Ach, einfach nur, ob Du wirklich schon gehen musst."
„Leider ja, meine Süße. Mimi bringt mich um, wenn ich die Nacht außerhalb verbringe. Sie hat ständig Angst, dass man mich aus dem Schloss schmeißt und ich zurück in die Pampa zu ihren Eltern muss. Und sie hat ja recht. Leider! Aber ich komme morgen wieder."
„Versprochen?"
„Natürlich. Würde ich mir denn einen Tag mit der schönsten Hündin Englands entgehen lassen?"
„Filou, Du alter Charmeur!"
Oh ja, das war ich wirklich, aber immerhin war ich in Frankreich geboren und aufgewachsen und da lernte man so etwas ganz schnell. Außerdem war das doch genau so etwas, was die Damen von Welt hören wollten oder etwa nicht?
„Das meine ich ernst, Bella. Aber ich muss jetzt wirklich los. Um zehn Uhr macht der Hausmeister das Schlossportal zu und dann komme ich nicht mehr rein. Und ich möchte mir ja nicht den Schwanz abfrieren."
„Ich verstehe das, auch wenn Du dann gerne bei mir schlafen könntest. Ich freue mich schon auf morgen, Filou. Gute Nacht!"
„Bonne nuit, ma chèrie!"
Ich stupste mit meiner Schnauze kurz gegen die ihre, dann drehte ich mich um und lief davon.
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Come fly with me loving bat
FanfictionMimi ist gerade 16 geworden, als sie mit ihren Eltern von der wunderschönen Cote d'Azur in das regnerische England zieht. Das bedeutet für sie nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine neue Schule. Dort kommt sie soweit auch ganz gut klar, auße...
