Aussprache

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Im Klassenzimmer für Verwandlung herrschte eine Totenstille. Man hätte sogar eine Stecknadel fallen lassen können und man hätte es gehört. Niemand wagte es, einen Ton zu sagen. Alle starrten sie einfach nur Snape an, der immer noch genauso dastand, wie vor ungefähr drei Minuten, splitterfasernackt. Und das alles nur wegen mir.
Sogar Professor McGonagall schaute ihn an. Sie war knallrot im Gesicht, ob vor Scham oder vor Wut, konnte ich nicht sagen. Es schien ihr jedoch sichtlich schwer zu fallen, den Blick abzuwenden. Klar, bei diesem ARGUMENT, das Snape vorbrachte, war das ja auch gar keine Frage.
Und ich? Ich saß einfach nur wie vom Donner gerührt da und schaute in Snapes Augen. Er hatte es tatsächlich getan. Er hatte sich komplett ausgezogen und das in einem Raum voller Leute. Und das nur, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Es fiel mir schwer, es zuzugeben, aber DAS hatte er eindeutig geschafft. Ich war tief beeindruckt und konnte einfach nicht den Blick von ihm abwenden. Doch ich wusste auch nicht so genau, wo ich hinschauen sollte. Ich hatte mich zwar für seine Augen entschieden, aber mein Blick führte eindeutig ein Eigenleben. Ständig rutschte er nach unten ab. Kein Wunder, oder? Wer würde denn da anders reagieren?
Aber was sollte ich denn jetzt machen? Okay, ich hatte mir zwar felsenfest vorgenommen, die Fledermaus zu ignorieren, aber gegen diese Aktion war ich einfach machtlos. Ich meine, er hatte damit doch eindeutig bewiesen, dass ihm meine Aufmerksamkeit wichtig war, oder etwa nicht? Ich kenne keinen Mann, der sich wegen einer Frau nackt ausgezogen hat, nur um sie zurück zu gewinnen und das auch noch in einem Klassenzimmer, in dem gerade zwanzig Schüler saßen. Hinzu kam eine Lehrerin, mit der nicht immer gut Kirschen essen war und die auch ziemlich schnell mal ausrasten konnte. Er hatte sich total blamiert und das nur für mich! War ich ihm nicht da wenigstens die eine Minute schuldig, die er mit mir reden wollte? Oder vielleicht sogar zwei?
Und dann schoss die Fledermaus den Vogel ab. Er flüsterte ein leises „Bitte, Mimi" und bewegte seine Hüften, sodass sein Schwanz einmal kurz nach rechts und nach links wackelte.
Ich konnte mich nicht mehr halten. Ich prustete los. Ich musste so sehr lachen, dass mir die Tränen in die Augen stiegen und überliefen. Ich fasste es ja nicht. Snape wedelte für mich mit dem Schwanz? Das war wirklich der Burner schlechthin. Ich lachte und lachte und konnte nicht mehr aufhören. Meine Mitschüler schauten mich komisch und entsetzt an. Wahrscheinlich glaubten sie, ich sei verrückt geworden und hätte den Verstand verloren. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer hätte da denn nicht gelacht, wenn sich sein Exfreund nackt vor der ganzen Klasse auszog und dann auch noch mit dem Schwänzchen wedelte wie ein Hund?! Ich fand das wirklich zum Brüllen komisch und ließ es deshalb so richtig raus. Und was soll ich sagen, es tat richtig gut. Seit zwei Wochen hatte ich nicht mehr richtig lachen können, ganz klar angesichts der Tatsachen. Aber jetzt konnte ich es endlich und nichts und niemand würde ich davon abhalten.
„Was ist so witzig", wollte Snape wissen und schaute mich zweifelnd an.
„Na DU", brachte ich mühsam heraus und lachte weiter.
Ich konnte einfach nicht aufhören, auch wenn mir mittlerweile schon der Bauch weh tat. Und da fiel auch noch ein anderes Lachen mit ein. Ich sah auf und sah Professor McGonagall, die an ihrem Pult stand und sich nicht mehr halten konnte. Sie lachte mindestens genauso sehr wie ich. Klar, das war ja wohl auch zu verständlich. So was sah man als Lehrerin schließlich auch nicht alle Tage, dass sich ein Schüler nackt auszog, um einer Schülerin eine Liebeserklärung zu machen.
„Mimi, Du sprichst wieder mit mir", fragte die Fledermaus überrascht, doch kaum sah ich ihn an, prustete ich auch schon wieder los. Es ging einfach nicht anders.
Und da fing nun auch endlich die Klasse an zu lachen und auch sie kriegten sich nicht mehr ein. Diese Story würde in Hogwarts ganz schnell die Runde machen, das wusste ich. Und ich freute mich darüber und hoffte, dass diese Geschichte auch Avery, Nott und Mulciber erreichen würde. Was hatte sich Snape nur dabei gedacht? Er wusste doch, dass sich so etwas wie ein Lauffeuer verbreitete. Morgen würde er das Gespött der ganzen Schule sein. Doch es schien ihm egal zu sein, denn er stand immer noch total cool und lässig da.
„Miss Duchesse", meinte Professor McGonagall schließlich und wischte sich die Tränen aus den Augen. „Jetzt erlösen Sie den armen Kerl doch endlich. Nicht, dass er sich noch eine Erkältung holt oder so."
„Aber Professor, ich habe doch noch Unterricht", gab ich zurück und kicherte weiter.
„Sie sind für die restliche halbe Stunde freigestellt. Sie können den Zauber ohnehin schon. Gehen Sie und reden miteinander."
„Danke, Professor."
Ich stand schnell auf und packte meine Sachen in meine Schultasche. Ich hatte zwar keine Ahnung, ob ich wirklich mit diesem Idioten reden wollte, aber wenn ich schon einmal eine halbe Stunde früher frei hatte, dann musste ich das auch nutzen. Und wenn ich dafür eine Minute mit diesem gemeinen Hund reden musste, dann war das auch in Ordnung.
„Ach und bevor ich es vergesse", hielt McGonagall uns auf, als wir gerade den Raum verlassen wollten. „Fünfzig Punkte Abzug für Slytherin und Nachsitzen. Morgen Abend, 18 Uhr in meinem Büro. Und, Mister Snape?"
„Ja, Professor", gab er zurück und schaute dabei immer noch mich an.
„Ziehen Sie sich endlich etwas an!"
Ich schaute an Snape herunter und sah, dass er immer noch nackt war. Er wäre doch tatsächlich so durch die Schule gerannt und das nur, um mit mir zu reden. Wo war er nur mit seinen Gedanken? Doch für mich war das nur wieder der Auslöser. Ich brüllte auf und fing wieder schallend zu lachen an.
Rasend schnell und nun doch etwas peinlich berührt, zog sich Snape seine schwarze Hose und eines der T-Shirts an, die McGonagall herauf beschworen hatte. Ihm schien erst jetzt richtig bewusst geworden zu sein, was er da überhaupt getan hatte. Er hatte einfach nur gehandelt, ohne zu überlegen um somit meine Aufmerksamkeit zu erregen.
„Na komm schon, kleiner Nackedei", sagte ich, als er endlich fertig war. „Gehen wir irgendwo hin und reden miteinander. Ich habe genug von Deinen Betteleien. Am Ende rennst Du noch beim Weihnachtsball nackt durch den Festsaal. Nein, danke!"
„Mimi, Du redest also wirklich wieder mit mir", fragte er erstaunt.
„Vorerst. Aber jetzt lass uns endlich gehen, bevor ich es mir noch anders überlege. Oder McGonagall."
„Mimi, ich bin ja so...."
„Ja, ja, ist ja schon gut. Wir reden, Snape, nicht mehr und nicht weniger. Und jetzt komm endlich!"
Ich packte ihn bei der Hand und zog ihn aus dem Klassenzimmer.

Come fly with me loving batGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt