„MIMI!"
Ich hörte Filous Schrei und spürte seinen Schmerz, als wäre es mein eigener. Ich wollte ihm ja antworten, aber ich konnte nicht. Ich war gefangen in der Dunkelheit einer Ohnmacht und ich zwang mich selbst, nicht daraus aufzuwachen. Ich wusste, dass, wenn ich die Augen aufschlug, mich schlimmeres erwarten würde, als die Verzweiflung, die mein Hund verspürte. Zumindest in dem Traum, den ich gerade hatte.
Doch es ließ sich nicht mehr aufhalten. Die Nebel lichteten sich immer mehr und ich wusste, dass ich bald aufwachen würde. Ich wollte nicht, wollte in meiner Traumwelt bleiben, aber mein dummes Gehirn zwang mich dazu. Tja, dieses blöde Scheißding. Wegen dem steckte ich doch überhaupt erst in der Klemme. Wenn ich auf meinen Bauch gehört hätte, dann hätte ich mich umgedreht, als Avery und Nott mich im Zaubertrankkerker überfallen hatten, aber nein, mein dummes Hirn musste ja wieder mal in die andere Richtung denken. Es hatte sich ja wieder einmal irgendetwas ganz tolles ausdenken müssen und dann... BUMM, ein Angriff von hinten. Und nicht einmal jetzt ließ es mich das machen, was ich eigentlich wollte, nämlich weiter in der Dunkelheit bleiben, bis dieser ganze Mist vorbei war und ich gerettet wurde. Super, Hirn, das ist wirklich furchtbar nett von Dir.
Langsam schlug ich die Augen auf. Was blieb mir denn auch anderes übrig? Ich war ja ohnehin schon wach. Mein ganzer Körper schmerzte als hätte ich einen Boxkampf gegen einen ausgewachsenen Bergtroll hinter mir, aber wenigstens konnte ich mich wieder bewegen, also musste Averys Zauber seine Wirkung verloren haben. Doch trotzdem war meine Bewegungsfähigkeit mehr als eingeschränkt, denn ich war mit rostigen Handfesseln an die Wand gekettet worden. Na super, ganz toll. Deswegen war ich wahrscheinlich auch so steif. Ich musste mit ausgestreckten Armen geschlafen haben.
Ich sah mich in dem Raum um, in den die beiden mich verschleppt hatten. Er war vielleicht drei mal drei Meter groß. Die Wände waren aus rauem Stein, waren mit einer Schicht aus Moos überzogen und schimmerten so, als wären sie feucht. Und der Geruch erst. Es roch so modrig und... bäh einfach. Ich selbst saß auf einer zerschlissen Matratze, die mit einem versifften Betttuch abgedeckt war. Uääääh, ich will lieber gar nicht wissen, wie viele Bettwanzen und Milben da drinnen lauerten, sonst wird mir mit Sicherheit noch schlecht. Wobei, das war mir ohnehin schon. Wo war ich hier nur gelandet? Und was hatten Avery und Nott mit mir vor? Ich war nur froh, dass sie im Moment nicht hier waren. Doch das war nur eine Frage der Zeit. Irgendwann mussten sie hier auftauchen und dann würde sie nichts mehr aufhalten. Sie würden mich quälen, wieso auch immer.
Oh Gott, ich musste dringend hier raus. Aber wie? Das war die Fragen aller Fragen. Ich könnte mich ja gerade mal an die Wand setzen, aber mehr ließen die Fesseln einfach nicht zu. Hilfe, das war das, was ich jetzt brauchte. Und zwar schnell, bevor die anderen Vollpfosten noch auftauchten und wer weiß was mit mir anstellten. Und bitte auch, bevor meine Blase platzte. Ich musste nämlich ganz, ganz dringend aufs Klo, was nur zu verständlich ist, wenn man seit zig Stunden nicht mehr war.
Aber wo bekam ich denn jetzt Hilfe her? Es gab niemanden, der wusste, wo ich mich aufhielt. Gut, vielleicht suchten mich Severus und Filou schon, zumindest hatte ich das gerade noch geträumt. Aber sie würden nicht gleich zu einem Lehrer rennen und einen Suchtrupp losschicken. Sie würden die Sache erst einmal selbst in die Hand nehmen.
Filou!!! Mimi, Du Schaf! Du kannst doch mit ihm kommunizieren. Hast Du das etwa in den paar Stunden vergessen, in denen Du Dich hier aufhältst? Also wirklich, dieser Mief scheint Dein Gehirn vernebelt zu haben. Du musst versuchen, ihn zu erreichen und beten, dass er sich nicht gerade wieder anderweitig vergnügte.
Ich schloss die Augen und stellte mir Filou vor meinem inneren Auge vor. Ich betete und hoffte, dass ich ihn erreichen würde. Es musste einfach klappen. Ich atmete noch ein letztes Mal tief durch.
„F... Filou", fragte ich vorsichtig. „Filou, bist Du da?"
„MIMI", schrie er augenblicklich zurück. AUAAAA, meine Ohren. Ich bin vielleicht etwas angeschlagen, aber mein Gehör funktioniert anscheinend noch. „Oh Mimi, ich bin ja so froh. Ich habe mir ja solche Sorgen um Dich gemacht, weil Du Dich nicht gemeldet..."
„Ja, ja, ich weiß. Ich war bis vor ein paar Minuten noch ohnmächtig, aber das ist jetzt nicht wichtig. Hör zu, mein Großer, ich brauche dringend Deine Hilfe. Ich bin in irgendeinem stinkigen Loch gefangen und..."
„Ich weiß genau, wo Du bist. Und damit haben die drei Stinker von Deinem Liebsten etwas zu tun, richtig?"
„Ja, sie haben mich im Zaubertrankkerker überfallen. Aber Filou, ich brauche dringend Deine Hilfe. Du musst zu Severus gehen und ihn zu mir schicken. Ihr müsst mich hier heraus holen, bevor diese Arschlöcher auftauchen und mir etwas schlimmes antun. Noch bin ich zwar alleine, aber wer weiß schon so genau, wie lange noch."
„Tut mir leid, Mimi, aber das gestaltet sich als schwieriger, wie Du vielleicht denkst."
„Was meinst Du denn damit? Du brauchst doch nur Deinen Arsch zu Severus zu bewegen und ihn dazu zu zwingen..."
„Wenn das so einfach wäre. Als wir vorhin in den Kerkern waren und ich Dich endlich gefunden hatte, da hat mir Dein Vollidiot von Schnuckiputz einen Ganzkörperklammerfluch aufgehetzt, weil ich mich geweigert habe mit ihm zu gehen. Er hat mich wahrscheinlich für verrückt gehalten, weil ich die Wand angebellt habe, hinter der Du sitzt."
Dann war das also doch kein Traum gewesen. Verdammter Mist! Klasse Leistung, Severus, wirklich! Da hatte mich mein Hund schon gefunden und er geht einfach weiter. Super, echt!
„Ist nicht Dein Ernst oder", musste ich mich versichern. So blöd konnte ja nicht mal die Fledermaus sein.
„Doch", gab Filou zurück. „Mein voller Ernst."
„Na toll. Und wo bist Du jetzt?"
„Dieser Idiot hat mich in den Da-und-Fort-Raum gebracht. Hier liege ich jetzt auf einem großen Kissen und spiele Stein."
„Du bist immer noch gelähmt?"
„Ja, Dein ach so toller Freund hat gemeint, er kommt zurück und erlöst mich, wenn er Dich gefunden hat."
„Aber das kann ja noch Stunden dauern. So viel Zeit habe ich nicht. Bitte, Filou, ich brauche Hilfe. Du musst versuchen, gegen den Fluch anzukämpfen."
„Wie denn? Ich habe so etwas noch nie gemacht."
„Du musst Dich einfach nur dagegen wehren. Denk an irgendetwas schönes, das Dir Kraft verleiht. Meinetwegen an Deine Hündin und wie Du sie... na, Du weißt schon. Ich weiß, dass Du das kannst, mein Großer. Aber bitte, beeil Dich. Es ist nur noch eine Frage von... AAAAAAAAH!!!"
„Mimi, was ist los? Sind die bei Typen bei Dir? Oh Scheiße, es geht nicht... Ich... Ich..."
„Nein, Filou, aber... aber... Da ist eine Spinne! IIIIIh, ist die eklig. Hilf mir!"
Dazu muss ich kurz was sagen: Ich HASSE Spinnen. Es gibt nichts auf der Welt, was ich abscheulicher finde. Und die, die hier neben mir an der Wand saß, die war wirklich grauenhaft. Mindestens sieben Zentimeter im Durchmesser und diese langen Beine. Und haarig war die. Bäääh!
„Und ich dachte schon, es sei was schlimmes", seufzte Filou.
„Nur zu Deiner Information, das IST etwas schlimmes. Mehr noch sogar, dass ist mein ganz persönlicher Horror. Du weißt doch, was ich für eine Angst vor diesen Dingern habe."
„Aber es mit einer Fledermaus treiben."
„Hör jetzt gefälligst auf, über Severus zu schimpfen. Ich habe hier gerade weitaus größere Probleme. Ich wurde von drei absoluten Vollblutidioten, die jede Sekunde hier auftauchen könnten, in irgendeinen unsichtbaren Raum verschleppt, den niemand findet außer meinem Hund, der mit niemandem sprechen kann. Und wen habe ich als Zimmergenossen? Tarantula höchstpersönlich!!!"
„Entspann Dich, Mimi! Ich versuche ja schon..."
„Was meinst Du denn bitte mit entspannen? Du machst wohl gerade Witze, oder? Dieses Mistvieh kommt immer näher. Oh nein, komm gar nicht auf die Idee. Bleib weg! Kusch! BLEIB WEG, HABE ICH GESAGT!"
Dieses Scheusal begann doch tatsächlich in meine Richtung zu krabbeln und zwar genau auf die Ketten der Handfesseln zu, mit denen ich an der Wand fest gemacht war.
„Was ist denn jetzt schon wieder los", fragte Filou leicht genervt.
„Die läuft genau auf meine Hände zu."
Noch immer lag ich mit über mir ausgestreckten Armen da, aber was anderes blieb mir auch gar nicht übrig.
„Die tut Dir nichts, Mimi! Nicht wenn Du..."
„Sag Du mir jetzt ja nicht, dass ich ruhig bleiben soll! Schau lieber, dass Du endlich den Fluch los wirst und Severus hier nach unten schaffst und das ganze bitte BEVOR ich von diesem Vieh hier aufgefressen werde!"
„Mimi, jetzt führ Dich nicht auf wie ein Kleinkind. Die will doch sicher nur spielen!"
„Dann soll sie das wo anders machen und nicht auf mir. Weißt Du eigentlich, was so eine mit mir anfangen kann? Ein Biss und ich liege zwei Wochen im Koma oder so."
„Du übertreibst maßlos."
„Na und? Und selbst wenn. Schaff endlich Deinen Hintern hier runter. UAAAAAH, sie ist auf meiner Hand! Hilf mir, Filou, bitte!"
Tarantula hatte wirklich meine linke Hand erreicht und fing langsam an meinen Arm hinunter zu krabbeln. Ich begann am ganzen Körper zu zittern. Alles in mir schrie laut: „Geh weg, geh weg, GEH WEG!" Aber dieses Miststück schien mich anscheinend ganz toll zu finden. Sie wanderte fröhlich in Richtung Ellenbogen.
„Egal, was Du jetzt tust, Mimi", riet mir Filou, „mach jetzt am besten keine ruckartigen Bewegungen. Das können die nicht leiden. Versuch einfach daran zu denken, wie Dich Dein Schnuckiputz mit einer Feder streichelt oder so."
„Das soll wohl ein verdammter Witz sein, oder? Mit einer Feder? Wie kommst Du denn auf den Scheiß?"
„Keine Ahnung, ist mir gerade so eingefallen. Ich wollte Dich nur ablenken."
„Glaub mir, das funktioniert im Moment absolut nicht!"
„Entschuldige, ich meine es nur gut."
„Kümmer Dich um Deinen eigenen Scheiß, Filou, zum Beispiel dass Du Dich endlich wieder bewegen kannst. Ich brauche nämlich wirklich Deine Hilfe!"
„Ja, doch, ich mach ja schon. Wo ist sie denn gerade?"
„An der Schulter. Und sie will den Weg landeinwärts nehmen."
„Was heißt denn das jetzt?"
„Filou, frag nicht so blöd. Sie will in mein Gesicht, also mach endlich hinne!"
„Hey, nur ganz sachte, Baby. Immerhin kann ich meine Schwanzspitze schon wieder bewegen. Das ist doch schon mal was."
„Glaub mir, das freut mich wahnsinnig für Dich, aber BITTEEEE!"
„Ja, ich mach ja schon."
Spiderman (oder -woman) erreichte unterdessen meinen Hals. Ich wagte es nicht mehr, mich zu bewegen oder auch nur einen Mucks von mir zu geben. Ich streckte meinen Kopf so weit nach hinten, wie es nur irgendwie möglich war, sodass die blöde Spinne ja nicht über mein Gesicht lief. Das würde ich nicht überleben.
Und genau in diesem Moment wurde ich gerettet. Wobei man das so nicht sagen konnte. Ich hörte ein Furchen an der Wand links neben mir. Eine Ritze in Form einer Tür erschien im Stein und gab schließlich den Durchgang frei. Vor mir standen Avery, Nott und Mulciber. Heilige Scheiße! Bitte nicht.
Sie betraten den Raum und die Tür wurde wieder zu Stein.
„Na, Dornröschen, gut geschlafen", wollte Abery wissen. „Oh, wie ich sehe, hast Du ein Kuscheltier gefunden. Na, die ist aber süß! (Haha, guter Witz!) Aber die wollen wir Dir jetzt wegnehmen, Schlampe. Jetzt ist erst einmal jemand anderes an der Reihe!"
Er schwang seinen Zauberstab und Tarantula flog davon. Doch jetzt wünschte ich mir, sie wäre noch da. Vielleicht würde das die Jungs ja davon abhalten, sich mir zu nähern.
„Mimi, alles okay bei Dir", fragte Filou in meinem Kopf. „Du bist auf einmal so still."
„Filou, hilf mir", schrie ich in Gedanken. „Sie sind hier. Avery, Nott und Mulciber. Also bitte, egal, was Du tust, benutze Deinen Dickschädel und breche den Zauber."
„Sie sind da? Bei Dir?"
„JAAAA!"
„Ich komme, Mimi. Halte nur noch ein paar Minuten durch. Ich habe es gleich geschafft."
„So, Schlampe", riss mich Avery aus der Unterhaltung heraus. „Nachdem Du ja jetzt endlich wach bist und wir hier unsere Ruhe haben, kann Nott endlich das machen, worauf er schon die ganze Zeit wartet. Er steht nämlich schon auf Dich, seit er Dich zum ersten Mal gesehen hat." Ui, wie toll für ihn.
„Musst Du das denn unbedingt sagen, Ave", mischte der kleine, dicke Nott sich jetzt ein. „Das ist mir..."
„Das braucht Dir doch nicht peinlich sein, Notti. Ich meine, sie sieht schon gut aus, das muss man ihr lassen. Aber sie ist eine Gryffindor. Für mich wäre das ja nichts. Aber wenn Du sie so sehr willst..."
Oh nein. Nicht diese Leier schon wieder. Bitte nicht, das überlebe ich nicht. Vor allem, weil ich mich dieses Mal überhaupt nicht wehren konnte, weil ich ja an die Wand gekettet war. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Dieses Mal war es nicht Avery, der seinen Zauberstab hob, sondern Mulciber.
„Pertificus Totalus", sagte er und sofort wurde ich stocksteif.
Ach Du Scheiße, auch das noch. Jetzt hatte ich wirklich ein Problem.
„Ähm... Filou", stotterte ich in meinem Kopf. „Jetzt wäre wirklich ein guter Zeitpunkt, sich zu beeilen."
Doch ich bekam keine Antwort. Anscheinend konzentrierte sich mein Hund so sehr darauf, seine Fesseln abzuwerfen, dass er mich ausblendete. Mist!
Und dann passierte es. Nott, der hässliche untersetzte Kerl, trat vor und öffnete seine Hose. HIIIILFEEEE! Aber niemand sollte meinen stummen Schrei hören.
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Come fly with me loving bat
FanfictionMimi ist gerade 16 geworden, als sie mit ihren Eltern von der wunderschönen Cote d'Azur in das regnerische England zieht. Das bedeutet für sie nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine neue Schule. Dort kommt sie soweit auch ganz gut klar, auße...
