Nach unserem Lachanfall erbarmte sich Sirius schließlich und endlich und ging mit mir zurück in den Gryffindorturm.
„Aber denk dran, Mimi, wenn die anderen nein sagen, dann heißt das auch nein", ermahnte er mich immer wieder. „Dann brauchst Du auch gar nicht mehr zu diskutieren anfangen."
„Wie oft willst Du mir das denn jetzt noch sagen, Sirius", giftete ich ihn an.
Ich war langsam aber sicher wirklich genervt. In der letzten Viertelstunde hatte ich mir das jetzt mindestens hundert Mal anhören dürfen. Irgendwann reicht es aber auch mal. Irgendwie machen das ständig alle. Hat das vielleicht etwas damit zu tun, weil ich blond bin? So, ich sage das hier jetzt einmal und dann möchte ich nichts mehr darüber hören. Egal ob man Blödheit, Dummheit, Abgefucktheit oder sonst was nimmt, das hat absolut nichts mit der Haarfarbe zu tun. Höchstens mit dem Geschlecht. Vorzugsweise sind dumme, idiotische Menschen männlich. Fucking Bat ist das allerbeste Beispiel dafür. Er war die gemeinste Person, die mir jemals in meinem Leben untergekommen war. Und das will schon was heißen, denn immerhin bin ich in Frankreich aufgewachsen und da wimmelt es nur so von hirnlosen Arschlöchern. Mehr brauche ich zu diesem Thema wohl nicht zu sagen.
In diesem Moment bogen Sirius und ich um die Ecke, die in den Gang führte, an dessen Ende das Portrait der Fetten Dame hing. Doch als ich die Person sah, die wütend davor auf und ab ging, machte ich sofort kehrt, rannte wieder zurück um die Ecke und lehnte mich keuchend an eine Wand. Was wollte Snape denn hier? Wartete er etwa auf mich? Aber warum? Hatte er es denn immer noch nicht verstanden? Ich wollte ihn nicht mehr sehen. Er soll endlich aus meinem Leben verschwinden und das ein für alle Mal.
Da kam Sirius zu mir zurück.
„Mimi, was ist los", wollte er verwirrt wissen. Klar, er verstand meinen Sinneswandel nicht so ganz. Immerhin hatte ich vor zwei Minuten noch darauf gedrängt, dass er doch ein klein wenig schneller gehen sollte, weil ich unbedingt mit James und Remus reden wollte. Und jetzt hatte ich mich auf einmal umgedreht und war davon gelaufen.
„Hast Du denn nicht gesehen, wer da vorne auf uns wartet", fragte ich zurück und sprach dabei so leise wie möglich.
„Doch, natürlich ich habe den ollen Schniefelus gesehen. Aber wieso rennst Du dann weg? Ich dachte, Du willst ihn eiskalt ignorieren."
Ich hatte den Weg nach oben in den siebten Stock genutzt um Sirius von meiner Trennung von Snape zu erzählen. Sirius war mehr als schockiert gewesen, wie ein Mann so etwas über die Frau sagen konnte, die er angeblich liebt. Aber sei's drum. Jetzt hatte ich ein ganz anderes Problem und das lief etwa dreißig Meter entfernt von links nach rechts und von rechts nach links.
„Du glaubst doch wohl nicht allen Ernstes, dass er mich einfach so an sich vorbei gehen lässt, oder? Nein, er wartet nicht umsonst hier oben. Der will mich wieder volllabern, das weiß ich ganz genau. Aber das packe ich jetzt nicht. Bitte, Sirius, hilf mir!"
„Wie soll ich Dir denn helfen?"
„Pass auf, ich desillusioniere mich und gehe neben Dir her. Snape wird Dich mit Sicherheit nach mir fragen und Du kannst ihm irgendeine Lüge auftischen. Bitte, Sirius, ich flehe Dich an. Tu mir den Gefallen. Ich packe es jetzt nicht, mit ihm zu reden. Sonst lande ich nur noch oben in meinem Schlafzimmer und spiele wieder Heulboje."
„Alles klar, das wollen wir ja nicht. Aber dafür bist Du mir was schuldig. Einen Spaziergang oder so."
Grrr, wieso musste er denn immer etwas verlangen? Das war auch so eine Eigenschaft, die mich an ihm nervte. Aber jetzt hatte ich keine andere Wahl.
„Deal", sagte ich deshalb.
„Alles klar. Ist mir immer wieder eine Freude mit Dir Geschäfte zu machen, Mimi!"
Ja, ja, ich weiß. Ich war die geborene Verhandlungspartnerin.
Ich zog meinen Zauberstab, schlug mir damit auf den Kopf und murmelte leise „Desillusionato". Ich spürte, wie mir etwas kaltes über den Kopf lief. Eine Sekunde später war ich verschwunden.
„Krass, man sieht Dich echt nicht mehr", meinte Sirius erstaunt.
„Ja, ich weiß. Und jetzt los."
„Darf ich dem blöden Schniefelus in den Hintern treten?"
„Meinetwegen. Und jetzt geh endlich!"
Sirius drehte sich um und ich folgte ihm so leise wie möglich. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, auch wenn ich nicht wusste, wieso. Es war doch nur mein bescheuerter Exfreund, der da vor dem Gryffindorturm auf mich wartete. Also kein Grund, gleich in Panik auszubrechen.
„Hey, Schniefelus", rief Sirius auf einmal vor mir. „Was hast Du denn hier zu suchen? Hast Du Dich verlaufen?"
„Das geht Dich einen verfluchten Scheißdreck an, Black", giftete Snape ihn an. „Wo hast Du Mimi gelassen? Ich muss mit ihr reden."
„Mit wem bitte?"
„Mit Mimi, meiner Freundin!"
Moment, fehlte da nicht irgendwo ein EX oder so? Der hatte sie ja wohl nicht mehr alle, mich immer noch als seine Freundin zu bezeichnen. Es hatte sich ausgeknutscht oder hatte er das schon vergessen? Ich war ja so was von sauer. Am liebsten hätte ich mich illusioniert und ihm gehörig die Meinung gegeigt, aber das durfte ich nicht. Ich musste ihn ja ignorieren. Bleib stark, Mimi. Es ist alles cool und Sirius hat die Situation voll und ganz im Griff.
„Ach so, Du meinst unser liebes Frenchy Girl (Grrrrr...). Das Mädchen, das Du als Schlampe bezeichnet hast."
„Ich würde es niemals wagen..."
„Da hat Mimi aber was ganz anderes erzählt!"
Gaaah, Sirius! Musst Du das der blöden Fledermaus unbedingt auf die Nase binden? Du solltest doch nur für mich lügen. War das denn zu viel verlangt? Männer! Alles musste man selber machen!
„Sie hat Dir davon erzählt", rief Snape laut.
„Klar, warum denn auch nicht? Immerhin sind wir Freunde. Und Du weißt doch sicher, wie es ist, so richtig gute Kumpels zu haben, oder, Schniefelus? Du bist doch da der Weltmeister darin!"
Ha, der war gut, Sirius, das muss ich Dir schon lassen. Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Das war Sarkasmus pur! Wirklich sehr gut, Tatze, ganz große Leistung!
„Ach, halt die Klappe, Black! Weißt Du jetzt, wo Mimi ist oder nicht? Du warst immerhin mit ihr unterwegs."
„Sie wollte noch ein bisschen in den Gärten bleiben."
„Du hast sie alleine da unten gelassen? Herrgott, es ist doch schon dunkel draußen. Du bist ja so was von verantwortungslos, Black."
„Das sagt der Richtige!"
Doch die blöde Fledermaus hatte sich bereits umgedreht und machte die Flatter. Kaum war er um die Ecke gebogen, hielt ich es nicht mehr aus und brach in schallendes Gelächter aus. Schnell illusionierte ich mich.
„Was war das", japste ich. „Weltmeister, was Freunde angeht. Sirius, das war wirklich absolute Weltklasse. Besser hätte ich es selbst nicht hin bekommen."
„Der Meister dankt", gab mein Kumpel (Ich glaube, so kann man das schon sagen) zurück und deutete eine kleine Verbeugung an. „Hast Du sein Gesicht gesehen?"
„Allerdings. Der sah aus, als wäre eine Horde Thestrale über ihn getrampelt. Aber sag mal, was bildet der sich eigentlich ein, mich wie ein Kleinkind behandeln zu wollen? Als würde ich es nicht fünf Minuten alleine im Garten aushalten."
„Und was denkt der sich, dass er glaubt, ich würde Dich da unten alleine lassen? In einer Vollmondnacht. Immerhin müsste er es besser wissen. Ich würde doch niemals..."
„Fang Du jetzt nicht auch noch an! Aber apropos Vollmond..."
„Was ist damit?"
„Ich muss dringend mit Remus und James sprechen."
„Und ich dachte schon, Du hättest es vergessen."
„Darauf kannst Du lange warten, Sirius Black. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann wird das knallhart durchgezogen. Und jetzt komm endlich. Veritaserum!"
Das Portrait der Fetten Dame klappte zur Seite und ich zog Tatze in den Gemeinschaftsraum.
DU LIEST GERADE
Come fly with me loving bat
FanfictionMimi ist gerade 16 geworden, als sie mit ihren Eltern von der wunderschönen Cote d'Azur in das regnerische England zieht. Das bedeutet für sie nicht nur ein neues Zuhause, sondern auch eine neue Schule. Dort kommt sie soweit auch ganz gut klar, auße...
