Ich war überrascht darüber, wie urplötzlich erleichtert ich mich fühlte, als ich zu Hause ankam und alleine in meinem Zimmer stand. Es mochte ungewohnt sein, Cole nicht bei mir zu haben, obwohl wir normalerweise weiterhin Zeit miteinander verbracht hätten, und dennoch war es befreiend.
Hier umgab mich nicht diese Negativität, die ich den ganzen Morgen über in seiner Gegenwart gespürt hatte. Ich konnte endlich zur Ruhe kommen und tief durchatmen. Das bedeutete, dass ich auch nicht länger darüber nachdenken wollte, woran es gelegen oder gescheitert hatte.
Vielleicht war es für uns beide besser, wenn er seinen schlechten Tag ohne mich überwältigte und zu Ende brachte, denn ich besaß nicht einmal mehr die Nerven oder die Geduld dazu, ihm dabei zu helfen, indem ich mir Dinge für ihn ausdachte, die seine Laune wieder heben könnten.
Außerdem war es keine Pflicht, in jeder freien Minute beieinander zu sein. Das hatte ich heute zum ersten Mal besonders gut nachvollzogen. Insofern schien eine kurze Pause genau das Richtige für mich zu sein. Ich wusste jetzt nur nicht, womit ich mich beschäftigen sollte.
Gott, ich war nicht sonderlich klug. Ich redete mir ein, dass es normal wäre, wenn ich auch mal etwas ohne ihn machte, doch mein Gehirn gab mir ausschließlich Ideen, die wir nur gemeinsam unternehmen könnten. Ich hätte nicht erwartet, dass das mal zu einem Nachteil werden würde.
Ich seufzte frustriert und zog mein Haarband aus meinen Locken. Anschließend benutzte ich das Band, um mir einen unordentlichen Knoten zu binden. Ich könnte meine Haare glätten. Ein Blick in meinen Spiegel riet mir allerdings sofort davon ab, weil das Ergebnis Stunden dauern würde.
Mal sehen, in meinem Regal sammelten sich haufenweise Bücher an, die ich seit dem Kauf kein einziges Mal angerührt hatte. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn ich lesen würde. Als ich jedoch meinen Laptop entdeckte, der mich verführerisch anlächelte, kam mir eine bessere Idee in den Sinn.
Onlineshopping. Ja, das war die perfekte Zeitverschwendung. Moment mal- nein, mein Monatsgehalt wurde noch nicht ausgezahlt. Mist. Dann würde ich mir eben Kleidung ansehen und eventuell dabei heulen, bloß weil ich mir all die schönen Sachen nicht leisten konnte.
Das war ein guter Plan. Ein sehr guter sogar, da es mir die Möglichkeit gab, wegen anderen Gründen enttäuscht und traurig zu sein. Zumindest würde es mich ablenken und das war alles, was ich aktuell bewirken wollte. Und vielleicht hatte ich Glück und fand doch Angebote. Ich liebte es, mir insbesondere an Scheißtagen selber Geschenke zu kaufen.
Im nächsten Moment nistete ich mich unter meiner Bettdecke ein, während ich den Laptop auf meinen Schoß platzierte. Zuvor hatte ich noch die Rolladen heruntergezogen und meine Jeans und Bluse in ein Shirt, das mir viel zu groß war, mitsamt einer grauen Jogginghose umgetauscht.
Cole und seine blöden Stimmungschwankungen für einen Augenblick zu verdrängen, hieß nicht, dass ich mir seine T-shirts nicht überziehen durfte. Dass sein Duft permanent in der Nase hing und ich mich glatt darin verlieren könnte, beeinflusste nicht mein eigentliches Vorhaben.
Ich öffnete die Startseite von ASOS, weil mir das zuallererst in den Sinn gekommen war und klickte mich durch. Ich wusste nicht einmal, worauf ich den Fokus legen sollte, ob Hose oder Oberteil, oder doch Schuhe und Taschen, weswegen ich das ganz einfach dem Zufall überließ.
Mit ziemlicher Sicherheit würde ich mir ohnehin nichts bestellen, also sollte ich damit aufhören, besonders die Angebotspreise ins Visier zu nehmen, aber schließlich schadete es nicht, wenn ich mir schonmal eine geistliche Liste von Dingen erstellte, die für nächsten Monat geplant waren.
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Cloverleaf
RomanceDie Begegnung an einem Schiffshafen sorgte bei Cole und Celia für ein Gefühlschaos, das beide zuvor noch nie verspürt hatten. Sie konnten das, was zwischen ihnen war, nicht definieren. Gar sahen sie ein, dass sich ihre Herzen nach einander sehnten...
