Kalte Herbsttage waren echt eigen. Es war inmitten der dritten Jahreszeit. Die Bäume waren längst blätterlos und ihre kahlen Äste tanzten rhythmisch zu der Melodie des Windes. Nur wenige Sonnenstrahlen erharschten oben am Himmel einen Weg durch die dichten Wolken.
Bemerkenswert waren vor allem die Kastanien, die sich nach und nach verstreut an den Straßenrändern verteilten. Kleinkinder hoben diese fasziniert auf, um sie stolz ihren Eltern zu präsentieren. Oder freuten sich, wenn sie ein Eichhörnchen ausfindig machen konnten.
Der Herbst bot viele Möglichkeiten an, um sich zu erfreuen. Keine Frage. Beispielsweise konnte ich durch ihn Cole dabei beobachten, wie er sich beim Laubfegen quälte. Dank Nana Rose war er dazu verdonnert, endlich die Gartenarbeit zu erledigen, die er schon seit Tagen hinausgezögert hatte.
Seine Stirn glänzte durch den Schweiß und sein Blick schien überhaupt nicht begrüßenswert, als er mich auf der Fensterbank sitzend entdeckte. In meiner Hand hielt ich mein selbstgemachtes Getränk. "Celia, wieso beobachtest du mich ständig?", rief er mir anzweifelnd zu.
"Weil mich dein überforderter Anblick zufriedenstellt. Fast so sehr wie der Geschmack meiner leckeren Limonade. Aber nur fast! ", antwortete ich grinsend, worauf ich demonstrativ mein Trinkglas höher hob. Selbst von dieser Entfernung aus erkannte ich, wie er die Augen verdrehte.
Außerdem die dunklen Spuren auf seinen Wangen und an seiner Stirn, die wahrscheinlich durch den Staub und Dreck zustande gekommen waren. Auch seine graue Jogginghose hatte sichtlich etwas davon abgekriegt. Ganz zu schweigen von den schmutzigen Arbeitshandschuhen.
Drei große Laubsäcke waren bereits bis zum Anschlag gefüllt, während er gerade dabei war, den vierten und letzten zu füllen. Ich weigerte mich zu glauben, dass tatsächlich so viel Laub auf dem Boden verstreut lag. Er säuberte schon seit mehreren Stunden den gesamten Garten.
"Da sitzt sie einfach dort, trinkt gemütlich ihre Limonade, während sie- so biestig wie sie nun mal ist, auch noch pure Schadenfreude verspürt!", stieß Cole nach Sekunden des Schweigens gespielt empört aus. "Stattdessen könntest du runterkommen und deinem Freund helfen!"
Ich lachte absichtlich laut auf, um die Lächerlichkeit seiner Aussage zu heben. "Wenn ich das tue, würden wir doch in einem völlig falschen Film spielen. Lass uns also nicht die Richtigkeiten durcheinander bringen!", äußerte ich, worauf er extra laut aufseufzte.
Frech grinste ich ihm entgegen, ehe ich einen weiteren sauersüßen Schluck meines Getränks nahm. Dabei entging mir nicht, wie sehnsüchtig er mich währenddessen anstarrte. "Willst du etwa auch, Liebling? Eine saftige, frische, kalte Biolimonade. Ganz und gar nach deiner Vorliebe entsprechend!"
Ich verriet ihm nicht, dass nichts mehr übrig war, da meine Eltern den Rest meines Werkes bereits ausgetrunken hatten. Und warum ich so fies war, indem ich ihm regelrecht unter die Nase rieb, dass ich Freizeit hatte und er nicht, konnte ich mir auch nicht erklären.
"Ich kann dich gerade echt nicht ausstehen, Celia. Das weißt du hoffentlich", erwiderte Cole und funkelte mich verdeutlichend böse an, wodurch ich diesmal wirklich lachen musste. "Mhm, vielleicht sollte ich dich jetzt einfach in Ruhe deine Arbeit machen lassen."
"Das wäre wohl für jeden eine Bereicherung", meinte Cole trocken, doch ich konnte schwören, dass seine Mundwinkel zuckten. "Ha-ha. Wie witzig du immer bist." Nun lachte er belustigt auf und entblößte seine strahlend weißen Zähne. "Nicht schmollen, princesa. Trink du deine Limonade!"
Das war schließlich der Moment, in dem mir bewusst wurde, dass diese Konversation sinnlos war und garantiert nicht zu Vorteilen im Leben verhalf. "Doch. Ich werde gehen und woanders weiter schmollen, einfach nur, weil ich will, dass du dir doof vorkommst", versprach ich ihm.
DU LIEST GERADE
Cloverleaf
RomanceDie Begegnung an einem Schiffshafen sorgte bei Cole und Celia für ein Gefühlschaos, das beide zuvor noch nie verspürt hatten. Sie konnten das, was zwischen ihnen war, nicht definieren. Gar sahen sie ein, dass sich ihre Herzen nach einander sehnten...
