Vor Erschöpfung drohte ich umzukippen. Mir tat fürchterlich der Kopf weh. Die ganze Nacht über hatte ich Musik gehört, um meine lauten Gedanken zu übertönen, und weinte mir die Augen aus, weil ich mich schuldig gefühlt hatte. Keine Nacht zuvor war so unerträglich gewesen wie diese.
Ich kam mir vor wie ein wandelnder Zombie und auf der Party musste ich gänzlich den Verstand verloren haben. Es hätte mit einem Erfolg gekrönt werden sollen, stattdessen hatte es mit einer beschämenden Katastrophe und einer Erkenntnis geendet, die mir sehr unter die Haut ging.
Ich war klüger als das Miststück, das ich verkörpert hatte. Diese ganzen negativen Emotionen und Vorkommnisse hatten mich dermaßen geblendet, dass ich Gefahr gelaufen war, einen unverzeihlichen Fehler zu begehen, welchen ich noch mein gesamtes Leben lang bereut hätte.
Von Anfang an hatte ich mir nur etwas beweisen wollen und mich daher selbst belogen, denn es gab durchaus Grenzen, die ich niemals überschreiten würde. Meine Dämonen ergriffen die Oberhand und hatten mich geleitet, wogegen ich gestern nicht mehr angekommen war.
Ich könnte Cole doch niemals absichtlich wehtun. Das, was ich ihm zufügte, würde sich nur zurückspiegeln und mich härter treffen, weil unsere Seelen einander berühren konnten. Es war zwecklos von jemandem davonzulaufen, der sich wie mein sicheres Zuhause angefühlt hatte.
An diesem Tag, an dem ich von ihm und Amara und ihrer gemeinsamen Vergangenheit erfuhr, war eine Welt über mir zerbrochen und statt mir von ihm aufhelfen zu lassen, war ich unter dem Trümmer eingeengt liegen geblieben. Ich hatte einfach nur Angst die Wahrheit zu akzeptieren.
Es fühlte sich an, als würde seither ein Teil in mir fehlen, welches es mir ermöglichte, frei zu atmen. Ich fand es ungemein erschreckend, wie etwas, das sich tief in die Seele bohrte, auch in jedem anderem Körperteil schmerzhaft zu spüren war und völlig den Verstand einnahm.
Jetzt wusste ich es besser. Die kurze, aber unterhaltsame Bekanntschaft mit diesem Fremden hatte mir Klarheit verschaffen und ich realisierte, dass ich bloß von dem einzigen Menschen wiedergefunden und gehalten werden wollte, der mich in allen Hinsichten vervollständigte.
Umso schwerer fiel es mir nun in Elijahs Gegenwart zu sitzen und mit ihm zu plaudern, weil ich eigentlich bei Cole sein sollte. Seine Worte drangen nicht zu mir hindurch, schon seit einigen Minuten nicht mehr, und ich befürchtete, dass er das ebenfalls bemerkte.
"Celia, du hörst mir gar nicht zu. Wo bist du mit den Gedanken?" Ich wünschte wirklich, ich könnte ihm mehr Aufmerksamkeit schenken, aber ich war einer innerlichen Unruhe ausgesetzt, die mich jede Sekunde lang daran erinnerte, dass ich die Distanz zu Cole überbrücken musste.
"Du hast auch gar nichts von deinem Essen probiert", warf Elijah ein und kräuselte dabei die Stirn, als ich immer noch nichts sagte. Die halbe Stunde konnte ich durchhalten, auch wenn sich mein Herz unerträglich nach Cole sehnte und ich am liebsten jetzt sofort zu ihm fahren wollte.
"Nein, ich höre dir zu", erwiderte ich, setzte ein Lächeln auf und nahm eine Weintraube von meinem Teller, um ihm zu verdeutlichen, dass ich halbwegs meine Gedanken bei ihm haben würde. Elijah musterte mich anzweifelnd. Mit diesem Blick hatte er mich heute schon oft angesehen.
"So hatte ich mir dieses Treffen nicht vorgestellt." Es war zu hundert Prozent nicht beabsichtigt gewesen, dass ich hörte, was Elijah vor sich hin murmelte. Natürlich entsprach das nicht seiner Vorstellung. Was er sich wünschte war eine Atmosphäre wie auf einem romantischen Date.
Aus diesem Grund war ich auch nicht auf die Veranstaltung seines Vaters gekommen, obwohl wir sie gemeinsam organisiert hatten. Er hätte für uns persönlich die Feier wie ein Date gestaltet. Die hübschen Kleider, die Musik, die Drinks- ein perfekter Plan, den ich erfolgreich sabotiert hatte.
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Cloverleaf
RomanceDie Begegnung an einem Schiffshafen sorgte bei Cole und Celia für ein Gefühlschaos, das beide zuvor noch nie verspürt hatten. Sie konnten das, was zwischen ihnen war, nicht definieren. Gar sahen sie ein, dass sich ihre Herzen nach einander sehnten...
