Kapitel 16.

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Das Böse schlief nie, aber ich war nicht das Böse, mein Großvater auch nicht, zumindest nicht für mich, ich wollte nur jenes schaffen, was einst meinem Großvater misslungen war, die Auslöschung von dieser Hexe, der Königin Eyew. ,,Sie können mir viel erzählen, Wisstore, war das nicht ihr Name?'', ich erinnerte mich meines Beinahe-Standes. ,,Isabella, dein Großvater mag dir wohl viel beigebracht haben, aber selbst er wusste nie wie er mit einer Göttin sprach. Ich bin nur hier, um dir die Wahrheit darzubringen, aber wenn du es selbst herausfinden möchtest, wird es für dich zu spät sein. Sie wird kommen und dein Thron verschwindet.'', verärgert nahm sie noch einen Schluck und das Glas füllte sich wieder. ,,Ich glaube wohl kaum, dass Großvater der Königin Liebhaber war, dies hätte ich doch gewusst.'', ich stritt es ab, weil es so absurd war, weil Großvater... Nein, sie hatte recht. Mein Peter hatte eine Liresone mit der Königin gehabt, es fügte sich alles wie ein Puzzelteil vor mir zusammen. Es gab einen Grund, weshalb er immer von ihr gesprochen hatte, manchmal, wenn seine Gedanken weit weg zu sein schienen, dann hatte er ein kleines Lächeln auf seinen Lippen gehabt. Er wollte, dass ich zu ihr ging. Sie hatte ihm wehgetan, er wollte sich an ihr rächen, er hatte ihre Unnahbarkeit nicht ausgehalten und sich endgültig das Leben genommen. Er hatte nicht nur mich, sondern auch sie verlassen. Ich sah ihn nun mit neuen Augen, der Abstand war größer, ich hatte keine Gefühle mehr. Ich war etwas empört und bemerkte nicht, wie mich diese Sonne fast zu Erblinden brachte, zu Hause in den nördlichen Polarlanden war sie weniger intensiv, ich konnte wohl behaupten, dass ich dieses Wetter über alles hasste. ,,Isabella, ich weiß es ist schwer, aber...! ,,Verzeihen Sie.'', ich wollte nicht, dass sie mir noch mehr von Großvater kaputt machte, ,,Ich glaube nicht, dass Sie mich von meinem Vorhaben abhalten können, selbst eine Göttin nicht!'' Ich war etwas laut geworden, aber meine Stimme wurde durch die Walzermusik verschluckt. Ich hatte nicht darüber nachgedacht, warum sie von meinem Vorhaben wusste, warum sie überhaupt etwas wusste, die Sonne war zu heiß. ,,Jeder hat Schwächen Isabella, deine ist der Ehrgeiz, die der Königin war die Liebe. Und die ihre ist die Naivität. Es hat ihr alles gekostet, siehe zu, dass dir dies nicht auch passiert.'', ihr Ton war so eindringend, dass es mir kalt den Rücken herunterfuhr. ,,Meinen Sie, die Königin, oder noch eine Dritte Person?'', wie dumm doch diese Frage war. ,,Mehr kann ich dir nicht sagen, über die Zuknunft möchte ich nicht richten.'', Wisstore hielt sich in Schweigen, das einzige, was sie nicht preis gab. ,,Wer sind Sie eigentlich?'', ich schien hier bei diesem Gespräch die Einzige zu sein, die sich der höflichen Person annahm. Sie lachte glockenhell und der Vogel flatterte durch ihre Erschütterung kurz mit den Flügeln auf. ,,Ich kann es dir nicht beantworten Isabella, es ist zu schwer zu verstehen.'' Ich stieß veächtlich auf, meine Geduld war am Ende. ,,Wieso wollen Sie dann überhaupt mit mir reden, wenn Sie sowieso nur in Rätseln sprechen!'' Sie verzog nur das Gesicht zu einer undeutlichen Mine und stolzierte auf das Meer zu. Jetzt hatte ich sie offensichtlich beleidigt, sollte mir nur recht sein. Ich wandte mich zum Gehen und prallte wieder gegen eine Person, ich war heute sehr im Ungleichgewicht. Während ich da so an die Decke starrte, dachte ich an all die Dinge, die zu Hause viel besser liefen. Plötzlich trat mir etwas vor die Linsen, es war Maja. Von nahem betrachtet, wirkte sie noch älter. Ich sah wie sich ihre Lippen bewegten. Hatte sie etwas zu mir gesagt? Ihre Hand befand sich zu mir gerichtet. Ich verstand, dass sie mir aufhelfen wollte. Sollte ich ihre Freundlichkeit annehmen? Ohne groß nachzudenken erhob ich mich selbst. Welch Narr ich doch gewesen war, mein Kleid gab ja tiefe Einblicke. ,,Sie sehen ihr sehr ähnlich, wissen Sie das?'', meinte sie rethoritsch zu mir. Normalerweise wird gefragt, ob es einem gut ging, etwas fehlte, aber sie begann gleich mit Smaltalk. Ich schürtze ein wenig die Lippen: ,,Nein, tut mir leid, ich weiß nicht was Sie meinen.'' Diese Menschen waren mir zu freundlich für meinen Geschmack. Sie lachte und hielt sich eine Hand vor ihren zierlichen Mund: ,,Sie sprechen auch genauso wie Sie, es ist echt erstaunlich, obwohl bestimmt ein Jahrhundert verstrichen ist.'' Sie nahm mich an der Hand und ich zischte mit den Zähnen. Sie nahm sie zurück, ein roter Brandfleck war erschienen. ,,Verzeihen Sie mir außerlich, ich habe vergessen, dass ihre Haut sehr empfindlich ist, folgen Sie mir ich, bringe Sie zu einem Kälteraum. Dort können Sie sich wieder erholen.'' Ich verstand nur die Hälfte, eben wegen des Schmerzes, aber ich folgte ihr. Wir durchschritten noch drei weitere Räume, einer war genauso bauchig und rund wie der Ballsaal konzipert, nur aus Kristallen, mit einem Mamorboden. Durch die eine Öffnung pfiff und eine musikalische Melodie spielte. Der nächste bestand nur aus gewöhnlicher Mauer und ein paar Möbel standen dort. Ich spürte wie mir Flüssigkeit an meinem Bein entlanglief. Ich fing an, an meiner Wunde zu schmelzen. Nur noch ein Raum, so dachte ich. Ich konzentierte mich nicht auf die Beschaffenheit, die Möbel oder sonst etwas, sondern stürmte sobald ich eine Schneelandschaft erblickte in meinen Freund und kühlte mich. Meine Stelle wuchs Gott sei dank wieder zu, und nicht in unregelmäßigen Abständen. Maja wartete. ,,Darf ich Ihnen eine Gesichte erzählen?'', fragte sie nach einer Weile. Ich erhob mich und zuckte nur mit den Schultern, ich war wie im Rausch. ,,All ich noch etwas jünger war als jetzt, da hatte ich eine Freundin, sie sah genauso aus wie Sie, platinblondes Haar, eine Eisblüynsk eben. Nur damals nannten sie sich nicht so. Ich weiß den Namen leider nicht mehr, aber ihren könnte ich nie vergessen. Nathalie, die Prinzessin des Nordens und der nördlichen Polarlande. Ihre Mutter, die Eiskönigin Etschestka, war eine grausame Frau, sie erlaubte ihr nicht den Mann ihres Lebens zu heiraten. Er hieß Mile, er betreute die Schlittenhunde und beschloß schließlich eines Tages mit ihr durchzubrennen. Ich hatte gerade mit Gnoboli die Mission den Nordwind einzufangen. Da beschlossen wir uns in den Königspalast einzuschleußen. Etschestka hatte eine Vorliebe für Beton und Kristallornamente, sowie Metallmöbel. Mit anderen Worten ein sehr schlechter Einrichtungsgeschmack. Wie dem auch sei, sie gab einen Ball und dort machte ich dann mit Nath und ihrem Liebsten Bekanntschaft. Ich wollte ihnen unbedingt helfen und wir planten noch heute Nacht zu fliehen, dafür gab sie mir die Antwort, wo sich der Nordwind befand. Wir trafen uns bei der Grenze, ich mit dem Nordwind im Gepäck. Wir schlossen uns zusammen und reisten durch die Welt, um die Winde einzusammeln. Irgendwann erreichte uns die Nachricht, dass die Polarlande angegriffen wurden. Nath musste zurück um ihre Mutter zu beschützen. Zurück kehrte sie ohne ihren Liebsten, ohne Mutter, ohne Land. Sie war jetzt ein Niemand, sie war gebrochen und starb schließlich an diesen Folgen. An ihrem Totenbett musste ich ihr schwören, dass ich nach einer Nachfahrin suche, um Königin Eyew zu töten und ihre Linie fortzuführen. Isabella, du bist die direkte Nachfahrin.'' ,,Entschuldigen Sie mal, aber wie soll das möglich sein, meine Mutter stammt aus den Blutmenschen und mein Vater ebenfalls.'', ich verschränkte meine Arme. Sie lächelte: ,,Die Blutmenschen sind diese Adelsline, sie haben sich getrennt, als der Zarr sie vertrieben hatte. Du bist königlich Isabella, du bist ihre Nachfahrin. Dein Großvater Peter Fischer hatte deine Großmutter nie aus Liebe geheiratet. Sie wollten beide den Thron, er war deswegen auch so versessen darauf dich auszubilden, er wollte, dass du auf seiner Seite wärst, und nie etwas über deine wahre Vergangenheit erfährst.''
,,Wieviele Wahrheiten, soll ich den noch erfahren, meine Eltern haben mich laut Ihnen belogen, mein Großvater hat mich belogen, unsere Königin sollte schuld an einem Massenmord sein. Ich bin eine Prinzessin, entschuldigen Sie, aber ich sehe diese Wahrheiten als nicht wahr. Vorallem, Sie kennen mich nicht einmal, diese Wisstore kennt mich auch nicht.'', ich stand auf und putzte mir den Schnee von den Kleidern. ,,Es ist einfach zu weit hergeholt.'', ich lächelte freundlich und wollte vorbeigehen, da packte sie meinen Arm. ,,Ich bin mit dir noch nicht fertig Isa, du wirst mir helfen die Königin zustürzen.'' Ich schürtzte meine Lippen und lachte: ,,Sonst was?'' ,,Sonst werde ich dein dunkles Geheimnis veraten.'', sie lächelte ebenfalls bissig. ,,Ich habe keine Geheimnisse.'', ich warf meine Haare zurück. Sie drückte noch fester zu, langsam tat sie mir sehr weh. Sie zwang mich in die Knie, es tropfte. ,,Höre mir mal zu, ich habe viel Einfluss, ich kann schnell dafür sorgen, dass dir die Tötung in die Schuhe geschoben wird!'' Sie nahm eine Hand Schnee und warf ihn mir ins Gesicht: ,,Wir wollen ja nicht, dass du noch zerläufst bevor die Party endet, ich werde jetzt mal wieder gehen.'' Sie ging. Ich blickte ihr nach. Alle diese Menschen hier waren verrückt. Ich spürte, wie sich der Frost in meinem Gesicht festfraß, und in meine Haut eindrang. Ich sann nach Rache. Dies war der Moment, indem mein Herz zu Eis gefrohr und innen zersplitterte. Ich war nicht mehr die süße Isabella, ich war kalt. Ich war nur noch eine Hülle meiner Selbst.

Im Schatten der Königin #PlatinAward2018#iceSplinters18Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt