Ich bin tot, aber ich bin nie gestorben, ich habe nie gelebt. Meine Adern sind aus Eis, mein Herz, es schlägt nicht, es ist unbrührt. Ich bin eine Eisblüynsky, ich bin verflucht.
Aus den Memoaren von Weey. 1840
Vorsichtig griff ich mit meinen Fingern in den eiskalten Schnee und genoss die Kälte, die mich überfiel. Der Winter schaffte es, dass die Welt um mich herum stehen blieb. Er war so leise und doch starben viele Menschen. Ein Bandit der Jahreszeiten, er schlich sich von hinten an und umhüllte die Leute mit der Kälte. Ich nahm mir mehr von dem Weißen Tod in die Hand. Ich drückte ihn ganz fest zwischen meinem Handschuh, ich wollte ihn spüren, mir tat er nichts. Ich streifte ihn ab. Er war kalt, die Wärme meiner Hände brachten ihn zum schmelzen, er verwandelte sich in ein Rinnsal und lief mir in den Ärmel. Für uns war er von Bedeutung, aber die Lebenden verabscheuten ihn. Ich ärgerte mich, dass ich nicht an dieses Detail gedacht hatte. Rosalie begann zu schnauben, ich beugte mich zu ihr runter und griff nach den Zügeln. Ihr Atem bildete eine neue Schneeschicht auf ihren Nüstern, wie angezuckert. Sie hasste es wenn ich so lange auf einer Stelle stand. Ich wollte sie nicht länger warten lassen und stieß ihr leicht an die Seite. Sofort ritt sie im Schritttempo los, meine blonden Korklocken wippten im Takt mit. Unsere Landhaus war nicht mehr weit. Wir waren einige der wenigen Menschen, die überhaupt noch zwei Häuser besaßen.
Der Adel fing an zu zerbrechen, anhand der vielen Aufstände war dies auch kein Wunder. Unsere letzte Möglichkeit war es, auf unser Landhaus zu fliehen. Die ersten Tage wurde es mir strickt untersagt vor die Türe zu gehen, heute bekam ich die Erlaubnis Rosalie auszureiten. Ich hatte jede einzelne Minute davon genossen, auch wenn es draußen kalt war. Aber das kümmerte uns nicht, wir bestanden selbst aus Eis. Unsere Königin, schützte uns vor den Menschen. Sie würden uns umbringen, wenn sie wüssten das es eine Spezies wie uns gab. Wir lebten versteckt hinter Eis und Frost, keiner kannte unser Reich. Würden wir uns aus unserer Zone begeben, so zerfiehlen wir zu Wasser. Wir brauchten die Kälte. Trotz dessen hatten wir eine eigene Körperwärme, jedoch lag die bei - 10 Grad Calvin. Unser Schnee hatte - 40 Grad Calvin. Es könnte mein letzter Ausgang gewesen sein, es wurde immer wärmer, morgen könnte ich schon nicht mehr existieren. Von der Ferne läuft mir unsere Stallbursche Johann entgegen. Ich blieb mit Rosalie stehen, kleine Schneeflocken stiegen in ihr auf und tanzten nach oben, verwirrt rief ich: ,,Johann, was ist los? Ich bin doch gleich zu Hause!" Er rannte zu mir und blieb augenblicklich stehen, völlig außer Atem konnte ich beobachten wie kleinen Rauchwolken aus seinem Mund strömten. Wie Nebel mit Frost. Noch eine Eigenschaft die ich an dem Winter liebte. Ich wurde langsam etwas ungeduldig und sprang von meinem Ross herunter. Ich ergriff die Zügel und machte anstalten den Rest zu Fuß zu gehen. Der Stallbursche verstand sofort und folgte mir im Schritttempo. Ich war eine einnehmende Persöhnlichkeit. Da mich der Grund seines Erscheinens immer noch fraglich machte, hackte ich nach: ,,Nun, weshalb seid Ihr mir entgegen gerannt!" Er antwortete: ,,Miss, der Grund meines Anliegens ist, dass ich Ihnen von Eurem Vater ausrichten sollte, dass Sie nicht mehr so lange ausreiten dürfen, die Thermawolke kommt immer näher!" Ich verdrehte die Augen, das Anliegen war völlig unbegründet, hier auf dem Land befand sich keine Menschenseele, geschweige den eine Thermawolke. Wieso musste mein Vater immer so einen Aufstand machen? Schon damals, bevor die Bauern beukotierten, hatte er mich nicht mit mindestens einem Leibwächter in die Stadt gehen lassen. Und jetzt ist es noch schlimmer geworden. Ich darf nicht alleine Zähneputzen und schlafen schon gar nicht. Es könnte ja ein Bauer kommen und mich ermorden. Ich fühlte mich langsam wie ein Vogel in einem goldenem Käfig, der ab und an einmal hinaus durfte. Zum Glück konnte ich meine Mutter heute überreden das Haus zu verlassen, die Freiheit war so schön gewesen. Ich konnte endlich einmal selbst bestimmen was ich machen wollte. Ich hatte alles in mich aufgesaugt, mein Vorrat an Schnee würde für eine Woche reichen. Ich hatte nicht bemerkt das wir bereist den Hof erreicht hatten. Bevor ich sie hörte, war mir schon bewusst, dass sie mir entgegen kommen würden. Die Türe fiel auf und meine Eltern stürmten sofort zu mir.
Mutter schwang mir in die Arme und jammerte: ,,Isabella wo warst du, wir haben uns schon Sorgen um dich gemacht!" Mein Vater strafte mich mit einer Standpauke: ,,Wir hatten mit dir vereinbart, dass du dich nicht weiter als von dem Hof entfernst und du gefährdest unsere aller Leben, mit deiner Leichtsinnigkeit!" Jetzt platze mir endgültig der Kragen: ,,Vater, ich war doch nur ein paar Meter von unserem Haus weg. Hier draußen befindet sich kein Mensch und die Bauern haben genug damit zu tun, um ihr eigenes Leben zu kämpfen, da werden sie sich sicher nicht auch noch für uns interessieren!" Er verzog das Gesicht, seine Wutfalte wurde immer größer: ,,Junge Dame, wer hat dir erlaubt dieses Verhalten an den Tag zu legen. Auf dein Zimmer mit dir!"
Laut knallte ich die Türe meines Gemaches zu und warf mich frustriert auf das Bett. Er wollte mich ja nur beschützen, aber das ging wirklich zu weit. Wenn ich eines Tages einmal ausziehen sollte, könnte ich endlich selbst bestimmen was ich tat. Aber bis dahin dauerte es noch vier Jahre, dann wäre ich zwanzig und frei. Ich stellte mir vor wie ich wohl mein Leben in Freiheit führen würde.
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Im Schatten der Königin #PlatinAward2018#iceSplinters18
Historical FictionEin Königreich verborgen unter Schnee und Eis, keiner kann hinein oder hinaus. Alles scheint wie im Märchen, doch dann ändert sich alles und es wird ein Kampf um die Wirklichkeit. 2 Platz Blütenaward
