Kapitel 7.

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Ich schritt, ohne mich groß darum zu kümmern, angestarrt zu werden, die Gänge der Halle, der Mächtigen entlang. Ich wusste ich gehörte hier her, daran war kein Zweifel zu erkennen. Wenn mir das Glück hold war, würde mir die Königin selbst entgegenkommen, so wie ich wusste pflegte sie gerne einen Spaziergang durch ihre Welt. Die Hallen waren festlich mit Eisblumen und Kristallen geschmückt, es wirkte fast so, als wären sie zu meinen Ehren aufgehängt worden. Die Wände bestanden aus purem Beton, fein gemeistelt und eingelassen in kühlem Schnee. Wie prachtvoll, und doch gleich so erniedrigend, die Königin hatte doch weit aus mehr verdient, als diesen billigen Abklatsch. Meine Augen fuhren an den Wänden entlang, ich erkannte kleine Ornamente in ihnen, sie glitzerten wie Diamanten, obwohl ich wusste das es solche nicht bei uns gab, es war viel zu kalt. Alles was importiert wurde, musste Zufuhr einer Vereisung standhalten. Diamanten waren zu empfindlich, die Karat würden verschwinden, ehe sie unsere Grenze erreicht hatten. ,,Was zum Henker, tun sie da!'', die höhnische Stimme erkannte ich schon von Meilen. Ich verbeugte mich vor der Hoheit: ,,Ich habe nur die eingelassenen Ornamente studiert, euer Majestät!'' Ihre Augen waren wie Biltze, sie trafen mich aber nicht. Ihre ganze Statur war zierlich, jedoch wusste ich, dass sie sehr mächtig und stark war. Weiße Haare, manche durchsichtig, manche weiß wie der Schnee. Überhaupt strahlte sie eine Tapferkeit aus, welche meine im Maße weit aus überschlug. Ihre Augen waren groß, in ihnen spiegelte sich viel Drama und Leid. Sie räusperte sich, ihre Stimme klang wie die der Nachtigall, lieblich und hoch. ,,Ihr seid die Lady mit dem Brief, nicht wahr?'', sie musterte mich von oben herab. Ihre Blicken ließen mich kalt. ,,Wie wahr Ihr seid es, nur eine Dame die es wagt der Königin zu schreiben lässt sich nicht von mir einschüchtern!'', bestätigt schritt sie um mich, wie eine Katze, die eine Kristallmaus erblickte. Sie hinterließ Schneespuren. Sie blieb vor meinem Gesicht stehen und hob es an, sie bließ kurz. Ihr Atem vereiste mein Gesicht für Sekunden. Abermals musterte sie mich: ,,Eure Haus ist also abgebrannt, und Ihr seid die Letzte Eurer Linie, glaubt bei mir als Mündel zu dienen, so wie Ihr schriebt, ich sei Eure letzte Hoffnung auf Frieden!'' Sie griff nach meinen blonden Haaren und glitt durch sie hindurch, sofort wurden sie zu Eis und brachen ab. ,,Keine Sorge, Haare wachsen nach Liebes!'' Ich stand weiter stummlos vor ihr, den Blick tief in ihren Augen versunken. ,,Schön seid ihr wirklich, keine Frage, aber wieso sollte gerade ich Euch aufnehmen?'' ,,Weil ich von großer Bedeutung für Euch bin!'' Sie lachte höhnisch: ,,In wie weit seid Ihr mir von großer Bedeutung, Ihr seid nichts als eine Verzweiflung für meine Augen!'' ,,Ich bin Euer Fleisch und Blut!'' Sie lachte lauter: ,,Ich bin die Einzige, die jenige, die noch hier ist von meiner Familie!'' Ich hielt die Hand auf und verursachte einen Schneesturm, er war so dicht, dass ich nurnoch weiß wahrnahm. ,,Genug!'', sie schrie und stoppte mein Toben mit einer flinken Handbewegung. ,,Woher könnt Ihr das?'' Ich lächelte zufrieden: ,,Von meinem Großvater, Peter Fischer, der ist Euch sicher ein Begriff nicht wahr?'' Ihre Augen wurden glasig: ,,Natürlich, der ist mir ein Begriff!'' Sie sank zu Boden: ,,Solange ist es schon her!'' In ihren Augen spiegelte sich Angst wieder: ,,Du darfst bleiben Isabella Fischer, solange du willst!'' Ich grinste verwegen, das hatte ja besser geklappt, als ich gedacht hatte.

,,Bist du des Wahnsinns Weey, du wirst sterben!'', er brüllte ihr hinterher. Es war schon so lange ein hefitiges Gezankte im Haus, das die Nachbarn sich schon beschwerten. Sie klopften wie wild gegen die Türe, aber die zwei hörten es nicht, so sehr waren sie in ihre Wut vertieft. Weey warf voller Wut einen Teller gegen ihren Mann. ,,Jetzt bist du entgültig verrückt geworden!'' ,,Ich tue das für uns, ich will uns doch nur beschützen!'', schrie sie kläglich. Ihre Haare hatten schon ganz die Sitte verlassen und hingen nur noch in Stränhen aus ihrem Knoten. ,,Das heißt aber nicht das du dich dafür opfern musst, wir finden eine andere Lösung!'' Sie wischte sich die Tränen weg und zog die Nase hoch: ,,Du verstehst es nicht Reet, sie werden uns töten, wenn sie heraus finden, wer ich bin, besonders weil du mir geholfen hast!'' ,,Sie werden uns nicht für verrückt halten, wenn du nur aufhören würdest so herum zu krakelen, du machst dich nur selbst zum Außenseiter!'' Den letzten Teil nahm sie sehr persönlich und hielt sich an dem Holzstuhl fest. ,,Ich bin ein Außenseiter, dass weißt du genauso wie ich, ich bin verrückt!'', sie brach vor Verzweiflung zusammen. Er kam ganz voller schlechtem Gewissen zu ihr und schloß sie in die Arme. ,,Ich, ich kann das alles nicht mehr Reet, ich will endlich frei sein, verstehst du dies denn nicht?'', schluchtze sie kläglich und verbittert in seine starken Arme. Sie war schon so lange gefangen, so lange schon musste sie ihr wahres Gesicht verbergen. Sie wollte endlich sie selbst sein. Er fuhr ihr über den Kopf und küsste ihren Nacken. ,,Ich liebe dich Weey, das weißt du!'', flüsterte er zwischen seinen Küssen in ihr Ohr. Sie war so dankbar, dass es einen Menschen gab, der sie so liebte wie sie war. Sie gingen von zart zu leidenschaftlich über. Die Nachbarn bekamen von all dem nichts mit, sie fanden das junge Paar sowieso von Anfang an merkwürdig. Sie verzogen sich schnell wieder und gingen in ihre Hütten zurück. Weey und Reet verbarchten die Nacht mit dem, was Menschen taten, wenn sie in Leidenschaft verfiehlen. In der Nacht vom 31 Dezember 1400 auf den 1 Jänner 1401 verschwand Weey. Sie würden sich jedoch nocheinmal sehen, das konnte ich euch versprechen. Sie hinterließ ihm einen Brief.

,,Mein lieber Reet! Du weißt ich liebe dich, aber ich kann dich nicht weiter unglücklich machen. Ich werde es durchziehen und du wirst mich nicht aufhalten, lebe wohl! Deine Weey!'', er laß die Zeilen immer wieder aufs Neue. Es war ungefähr ein Uhr nach Mitternacht, sie konnte noch nicht so weit gekommen sein, vorallem nicht in dem Schneesturm. Er rannte nach draußen. Immer wieder rief er ihren Namen. Sie musste in den Wald gegangen sein, Himmel was ist wenn sie erfrohren ist. Das mochte er sich nicht einmal ausmalen. Seine Schritte trugen ihn noch kaum, der Schnee vertiefte sich immer mehr, nein er würde sie für immer verlieren. ,,Weey!'', schrie er nochmal gegen den Wind. Er versank im Schnee: ,,Weey!'' Er weinte. ,,Komm zu mir zurück!'', schluchzte er gebrochen. Weey hatte alles beobachtet, sie versteckte sich hinter einer Tanne. Sie rutschte hinab und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Lautlose Schluchtzer entfuhren ihrer Kehle und Tränen rannen ihr über das Kleid, welches schon ganz nass am Saum war. ,,Mach es mir doch nicht noch schwerer Reet!'', flüsterte sie leise. Sie blickte gen Himmel, die Nacht war klar, es versprach ein guter Tag zu werden. Sie erhob sich leise und ging. Sie ward nie mehr gesehen.

1401 Eine Legende, die erzählt im Dorfe.

Im Schatten der Königin #PlatinAward2018#iceSplinters18Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt