Kapitel 2.

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Nein, nein. Keine Bäuerin. Etwas viel höheres.

Ich sah mich in meinem viel zu großen Zimmer um und nahm ein Kleid von dem violetten Sessel, legte es an und fragte mich, ob ich nicht womöglich eine geeignete Schneiderin wäre.

Nein, mit Handwerk hatte ich so meine Schwierigkeiten, aber dafür in Intrigen nicht. Ich grinste verdunkelt. Schnell zückte ich einen Stift und ein Pergament hervor, das einzige was dieser Welt standhielt, war die Haut eines Eisbären. Die Tinte war aus dessen Blut und sehr teuer, jedoch für diesen Aufwand lohnte es sich. Meine ersten Zeilen glitten mir galant aus den Fingern, wobei der Abschluss meines Anliegens an mir nagte. Stumm starrte ich aus dem Fenster, welches nichts als eine verschwomme Welt mir offenbarte. Ein jehes Klopfen riss mich aus meinen Gedanken. Ich wandte mich dem Schreibtisch ab und ging zu meinem Klied. Es würde mich nicht weiter bringen, als bis zum Ende der Stadt.
Achtlos ließ ich das Kleid zurück auf den Sessel wandern und setzte mich auf mein Fensterbrett, sah mir die hübsche Landschaft an. So weit, aber was wohl dahinter war? Einst wusste ich es einmal, doch seit ich hier abgesieden lebte verlor ich jeglichen Kontakt zu meinen Leuten.
Einmal adelig, immer adelig.
Vielleicht wäre ich eine gute Forscherin geworden, vielleicht. Aber das würde nie eintreffen.
Träume bleiben nun mal Träume. Die Wirklichkeit sieht nunmal anders aus. Aber ist es nicht das was Träume ausmachten?

Meine Türe wurde achtlos geöffnet. Ich erhob mich genervt. Da stand Delia. Ich entsorgte flink meine Beweise, diese Frau war schneller als jede Kukustaube, wenn es darum ging Nachrichten zu verbreiten. Ich mochte sie nicht, sie schlug mich immer als ich klein war, wenn ihr mein Benehmen nicht passte. Noch ein Grund zu verschwinden.

,,Euer Vater wollte das Ihr etwas esst", sie ging mit gehoben Kopf an mir vorbei und stellte das Tablett, auf dem sich eine Suppe und Brot befanden, zum Tisch. Ich schloss meine dunkelbraune Holztüre und setzte mich auf den Stuhl. Da ich wusste, dass Delia mich nicht in Ruhe lassen würde, nahm ich mir die Suppe vor. Sie war warm. Eigentlich durften wir keine Flüssigkeiten zu uns nehmen, schon gar keine warmen, aber es gab nichts anderes mehr. Der Vorrat war erschöpft.

Sobald ich meinen letzten Biss von dem Brot getan hatte, schnappte sie nach vorne und nahm das Tablett an sich. So schnell sie kam ging sie auch wieder und sagte mir: ,,Bis Morgen, Miss!" Mit einen kurzen knicksen schloss Delia die Tür hinter sich zu und ich war wieder allein. Am liebsten hätte ich ihr auf nimmer Wiedersehn gesagt, aber ich war nicht dumm. Sie hätte es bemerkt. Aus Langeweile fuhr ich die Eisblumen an meinen Fenstern ab, doch irgendwann genügte auch das nicht mehr und ich kannte schon jede Einzelne auswendig. Ich beobachtete Johann, wie er Holz zerhackte und sie auf den Haufen warf. Sein Schweiß tropfte ihm herunter und wurde zu Eis. Sein Haar fiel ihm ins Gesicht, er war so perfekt und wundervoll, ich schloss meine Augen und träumte davon mit ihm in den Sonnenuntergang zu reiten. Hastig riss ich meine Augen auf sah von ihm ab. Beruhige dich Isabella, du warst wohl zu lange hier drinnen eingesperrt, du leidest unter Sauerstoffmangel, Johann ist doch viel zu alt für dich. Ich musste mich mit etwas ablenken, sonst würde ich mich bald ganz verlieren. Der Brief fiehl mir wieder ein, wie durch ein Wunder kamen die Worte wieder und formten den perfekten Höhepunkt.

Im Schatten der Königin #PlatinAward2018#iceSplinters18Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt