Es wurde ein Fest zu ehren Ihrer Majestät veranstaltet. Ich war selbstverständlich geladen, aber wenn ich es nicht gewesen wäre, ich hätte trotzdem an der Feier teilgenommen. Der Hof war etwas geschlaucht von den Feierlichkeiten der letzten Woche. Ich wusste, dass ich nie wieder an einen Strand mit Sonne, Sand und Palmen wollte. Magnus hatte sich derweilen in mein Zimmer verzogen und schlief seine Träume aus. Ich hatte mich heute eher auf eine schlichtere Robe besonnen und saß alleine an meinem Tisch, Miss Tilbert, die Nichte einer Tante, dessen Bekannte hier wohnte, war nicht meine erste, sondern meine letzte Wahl. Meine Finger umschlossen das Glas, ein einfaches Getränk, mit Kristallschneeflocken darin. Ich trank nicht viel davon, da ich keine inneren Schäden haben wollte und blickte gelangweilt auf die Gesellschaft und die Königin . Eyew, sie war wieder einmal das Kälteste in Person, kurze Schmunzelein, sie waren zu einer Seltenheit geworden. Ich ließ unterbewusst meine Gabel, welche aus Metall und mit Kristallen besetzt war, auf und ab schweben. Metall, Kristalle und Beton, alles Dinge, die mir mit dem Gespräch von letzter Woche noch hängen geblieben sind. Ich tauchte in Musik mitein und vergaß, das ich mich doch nicht so treiben lassen sollte. Ein kleiner Blick auf Miss Tillbert verriet mir, dass sie sich gleich mir zuwenden würde. Nie im Leben, so sagte ich es mir selbst, wie ein Mantra, werde ich mir dies qualvoll ergehen lassen. Ich stand auf und nahm meine Tasche, wozu ich eine Tasche hatte? Ich hatte mich von der Gadrobierin kleiden lassen, sie hatte einen eher schlechteren Geschmack. Wäre doch nur schon der Zeitpunkt gekommen die Königin umzubringen, dann müsste ich dies alles nicht länger ertragen. Ich hatte eigentlich nie wirklich Gründe für ihren Tod gefunden, es war mir von meinem Großvater eingetrichtert worden. Ich würde ihn rächen, auch wenn er mich auch nur als Mittel zum Zweck, selbst nach seinem Tod, nutzte. Das Problem an der ganzen Sache war, die Königin war unsterblich, sie war so kalt und herzlos, im wahrsten Sinne des Wortes Herz, dass es mich alles kostete, was ich benötigte, um sie für alle Male zu töten. Es war nicht so einfach. Ob sie wohl ahnte, dass ihr jemand nach dem Leben trachtete? Mit Sicherheit, aber sie wünschte sich auch den Tod, ich vermutete mehr als sie sich selbst einzustehen vermag. Ich hatte zwar auf eine schlichte Kleidung bestanden, aber dafür hohe Schuhe verlangt, ich wollte sie übertrumphen in ihrer Größe, selbst wenn es nur ein Centimeter gewesen wäre. Ich entging Miss Tilbert und schritt auf die Königin zu, selbstverständlich vollführte ich einen Knicks, ich musste Haltung bewahren. Jedoch, als ich mich aufrichtete, war ich tatsächlich sogar zwei Centimeter größer, sie war jedoch genauso wie ich nicht allezu Hoch gewachsen, aber ich war größer, das gab mir den Triumph.
Nach Mitternacht geisterte ich noch eine Weile herum, es machte mir die Vorstellung Freude, dass dies alles eines Tages mir gehören würde. Ich schlüpfte durch den Spalt zu einer Bibliothek hindurch und suchte nach den Aufzeichnungen. Was mich wunderte, war, dass ich ganz viele Bücher für Kinder vorfand. Sie waren alle säuberlich nach Farben sortiert. Ich schnipste mit meinen Finger und erzeugte eine Eisflamme, dann zog ich ein altes Exemplar aus dem Regal und laß den Titel ,,Furgus, der Neuling'', ich wunderte mich über diese Bezeichnung und schlug die erste Seite auf. ,,Einst lebte ein Ritter in glänzender Rüstung an einem Wegesrand, doch wurde er von einer Rothaarigen namens Sidonie und einer platinblonden dessen Name Auriellé war, verkannt. Er wusst nicht ein noch aus und kehrte mit der Blonden ein in ein Haus. Dort traf er den Peiniger Mendoz Merédiaz, sie verfechten sich zu einem Kampf....'', laß ich leise vor mich hin. Was war das für ein Blödsinn? Ich nahm mir das nächste Buch ,,Auriellé, die verfluchte Prinzessin'', bei dem Titel verdrehte ich schier die Augen. Solche Romane laß ich mit 14 Jahren, jetzt war ich erwachsen. Ich legte es auf das vorherige Buch. Ich zog immer wieder eines aus dem Regal, es tauchten dort Namen wie Valentina, Merlin und Fräulein Holle auf, nicht sehr ansprechend. Es waren ungefähr geschätzte 60 solcher Werke. Genervt stand ich auf und ließ sie liegen, sollte sie doch jemand anders wegräumen. Hätte ich nur damals gewusst, das es nicht einfach irgendwelche Geschichten waren, ich wäre sicher nicht so mit ihnen umgegangen. Meine Flamme erlosch an meinen Fingern, ein starker Zug hatte sie ausgeblasen. Dies konnte eigentlich nicht passieren, alle Fenster waren geschlossen. Ich sah mich um, ein Schatten huschte an meinen Augen vorbei. Ich hatte keine Angst, wenn es hier jemanden gab der sich fürchten sollte, dann war es der Angreifer. Ich sammelte meine Kraft und formte eine Kugel mit Schnee, ich mochte es nicht beobachtet zu werden. ,,Zeige dich, oder ich werde dir etwas antun.'', ich biss die Zähne zusammen und schritt zur Türe. Die Klinke war brennend heiß, meine Handinnenfläche war versengt. Ich biss den Schmerz fort und rieb mich mit Schnee ein, es war eine Genugtuung. Eine Gestalt stand direkt neben mir, sie war Schwarz gekleidet. ,,Sie wird kommen...'', hauchte sie. Ich atmete aus und warf mich auf sie: ,,Wenn du glaubst, du kannst mir damit Angst einjagen, ich bin Stärker als du!'' Er, sie oder es trug eine Maske, ich riss sie ihm weg. Ich schrie auf, sie hatte nicht meine Körpertemperatur. Aber ich ließ die Person dennoch nicht laufen: ,,Sag mir wer du bist.'' Im nächsten Augenblick war sie verschwunden, so als hätte ich mir das nur eingebildet. Ich fühlte nur harten Boden, die Bücher waren auch verschwunden. Ich schüttelete meinen Kopf, sie waren da gewesen, ich bin noch bei Sinnen. Aus der Ferne hörte ich es Wispern, zuerst sehr unklar und summend, dann immer lauter werdend: ,,Entaktus..., Entaktus..., Entaktus.'' Es wiederholte sich immer wieder, und wurde immer lauter. Ich hielt mir schreiend die Ohren zu, ich konnte es nicht mehr hören. Von dem Geschrei wurden wohl einige Bedienstete wach, sie stürmten in mein Gemach. Moment, mein Gemach? Ich war doch in der Bibliothek gewesen. Ich riss die Augen auf, ich lag in meinem Bett, zu Füßen Magnus. Es war wieder eine Vision oder was auch immer gewesen. Ich erklärte, das ich nur einen Alptraum gehabt hätte. Als es wieder still war sah ich an meiner Zimmerdecke das Wort Entaktus, in einer schmierigen Konsistenz an meiner Decke kleben. Es war Blut, meine Finger waren durchstochen und das Blaue floß aus mir, es war nicht nur irgendein Blut, es war mein Blut. Selbst wenn ich verrückt wäre, ich würde nie in meinem Leben mir selbst in die Finger stechen. Ich blickte an das Fenster, dort war ein Schatten, was eigentlich unmöglich war, ich wohnte sehr hoch oben. Der Schatten beobachtete mich. Jetzt hatte ich wirklich Panik. Ich weckte Magnus auf, dieser knurrte mich an, dass er schlafen wolle. Ich beschloß einfach alles auszublenden, nicht daran zu denken, dass jemand in mein Gemach eingedrungen und mit meinem Blut an der Decke geschrieben hatte. Ich zog die Bettdecke über mich und wollte nicht aufstehen, ehe der Tag herangebrochen war.
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Im Schatten der Königin #PlatinAward2018#iceSplinters18
Historická literaturaEin Königreich verborgen unter Schnee und Eis, keiner kann hinein oder hinaus. Alles scheint wie im Märchen, doch dann ändert sich alles und es wird ein Kampf um die Wirklichkeit. 2 Platz Blütenaward
