,,Auriellé!", sein Ton glich der Verwunderung. Meine Stimme kam nur flüsternd und voller Bewunderung zum Vorschein: ,,Jäger!" In seinen Augen glitzerte es auf, er ließ Furgus außer Acht und schmiss sein Schwert in den Staub und Sand. Er nahm seinen Hut ab, der ebenfalls auf den Boden segelte. Ich konnte nicht mehr in mich halten, ich rannte ihm entgegen und fiel ihm um den Hals, er schloss mich ebenfalls in die Arme und schwang mich im Kreis. ,,Ihr seid so groß geworden, was macht Ihr hier, wieso seid Ihr nicht zu Hause?" ,,Ich weiß es nicht, es hatte etwas mit einem Minensturz und einem Erdbeben zutun!", so zumindest erklärte ich mir die Ereignisse. ,,Ja, ich habe von diesem Beben gehört, in Quilla!", er setzte mich ab und betrachtete mich kurz, dann nahm er seinen Hut. ,,Was macht Ihr hier, seid Ihr immer noch auf der Suche nach dem Wolf?" ,,Ja, ich habe es zu meiner Lebensaufgabe gemacht, habt Ihr denn mein Messer noch, welches ich Euch damals gab!", er lachte leicht bitter. ,,Ja natürlich, ich habe es immer bei mir, nur jetzt nicht, es liegt oben in unserer Kammer!" ,,,Unserer, seid Ihr etwa vergeben?", er legte seine Stirn in Falten, so als wäre es so abwegig, dass ich die Liebe finden könnte. ,,Ich bin auf der Durchreise mit Furgus!", ich warf einen Blick auf meinen Begleiter. Dieser wirkte leicht irritiert: ,,Ihr kennt dieses Mädchen, Meister Mendos Merédiaz?" Furgus hatte sich dazu entschlossen das Duell sein zu lassen. Er kam zu uns und fuhr sein Schwert zurück in die Scheide. Er betrachtete uns mit Misstrauen, ich konnte es zwar nicht verstehen, aber ebenso wenig konnte ich Furgus ihn Gedanken nach seinem Grund fragen. ,,Ja, ich hatte einst einen Sommer in Quilla verbracht, ich habe bei ihr gewohnt.", beantwortete er mit einem kleinen Lächeln. ,,Ihr seid weit gereist, das ist wahrlich wahr!", er brummte leicht vor sich hin. Es herrschte eine Anspannung zwischen den Beiden, Worte die ungesagt besser blieben. Ich wollte diese komische Last, welche sich in der Luft hegte, nicht länger nähren und unterbrach das Schweigen. ,,Also woher kennt ihr euch beide?" Furgus räusperte sich kurz und wollte zu einer Antwort ansetzten, als Mendos ihm das Wort nahm: ,,Er war mein Schüler in der Internatschule für junge Ritter!" Es erstaunte mich wie klein die Welt doch war, ich traf überall Bekannte. Ob es wohl das Schicksal war, welches uns alle vereinte? ,,Auriellé, wir sollten weiterziehen!", zischte Furgus und entriss mich aus der Umarmung von meinem alten Freund. Ich entwand mich ihm und starrte ihn an: ,,Was ist in dich gefahren, deine Frau in Nöten wird doch wohl warten können!" Er biss sich leicht auf die Zähne. Hätte ich vier Augen gehabt, also Hinten und Vorne, so wüsste ich, welcher Kampf sich in den Augen Beider ausgetragen hatte. Nun, ich mag zwar sehr intelligent sein, aber irgendwo überstieg sogar die Magie eine Grenze. Mendos legte seine Hand auf meiner Schulter ab und drehte mich wieder zu sich: ,,Wir sollten bei einem guten Glas Wein und einem Schmaus in der Taverne unsere Erlebnisse austauschen." Er schien voller Tatendrang. Etwas blitzte in den Augen von Furgus auf, ich könnte nicht entziffern um was es sich dabei wohl handelte. Ohne eine Antwort, oder gar Widerrede abzuwarten, führte mich Mendos in die Gute Stube, so nannte sich jener Ort, ich hatte es gestern Nacht nicht gelesen, weil ich einfach nur müde gewesen war. Sie war voll, wie in der Nacht als wir ankamen. Wir setzten uns an eine freie Stelle und wurden von der stämmigen Frau, ich erfuhr ihren Namen durch Zufall. Ein Gast hatte laut nach ihr gerufen, seine Sprache war leicht schief, er war wohl des öfter an diesem kleinen Ort, Mellondia von Petershagen, so lautete ihr voller Name. Sie war, aus Grachten, ihre Familie kannte sie nicht sehr, da sie mit elf Jahren beschloss die Welt zu erkunden. Nach einer Weile der Austauschungen der Karte und der komischen Spannung zwischen meinen Freunden, waren wir uns endlich einig und bestellten. Ich hatte in der Mitte platzgenommen, um etliche Streitigkeiten leicht zu dämpfen. Mendos erzählte mir von den verschiedenen Orten, welche er besucht hatte. Unter anderem war er auf der Drachentkristallinsel gewesen und hatte dort Glas geschliffen. Er berichtete mir von den Aufständen in Okkron und Arkadia. Die Menschen dort wurden von den Drachen beherrscht, sie trauten sich nicht an die Oberfläche von Okkron. Sie lebten unter der Erde, einst hatte sie ein friedliches Leben geführt, bis die Drachen kamen und ihr Land in den Besitz nahmen. Diese Menschen waren aber nicht gewöhnlich, sie glichen denen einer Katze, sie hatten ihre Pfoten und Balance. Während der Jäger so erzählte, bekam ich plötzlich das Gefühl, er versuchte sich zu behaupten, aber gegen wen? Plötzlich ertönte ein Schrei von Draußen, alle drehten ihre Köpfe zu der Türe, sie stand offen. Ein Mann mit verrußtem Gesicht und einem verbrannten Arm trat ein und forderte alle auf zu verschwinden, danach brach er auf der Schwelle zusammen. Es herrschte Stille, jeder, wirklich jeder, mich eingeschlossen betrachteten den Fremden. In der nächsten Sekunde brach die blanke Panik aus, Essen wurde geworfen, Teller zerklirrten und Krüger wurden gegen den Schädel der Menschen gerammt. Es wurde geprügelt und geschrien. ,,Sie kommen, sie kommen!", schrie Mellondia auf und flüchtete sich hinter die Theke. Ich betrachtete das Schauspiel und fragte mich, um den Grund der Aufruhe. Sie fetzten sich richtig um einen Platz hinter dem Tresen. Es wurde keine Rücksicht auf Frauen, Kinder oder Alte genommen, jeder war nur auf sein Wohl bedacht. Etwas, oder besser gesagt Jemand, zerrte mich unter den Tisch. Ich fasste mit der Hand an eine tote Ratte. Ich schrie auf, wurde aber von einer Hand unterdrückt. ,,Sei bloß still sonst holt er dich auch noch.", es war eine Männerstimme, soviel konnte ich unter dem Tosen und Winden meinerseits erkennen. Wer sollte mich holen? Meine Frage wurde beantwortet, als eine schwarze Masse eintrat. Sie trug die Gestalt eines Mannes, alle verstummten. Hätte ich es nicht besser gewusst, so hätte ich gedacht es wäre der Tod. Er trug zwar keine Sense, aber seine Augen waren Blut unterlaufen, ich schrie und bekam keine Luft mehr. Mein menschlicher Instinkt riet mir zu verschwinden. Er sah sich um, so als wäre er auf der Suche nach Jemanden. Ich presste und drängt mich fort, ich wollte hier verschwinden. Es knisterte im Raum und die Fensterläden zerbersteten. Der Wind kam dem eines Sturmes gleich und verwandelte alles in einen Orkan. Die Tische, Gardinen und Stühle sogen sich ein und verschwanden in einem schwarzen Loch. Jenes hatte sich in dem Boden aufgetan. Die Holzdielen und Nägel schossen durch die Luft und trafen auf den Tresen ein. Sie bildeten ein Wort Entaktus. Alles verlief so schnell, die Decke gab nach und raste mit schneller Geschwindigkeit auf die Erde. Ich konnte diesmal wirklich nicht anders als nur schreinen und hoffen, dass dieser Tisch, unter dem ich mit diesem Fremden befand, nicht einstürzte und mich begrub. Ziegelsteine und Mörtel bröckelten und knallten auf alles was nicht Schutz suchte. Das Loch wuchs immer mehr und verschlang Sämtliches, unter anderem auch die Ratte. In diesem Punkt war ich sehr froh. Ich hoffte keine Krankheit zu bekommen, aber ich sollte mich wohl eher darüber freuen nicht mit eingesaugt zu werden. Ich krallte mich an dem Tischbein fest, in der Annahme er war schwer genug, jedoch Trugschluss. Er rückte immer weiter an den Abgrund, ich ließ ihn los, nun waren wir schutzlos. Die Nägel hatten sich ebenfalls schon dem Tresen entzogen und waren wie Vögel in die Schwärze geflogen. Die Bretter und Ziegelsteine lösten sich von ihren Opfern und verflüssigten sich. Es hatte den Anschein als wären sie jetzt Blut, viel Rot. Es sammelte sich an einer Stelle und formte sich zu einem Pferd, ein rotes Pferd aus Blut. Es wieherte auf und stellte sich auf die Hinterbeine. Wären die Fenster noch dagewesen, so wären sie sicher in der kläglichen Stimme dieses Tiers untergegangen. Es galoppierte auf den Mann zu, ein Gast, er hatte noch dagestanden. Er konnte nicht ausweichen, das Rot glitt durch ihn durch und hinterließ einen schwarzen Abdruck des Pferdes. Er fiel bewusstlos in den Strudel. Die schwarze Gestalt sprang hinterher und das Loch sank in den Boden ein. Es fraß sich durch und wurde immer größer. Ich wurde auf die Schulter gepackt und aus dem Fenster geworfen. Mein Aufprall war nicht so schlimm, wie die Tatsache, dass ich nichts mehr sehen konnte. Der Staub hatte alles in mir verklebt, meine Lungen und meine Augen. Ich konnte fast nicht mehr atmen, dieser jemand hatte mich gerettet, einfach so. Es gab wohl noch Menschen, die Herzensgüte besaßen. Ich schloss meine Augen. Etwas landete neben mir, ich wurde hochgehoben. Ich hörte eine Explosion in der Ferne, aber die Dunkelheit überfiel mich wie ein Schleier. Meine Welt verharrte und geriet erneut ins Wanken.
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Im Schatten der Königin #PlatinAward2018#iceSplinters18
Historical FictionEin Königreich verborgen unter Schnee und Eis, keiner kann hinein oder hinaus. Alles scheint wie im Märchen, doch dann ändert sich alles und es wird ein Kampf um die Wirklichkeit. 2 Platz Blütenaward
