Naturbeobachtungen. Heute: Wehgahnchen entdecken eine neue Futterquelle

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Hallo Leute, also vor geraumer Zeit habe ich mal in einer Twitter- Konservation aus dem Wort "Frikadellen" durch einen Vertippsler "Frokadellen" gemacht.
Ich fand das Wort irgendwie lustig, es hat mich an Frodo erinnert und gärte in meinem Hirn dahin...
Na ja, und deswegen habe ich nun einfach Andreas Kleistrigs Wehgahnchen darauf losgelassen ;-)
Ich hoffe euch gefällt's ;-)


Eure Ladi


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Andreas Kleistrig schlenderte als normaler Besucher getarnt über die Kirmes.
Er hatte ein unauffälliges Tarnoutfit an, der Marke „Single auf der Suche nach Anschluss".
In Wahrheit aber war sein Ziel ein anderes: natürlich ging es ihm wieder einmal um Beobachtungen
der verschiedenen Populationen Berlins in ihrem natürlichen Lebensraum.
Neben den Singles, die Andreas zu Tarnungszwecken nutze, gab es auch verschiedene Herden von Familien, die mit ihren Jungen über die Kirmes streiften, bemüht, ihren Nachwuchs von allzu großen Dummheiten abzuhalten und ihnen dennoch ein wenig Spaß zu gewähren.
Darüber hinaus gab es Horden von Teenagern, die meist ohne ihre Elterntiere unterwegs waren, so dass sie niemand von Dummheiten zurückhielt; es gab einsame Streiter, betrunkene Pöbler, Pommes-Jäger und Glückslos- Sammler.
Es gab nahezu alles.
Nur Wehgahnchen, seien Lieblingsspezies, gab es hier nicht.


Nun gut, das Futterangebot für diese putzigen Bewohner der Berliner Fauna war im Bereich der Kirmes auch eher sehr eingeschränkt. Daher wagte sich die schüchterne Unterart, zu der auch Andreas' beiden zahmen Exemplare Felixchen und Jakolinchen gehörten, nicht hierher. Die andere Unterart, die aggressiveren, waren nur sehr selten hier anzutreffen. Wenn, dann waren sie in kleinen Gruppen unterwegs, die beim Anblick von Futterplätzen sofort in Kampfhaltung gingen und zum Beispiel den Bratwurstgrill und die Ochsenbraterei massiv attackierten, indem sie sie mit „Pro- Veganismus" -Broschüren bewarfen.
Da diese Unterart jedoch im Vergleich zu der anderen extrem selten auftrat, gab es solche Vorfälle kaum.


Andreas nahm das alles in sich auf und filmte vorsichtig mit der Kamera, die er unter seiner auf dem Kopf getragenen Basecap gut versteckt hatte. Schließlich wollte er keinen Bewohner des Ökosystems verschrecken. Man stelle sich vor, ein Exemplar der gemeinen Großstadtmutti würde ihr Nest mit den Jungen verlassen! Nicht auszudenken!
Deswegen bewegte er sich so vorsichtig unter all den großen und kleinen, faszinierenden Wesen der Berliner Fauna, dass er geradezu mit ihr zu verschmelzen schien.
Die Bilder, die er heute einfangen würde, wollte er für einen weltbekannten Naturforscherpreis an einer etablierten Universität einreichen. Vielleicht hätte er nun endlich einmal den ersehnten Erfolg damit, Ruhm und Ehre und so...
Er seufzte träumerisch.


Plötzlich nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr und erhaschte den Blick auf etwas, was ihm bekannt vorkam.
Ein ihm wohlbekanntes langes braunes Fell huschte am Rande seines Sichtfeldes dahin.
Er schaute genauer hin. Waren das nicht...
Jakolinchen? Und Felixchen?
Seine beiden? Hier?!


Sofort machte sich Andreas auf den Weg und folgte ihnen unauffällig.
Zielstrebig huschten seine beiden kleinen dahin, sie schienen genau zu wissen, wohin sie wollten.
Sie huschten vorsichtig an Fahrgeschäften und Losbuden vorbei, umgingen mit angewidert verzogenen Schnäuzchen die Döner- Bratwurst- und sonstigen Buden und blieben schließlich, aufgeregt zitternd und nach allen Seiten sichernd, vor einem Stand stehen, den Andreas auf den ersten Blick gar nicht zuordnen konnte.
Es war eine Futterbude, keine Frage, aber was wollten Felixchen und Jakolinchen hier?


Plötzlich hatte Jakolinchen Andreas erspäht. Niedlich schnupperte es in seine Richtung.
Dann kam es auf ihn zu gerannt, umkreiste ihn mit aufgeregten Sprüngen, fiepte und lief ein paar Schritte in Richtung der Bude. Es drehte sich um, kam zu ihm zurück und lief wieder in die eben angegebene Richtung.


Nun, jeder von uns, der in seiner Jungend an verregneten Sonntag Nachmittagen auf dem Sofa gesessen, eine Tasse heißen Kakao getrunken, Omas guten, selbstgebackenen Apfelkuchen gegessen und dabei ein Folge „Lassie" geschaut hat; jeder von uns, der auf dem Teppich im Wohnzimmer mit seinen Matchbox-Autos gespielt hat, während sich die Erwachsenen am Kaffeetisch unterhielten, und im Fernsehen eine Folge „Flipper" lief wird sofort wissen, was dieses Verhalten bedeutet.
So auch Andreas Kleistrig.
Er begriff: Jakolinchen wollte, dass er ihm folgte.


Er lief also dem zahmen Wehgahnchen hinterher und sah nun, was die beiden veranlasst hatte, hierher zu kommen.
Die Bude bot Frokadellen an, genau genommen, wehgahne Frokadellen.
Aus Grünkern, mit diversen Gewürzen...egal, Hauptsache wehgahn.


„Die besten Frokadellen überhaupt!" stand auf dem Schild.
Und: „Hier brät der Chef noch selber! Inhaber Frodo Hobbit."
Felixchen, das ruhigere von den beiden, hatte die ganze Zeit geduldig dagesessen und auf seinen Kumpel und Andreas gewartet. Es schleckte sich die von einem struppigen Bart umgebene Schnauze während Jakolinchen immer noch aufgeregt umhersprang.
Andreas ging in die Hocke und verteilte Streicheleinheiten. Jakolinchen beruhigte ich sofort während Felixchen begann, sich zu putzen.


„Ihr seid mir schon zwei kleine Strolche," sagte Andreas schmunzelnd.
„Habt eine neue Futterquelle entdeckt, hm?"
Die beiden sahen ihn an und er hatte mal wieder das Gefühl, sie würden jedes Wort verstehen, was er ihnen sagte... doch das war natürlich Unsinn, das dachte wohl früher oder später jeder Besitzer eines Tieres einmal.
Doch was heißt hier Besitzer. Andreas besaß die beiden nicht, denn so sehr sie sich auch an ihn gewöhnt hatten, sosehr sie auch regelmäßiges Futter und das bequeme Schlafkörbchen zu schätzen wussten, blieben sie doch Wildtiere.


Andreas seufzte.
Sie waren so süß, diese beiden, so putzig. Und eigentlich, das wusste er, würde er sie irgendwann auswildern müssen.
Doch darüber wollte er sich nicht jetzt Gedanken machen. Nicht heute.
Nein.


„Mañana ," dachte er und zuckte mit den Schultern.
Dann kaufte er eine Tüte mit Frokadellen, und während er gemütlich nach Hause schlenderte, fütterte er Felixchen und Jakolinchen damit, die sie zwischen die Pfötchen nahmen daran nagten und dabei zufrieden brummten .

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