Eine Geschichte, mit amerikanischem Akzent zu lesen.

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Diesen One-Shot widme ich @AlphaTheData, die mir die Stichworte „Badboy, Alkohol, Club" gegeben hat.
Sie hatte sich zwar eine Froid Geschichte gewünscht, aber na ja, das hier hat mich einfach angesprungen, und so ist es eben doch eine Jarti geworden.
Ich hoffe, du magst es trotzdem.



Man beachte, dass man in dieser Geschichte bitte sämtliche „R's" amerikanisch gerollt ausspricht.
Danke.


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Ich saß in meinem Büro, hatte die Füße auf den Schreibtisch gelegt. Meine Krawatte war ein wenig gelockert und hing etwas schief, nun ja, das war nicht ungewöhnlich für mich. Meinen Fedora-Hut hatte ich tief in die Stirn geschoben. Zwischen meinen Zähnen hatte ich einen Zahnstocher, auf dem ich herumkaute, während der Deckenventilator vernehmlich surrte, und versuchte, gegen die schwüle Hitze des Sommernachmittags anzukommen.


Ich brauchte dringen einen neuen Fall. Mein Kühlschrank war leer, die Miete für das Büro war überfällig.
Wenn ich nicht bald wieder ein paar Einnahmen hätte, könnte ich das Schild an der Tür, auf dem mein Logo stand: „Marti Fischer, Privatdetektiv. Schwere Fälle, schwere Jungs, leichte Mädchen" bald abschrauben und mir zum schlafen einen Platz unter einer Brücke suchen. Eine Wohnung hatte ich schon eine Weile nicht mehr. Dafür reichte mein Honorar nicht.


„Schlapp schlapp schlapp," machten die Flügel des Ventilators.
„Klick!" machte die Eiswürfelmaschine im Gefrierfach. Na wenigstens das funktionierte.
Ich griff in die Schublade meines Schreibtisches, goss mir einen Whisky ein und tat ein paar Eiswürfel hinein. Der Whisky war eine billige Sorte, egal, wenn nichts mehr geht, dann brach man als Detektiv Alkohol, und schon sah die Lage nicht mehr ganz so abgeranzt aus.
„Prost," sagte ich zu mir selbst, ließ die Eiswürfel im Glase kreisen und trank das Glas mit einem Schluck leer.


Da klopfte es an die Tür.
Ein schüchternes, leises Klopfen. Mit Sicherheit eine Frau.
Ich setzte mein attraktivstes Lächeln auf, eine Mischung aus Beschützerlächeln und anzüglichem Grinsen eines Badboy. Darauf stehen die Weiber nun mal.
Dann rief ich: „Herein!" mit meiner tiefsten rauchigsten Stimme.
Die Tür ging auf, und während sie eintrat, kratzte ich mich mit meiner Waffe am Hinterkopf. Das wirkte immer so furchtlos und professionell. Und Badass-mäßig.
Also...


Sie... nun, er... der da eintrat, war ein Mann.
Er war schlank und groß. Seine dunklen Augen schauten ängstlich und verletzlich ein Reh im Zielfernrohr des Jägers.
Sein langes Haar war glattgekämmt. Es war von einem samtenen Braun, nur die Spitzen waren blond. Er war dezent geschminkt. Die Augen wurden wunderschön betont und seine Lippen, blutrot und glänzend, luden beinahe zum Küssen ein.
Ich schluckte schwer und war versucht, mir noch einen Whisky einzuschenken.


Doch erst einmal machte ich eine einladende Geste zu dem Stuhl vor meinen Schreibtisch und sagte:
„Marti Fischer. Was kann ich denn für sie tun, Lady?"
Er biss sich verlegen auf die Unterlippe.
Ein gut geschnittener Pelzmantel umschmiegte seinen hinreißenden Körper, wohlgeformte Beine in hauchzarten Seidenstrümpfen zogen meine Blicke auf sich. Und die schlanken Füße, die in eleganten Pumps steckten, trugen ihn nun zu meinen Tisch, wo er sich mit einem Seufzen in den Stuhl fallen ließ.


Ich sah ihn aufmunternd an.
„Nun, meine Schöne," sagte ich, „was haben Sie denn auf dem Herzen?"
Seine großen Augen begannen zu schimmern, er zog ein Spitzentaschentuch aus der Manteltasche begann, sich ein paar Tränen wegzutupfen. Vorsichtig, damit die Wimperntusche nicht verschmierte.
„Mein Name ist Dschehkob Dschoiko," sagte er leise. „Und ich... bin bestohlen worden."
Seine Stimme klang wie eine frische Brise an einem Tag wie heute.
„Genau mein Spezialgebiet," antwortete ich nonchalant.
„Was wurde denn entwendet?"


„Nun, sie müssen wissen," sagte er und schniefte, „ich bin das Kind reicher Industrieller. Ich bin sehr behütet aufgewachsen."
Er sah mich groß an.
„Aha," sagte ich und ermunterte ihn damit zum weitersprechen.
„Nun ja, ich kannte immer nur die höhere Töchterschule, und die Residenz meiner Eltern hier in der Stadt, voller Bediensteter. Rund um die Uhr ist jemand da, der auf mich achtet. Und dann unser Landsitz, auch dort jeder Schritt durch die Bediensteten überwacht, wenn meinen Eltern nicht bei mir sind. Was allerdings so gut wie nie vorkommt."


Die Augen sahen nun beinahe ein wenig traurig aus.
Auch ja, Ein solcher Blick konnte einem Schauer durch die müden Knochen schicken... Wenn der Tag nicht ohnehin schon so heiß gewesen wäre...


Er holte tief Luft.
„Nun, und als meine Eltern dann eine Reise nach Europa antreten wollten, ergaben sich Schwierigkeiten. Ich konnte nicht mitfahren, denn sie wollen ein paar Monate dort bleiben, aber ich besuche doch noch immer die höhere Töchter Anstalt! Ich möchte etwas lernen, und nicht so abhängig sein wie meine Mutter."
Die schönen Lippen schoben sich trotzig vor.
„Sie wollten mich aber nicht allein zurücklassen. Allein! Ha! All die Angestellten, die den ganzen Tag um mich herumspionieren, da bin ich doch nicht allein!"


Ich nickte. „Natürlich," sagte ich.
„Und außerdem bin ich doch schon einundzwanzig!"
Die Augen funkelten empört.
„Nun, und dann...?" sagte ich auffordernd.
„Dann sind sie doch gefahren. Ich konnte sie überzeugen. Und dann..."
Ein Seufzer.
„Dann habe ich mich mit meiner Freundin verabredet. Ich war die Behütung einfach leid. Ich wollte einfach mal ein bisschen was erleben. Also bin ich gestern Abend aus dem Haus entwischt. Und dann sind wir..."
...schnief...
„"... durch die Clubs gezogen. Unten am Hafen. Tanzen wollte ich, lachen, Musik... Himmel, dieser herrliche rauchige Jazz...!"


Wieder knabberte er an seiner Lippe.
„Und zu mir sind Sie gekommen, weil..." sagte ich in der Hoffnung,dass er langsam auf den Punkt kommen würde. Das alles war ja gut und schön, aber bisher kein Fall für einen Detektiv. Schon gar nicht für einen knallharten Burschen wie mich.
„Wir waren zum Schluss im 'Gamma-Club'," sagte er.
Den kannte ich. Die Schnaps- und Tanz Spelunke von Felix Dancer.


„Und dort..." nun weinte er wieder zum Steinerweichen, so dass ich ihn kaum verstehen konnte, „... ist es dann passiert. Man hat mich bestohlen! Man hat mir..."
...schluchz...
„...meine Unschuld gestohlen!"


Du heilige Einfalt, dachte ich, während ich mich vom Boden aufrappelte, denn ich war vor Überraschung über diese Wendung von meinen Stuhl gerutscht und auf die schmutzigen Holzdielen geknallt. Du heilige Einfalt. Ich habe schon geahnt, dass dieser Fall mir am Ende nichts einbringen wird.


Na ja.


Außer vielleicht eine ganze Menge Ärger.

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