Diesen Oneshot widme ich @Chinchi_boo, die mir die Stichworte "Fenster, Raufasertapete, Kaninchenstreu" gegeben hat. Danke :-)
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Jako trat durch die Tür in den Raum und sog die Gerüche tief in sich auf. Der kleine Flur roch wie alle anderen Räume der Wohnung auch frisch renoviert.
Es war Martis erste eigene Wohnung; bis jetzt wohnte der noch im Studentenwohnheim, wie Jako auch, aber morgen, am Samstag, würde er nach Hause zu seinen Eltern fahren, die alten Möbel seines Zimmers dort abholen und hier so richtig einziehen. Jako würde mit ihm fahren und ihm helfen, so wie er ihm auch in den vergangenen Wochen geholfen hatte, die Wohnung herzurichten.
Sie waren gut befreundet, er und Marti und ein bisschen bedauerte er Martis Auszug aus dem Wohnheim. So würden sie sich vielleicht nicht mehr ganz so oft sehen. Aber na ja, so war das Leben eben.
Und Marti war glücklich über die eigene Wohnung.
Und Jako hatte Marti gern, sehr gern sogar, und daher freute er sich, wenn der glücklich war.
Er schmunzelte und dachte daran, wie sie in den letzten Wochen hier geschuftet hatten. Die Wohnung hatte katastrophal ausgesehen. Abgeranzte Tapeten an den Wänden, die sie in mühevoller Kleinarbeit heruntergekratzt hatten. Ein völlig versiffter Polyester- Bodenbelag. Den hatten sie komplett raus gerissen. Und dann hatten sie die Wände tapeziert, ganz klassisch mit Raufasertapete und in der ganzen Wohnung ein Preiswertes Laminat verlegt. Jetzt sah alles ordentlich aus.
Tüchtig Schweiß hatten sie gelassen, alle beide, und Marti hatte ihm immer wieder gedankt und ihm gesagt, wie sehr er sich über seine Hilfe freute, denn allein wäre das alles nicht zu schaffen gewesen.
Es hatte allerdings auch Spaß gemacht, denn sie hatten die ganze Zeit Musik laufen gehabt, hatten mitgesungen, gelacht, herumgealbert. Marti hatte einmal eine Art Operettenarie auf der Stehleiter zum besten gegeben, absichtlich schief und schräg gesungen, und er, Jako, hatte so sehr gelacht, dass er sich auf den blanken Boden setzten musste, damit ihm der Farbtopf, mit dem er die Türrahmen strich, nicht aus der Hand fiel.
Alles in allem hatten sie ihre Sache gut gemacht.
Es war alles hergerichtet und bereit für Martis Einzug. Ein paar Möbel würden im Laufe der nächsten Woche noch vom Möbelhaus geliefert werden, eine große, bequeme Couch zum Beispiel.
Jako trat vom Flur in die Küche. Küchenmöbel waren schon da, die hatten Martis Eltern spendiert. Alles andere hatte Marti selbst bezahlt. Er verdiente sich als Musiker ein bisschen war dazu neben dem Studium und hatte tüchtig gespart.
Jako beneidete ihn ein wenig um seine Selbstdisziplin, denn vor allem beneidetet er ihn um seine Wohnung. Und die war für einen alleine gar nicht so klein.
Auch bei der Wohnungssuche hatte Jako ihm geholfen und in diese hier hatte Marti sich sofort verliebt gehabt.
„Willst du nicht lieber was kleineres?" Hatte Jako gefragt. „Was nicht so viel Miete kostet?"
Aber Marti hatte den Kopf geschüttelt.
„Nein," hatte er gesagt und hatte ein wenig verschämt zu Boden geblickt. „Ich hoffe, das ich hier nicht lange alleine wohne... könnte vielleicht sein, das hier bald jemand mit mir einzieht..."
Jako hatte geseufzt.
Marti hatte ja in der Vergangenheit immer mal wieder Freundinnen gehabt, aber das klang so, als ob die aktuelle etwas ernsteres war...
Es hatte ihm weh getan, und er hatte sich zum ersten Male richtig eingestanden, dass er mehr als nur Freundschaft für Marti empfand. Komm schon, brings auf den Punkt, liebes Hirn, hatte er zu sich selber gesagt, ich habe mich schlichtweg in den liebenswerten und verrückten Fischer verliebt.
Es tat weh, wie gesagt, aber es war nicht zu ändern. Er würde damit leben müssen und er hoffte nur, dass diese Freundin, die er bis jetzt noch nicht kennengelernt hatte und von der Marti auch noch nicht wirklich erzählt hatte, Marti genug Zeit für seine Freundschaft mit Jako lassen würde.
Denn wenn diese Freundschaft einschlafen würde.... das wäre dann wirklich schlimm.
Jako schaute auf die Uhr. Marti würde gleich da sein. Sie hatten vor, heute ein kleines bisschen zusammenzusitzen, und zu feiern, dass sie alles rechtzeitig geschafft hatten.
Er öffnete das Fenster in der Küche, um ein bisschen frische Luft rein und Farb- und Leimgeruch rauszulassen.
Dann setzte er Kaffee an, denn die Kaffeemaschine war schon hier, und Marti hatte gesagt, er wolle Kuchen mitbringen.
Während der Kaffee durchlief und die Maschine die dafür typischen Geräusche machte, trat er ans Fenster und sog die frühlingshafte Luft ein. Sie duftete nach Blüten und Sonne.
„Jako? Hallo Jako!"
Martis Stimme drang von der Straße herauf und langsam, ganz langsam in Jakos Gehör.
Der kleinere winkte ihm zu und rief:
„Kannste runterkommen? Kannste mir mal helfen?"
Und Jako sah, wie Marti einen Käfig von der Rückbank seines kleinen Autos zerrte. In dem Käfig hockte Rübe, das schwarze Kaninchen mit dem weißen Stummelschwänzchen, das Marti sein eigen nannte und heiß und innig liebte.
„Klar, komme!" rief Jako und dann flitzte er in den Hausflur und die Treppe runter.
Unten angekommen, jonglierte Marti den Käfig auf den Armen und hatte gleichzeitig einen Einkaufsbeutel am Arm hängen.
„Kannst du den Sack Kaninchenstreu rauftragen?" fragte er.
Jako machte sich daran, er nahm auch den Schlüsselbund aus Martis Jackentasche und schloss das Auto ab. Dann stemmte er den Sack mit der Streu hoch und trottete hinter Marti her.
Oben angekommen, stellte er den Sack neben den Käfig, den Marti im Wohnzimmer abgestellte hatte. Marti öffnete die Käfigtür und Rübe machte sich auch schon neugierig daran, herauszuhoppeln und das neue Reich zu erkunden. Hier hatte die kleine Kaninchendame viel mehr Platz als im Wohnheim, wo sie eigentlich auch nicht wirklich erlaubt gewesen war.
Jako zeigte auf Rübe und sagte grinsend:
„Aha, das ist also die Freundin, mit der du hier einziehen willst?"
Marti zog die Stirn kraus.
„Welche Freundin?"
„Na du hast doch gesagt, du hoffst, hier bald nicht mehr allein zu wohnen..."
Jetzt verstand Marti.
„Klar," sagte er, „damit habe ich nur Rübe gemeint..."
Und er kicherte.
Dann jedoch ging er auf Jako zu. Kam ihm immer näher. Viel zu nahe, oh Gott...
Marti sah unsicher aus, als er Jako in die Augen schaute. Doch dann holte er tief Luft und sagte leise:
„Jako, ich habe nicht oft in meinem Leben gebetet. Aber jetzt ist ein Moment, wo ich bete, und zwar darum, dass ich deine Signale, die du versucht hast vor mir zu verbergen, nicht falsch gedeutet habe..."
Jako schluckte.
Marti fuhr fort, und seine Stimme zitterte:
„Es... es gibt nur einen Menschen, mit dem ich zusammenleben möchte. Und der ist hier bei mir..." und dann streckte er sich ein bisschen, da Jako eine ganze Ecke größer war, und legte sanft seine Lippen auf Jakos.
Jakos Herz spielte verrückt vor Freude, als er begriff, was Marti damit sagen wollte.
Es gab keine Freundin.
Es gab nur ihn.
Zutiefst glücklich ließ er sich den Kuss sinken und seine Sinne tanzen.
Rübe dagegen knabberte zufrieden an einem Stück Gurke, und hätte ihr kleiner Kopf die Fähigkeit gehabt, zu denken, dann hätte er gedacht:
„Na endlich!"
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Berliner Sammlung
FanfictionEine kleine Sammlung von Drabbles, Oneshots und ähnlichem über die Berliner Youtuber. Alles, was mir dazu so in den Kopf kommt.
