Diesen One-Shot widme ich DieAlina, die mir die Stichworte „Schoki, Musik, Natur" gegeben hat.
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Der kleine Schutzengel saß auf seiner Wolke mit seiner Harfe in den Händen und seufzte. Manchmal, ja, manchmal hasste er seinen Job.
Die meisten Menschen auf der Erde da unten schätzten den Beruf eines Schutzengels komplett falsch ein.
Ein Schutzengel beschützte seinen Menschen nicht. Na ja, schon irgendwie. Aber nicht davor, dass ihm schlimme Dinge passierten. Das war Schicksal, das wurde auf einer ganz anderen Befehlsebene beschlossen, da konnte man nichts dran ändern.
Nein, die Aufgabe eines Schutzengels war, den Menschen davor zu schützen, dass er an seinem Schicksal zerbrach. Ihm die Kraft und den Mut zu geben, weiterzumachen. Ihm das Licht im Herzen nie ausgehen zu lassen. Ihn davor zu bewahren, dass er die Schönheit des Lebens nicht mehr fühlte, wie schlimm es auch immer kommen mag.
Und das, liebe Leute, war manchmal verdammt schwer.
Dieser kleine Engel nun wusste, das seinem Schutzbefohlenen einige wirklich schwere Dinge bevorstanden. Und sein kleines Engelchenherz tat ihm weh.
* * *
Marti Fischer lag auf einer grünen Wiese und starrte in den Himmel.
Seine Gedanken flogen, zogen mit den Wolken,
'So viel schönes hab ich schon erlebt,' dachte er. 'So viel schönes, was ich jeden Tag um mich hab. Was ich noch vor mir hab. Aber auch schönes, dass ich hinter mir lassen musste...'
Er kaute auf einem Grashalm.
'Nun,' dachte er, 'vieles lässt man zurück. Vieles gewinnt man neu. Das Leben ist nun mal Veränderung. Das einzige schöne, dass ich niemals aufgeben möchte und niemals hinter mir lassen möchte, ist meine Musik. Ohne die könnte ich nicht leben.'
Der kleine Engel seufzte.
„Wenn du nur wüsstest, dass du schon bald dein Gehör verlieren wirst, und nie wieder Musik machen kannst..."
Eine verschleppte Virusgrippe. Sie griff Martis Herz an, so dass er beinahe daran starb. Er schaffte es, dem Tod von der Schippe zuspringen. Gerade so. Aber eine schwere Entzündung der Gehörgänge sorgte dafür, dass er kurz darauf nichts mehr hören konnte. Irreversibel. Es war ein schwerer, schwerer Schlag.
Der kleine Engel aber schaffte es.
Marti verlor nicht den Lebensmut.
Marti verlor nicht die Lebenslust.
Marti konnte immer noch lachen.
* * *
Der kleine Engel schickte Eingabe um Eingabe, Beschwerde um Beschwerde, Bittbrief um Bittbrief. Wie üblich gab niemand auch nur einen Pfifferling darauf.
Das Schicksal war vorbestimmt, daran wurde nicht mehr gedreht.
Marti saß auf dem Balkon, vor sich eine Tasse Tee und eine Schachtel edler Schokolade.
Er genoss Stück für Stück. Er liebte diese Süßigkeit.
Er vermisste die Musik, na ja, manchmal ging er mit Freunden in einen Club, wo die Bässe ordentlich wummerten, so dass er sie spüren konnte, aber das war nicht das gleiche...
'Ist schon irgendwie... na ja... immer noch ganz schön. Immerhin gibt es so tolle Dinge wie Schokolade,' dachte er und steckte sich ein weiteres Stück in den Mund.
Der kleine Engel auf seiner Wolke war kurz davor, zu weinen.
„Wenn du nur wüsstest, was dir nun bevorsteht..."
Marti bekam Magenkrebs.
Er musste Strahlentherapie über sich ergehen lassen. Hammerharte Medikamente schlucken, die seinen Körper ordentlich mitnahmen. Musste sich mehreren Operationen unterziehen.
Am Ende besiegte er den Krebs.
Aber für den Rest seines Lebens war sein Magen so lädiert, dass er strenge Diät halten musste.
Schokolade?
Nun, vielleicht alle paar Monate mal ein einziges Stückchen Zartbitter. Und danach Magenschmerzen.
Das war nun wirklich nicht das selbe.
Der kleine Engel schaffte es jedoch auch diesmal, das Marti Mut und Lust am Leben nicht verlor.
Nun ja, Marti machte es ihm auch nicht so schwer.
Marti war einfach eine fröhliche Natur, ein Mensch mit einem glücklichen und warmen Herzen.
Und dieses Herz machte ihn stark, trotz aller Schicksalsschläge.
Und daher war er einfach nicht unterzukriegen.
Und wenn in das Herz eines solchen Menschen nur ein winziges Samenkorn fällt, dann kann dort eine wunderbare Liebe erblühen.
* * *
Diesmal war der Engel zufrieden.
Er saß auf seiner Wolke, spielte eine sanfte Melodie auf seiner Harfe (eigentlich mochte er viel lieber Rockmusik, aber im Himmel muss man sich in der Hinsicht eben mit Sphärenklängen zufrieden geben...), und schaute entzückt auf das Geschehen auf der Erde.
Dort unten bummelte Marti gemütlich über einen Platz im warmen Sommersonnenschein.
Und dort, auf dem Springbrunnerand saß ER.
Ein junger Mann, der Gitarre spielte.
Seine Augen waren braun. Wie Schokolade.
Martis Augen blieben an den schokobraunen Augen hängen.
Wie schön wäre es, wenn sie mich so ansehen würden, wie dieses Instrument...
Seinen Hände liebkosten die Gitarre.
Martis Augen blieben an den Händen hängen.
Wie schön wäre es, wenn sie mich so berühren würden...
* * *
Eines Tages war es soweit.
Der kleine Schutzengel saß nun nicht mehr allein auf seiner Wolke.
Neben ihm aß der Engel, der sich um den Gitarrenspieler kümmerte.
Jakos Engel.
Und unten, da liefen Marti und Jako Hand in Hand.
Und Jako sah seinen Marti an, liebevoller, als er je auf eines seiner Instrumente geschaut hatte.
Und wenn er ihn liebkoste, dann war das zärtlicher als er je zu seiner Gitarre gewesen war.
Die Liebe in Martis Herz war groß und schön und stark.
Er hatte sich nicht unterkriegen lassen.
Er war glücklich.
Ohne Musik.
Und ohne Schokolade.
Denn das lag nun mal einfach in seiner Natur.
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Berliner Sammlung
FanfictionEine kleine Sammlung von Drabbles, Oneshots und ähnlichem über die Berliner Youtuber. Alles, was mir dazu so in den Kopf kommt.
