VIERZIG

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"...hiermit erkläre ich sie zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut jetzt küssen."

Mit einem breiten Grinsen zieht Simón Ámbar an sich und die beiden küssen sich.

Alle Gäste klatschen und stehen auf um die beiden zu bejubeln. Dann verlässen erst das Brautpaar die Kirche und wir alle folgen ihnen nach draußen.

Dort warten allerlei Bräuche und kleine Spiele auf die beiden, die sie mit bravour meistern.

Anschließend fahren Simón und Ámbar mit einem Cabrio zur Hochzeitslocation, während die Gäste, die zwanzig Minuten zu Fuß gehen.

Ich laufe ganz zum Schluss. Mir sind solche Menschenmassen immer ein wenig zu viel. Ich halte mich lieber im Hintergrund.

Deswegen weiß auch keiner, dass all das Essen, welches es geben wird, von mir ist.

Tatsächlich darf ich mich Chefkoch nennen. Ich habe meinen Willen durchgesetzt und eine Ausbildung zum Koch gemacht. Mama war nicht davon begeistert, hat sich damit aber arrangiert.

Mittlerweile ist sie mein größter Fan.

"Warum lässt du mich immer allein mit der verrückten Verwandtschaft?"

Mein zweitgrößter Fan.

"Du kannst die doch super zähmen." grinse ich und greife nach ihrer Hand.

Yam ist mein größter Fan und mein größter Ansporn. Sie hat mich motiviert mein eigenes Ding durchzuziehen. Und jetzt?

Jetzt habe ich ein eigenes Restaurant.

"Deine Mutter hört auch nicht mehr auf mit heulen." informiert mich meine Frau und wir beide müssen lachen.

"Diesmal war sie immerhin dabei, als ihr Sohn geheiratet hat."

Simón und Ámbar haben im großen Kreis geheiratet.

Yam und ich sind vor über vier Jahren spontan nach Las Vegas geflogen. Nur zu zweit haben wir uns das Ja- Wort gegeben.

Genauso unkompliziert, wie wir wieder zusammengekommen sind.

Ich war schon ein halbes Jahr in meiner Ausbildung in Buenos Aires.

Dort habe ich mir eine kleine Wohnung gemietet, da Simón und Ámbar sich doch recht schnell vertragen hatten. Ich wollte die beiden nicht weiter belästigen und außerdem musste ich selbstständiger werden.

Mit Yam hatte ich immer Kontakt, wir haben uns mindestens dreimal die Woche gesehen. Allerdings lief nie was.

Wir waren sozusagen Freunde. Die Gefühle für sie waren dabei nie weg. Allerdings hatte ich immernoch dieses Vertrauensproblem.

Yamila hat trotzdem alles versucht um mein Vertrauen wiederzubekommen.

Knapp Vierzehn Monate nach unserer Trennung, kam ich an dem Punkt an, an dem ich mir gesagt habe, ich bin bereit.

Ich liebe sie, ich vertraue ihr. Kurzerhand bin ich zu ihr gefahren und habe sie einfach geküsst.

Yam wusste was das zu bedeuten hat, weswegen die Frage nach dem Beziehungsstand gar nicht mehr gestellt werden musste.

Von einem auf den anderen Tag waren wir wieder zusammen und das war auch gut so.

Ein Jahr später, als ich Urlaub hatte und Yam Semesterferien, sind wir nach Las Vegas geflogen, um zu heiraten.

Wir haben das niemandem erzählt. Dementsprechend sauer waren die meisten. Meine Mutter hat eine halbe Stunde lang am Telefon geheult und mir einen Vortrag gehalten, wie ich das denn ohne sie machen konnte und was mir denn einfiel.

Last NightWo Geschichten leben. Entdecke jetzt