Hellgrüne Sprenkel, nur ganz wenige, aber sie waren da, in seinem linken Auge. Das andere hingegen war durchgehen dunkel-grün, wunderschön. Der Wind, der ohne mein bewusstes Wahrnehmen, in der letzten Stunde deutlich frischer geworden war, blies mir ein paar Strähnen ins Gesicht. Meine Hände waren nicht schnell genug um sie wegzustreichen, denn das taten seine schon. Lucien, arrogantes Arschloch und gemeiner Frauenheld, strich mir die Haare aus dem Gesicht. Seine Fingerspitzen streiften mein Ohr und diese Berührung reichte aus, um mir viel zu erotische Gedanken in den Kopf zu setzen. Diesmal konnte ich ihm nicht mehr in die Augen schauen, viel zu leicht wäre das Begehren in meinen zu entdecken. Ich weiß nicht ob ich Grey dafür später danken oder verfluchen sollte, dass sie uns in diesen Moment fand. "Da bist du!", schrie sie von der Steilküste hinunter und rief danach auch Moe und Timm zu, dass sie mich gefunden hatte. Lucien stand auf und ich tat es ihm gleich. Der Wind traf mich erneut unvorbereitet und eine Gänsehaut bildete sich auf meinem ganzen Körper. Mir klapperten bereits die Zähne, als wir oben bei Grey ankamen. Sie umarmte mich kurz, genau wie Moe und Timm. Nachdem ich mich entschuldigt hatte, dass ich einfach verschwunden war, sagte Timm, dass der nächste Bus erst in einer Stunde fahren würde. Moe teilte uns bestürzt mit, dass er jetzt das Spiel verpassen würde und sah aus, als würde er kurz davor sein, zu weinen. Da die Stimmung in der Gruppe reichlich bedrückt war, beschlossen wir, einfach an der Haltestelle zu warten. Die Windböen wurden schneidender, noch wesentlich kälter und auch der Himmel wurde immer dunkler. Innerhalb weniger Minuten zog er sich komplett zu und eine schwere Wolkendecke begrüßte uns. Wir kauerten uns eng unter die überdachte Haltestelle. Es gab 4 Sitzplätze und wir rutschten eng zusammen, damit jeder sich setzen konnte. Wie ich ausgerechnet zwischen Luce und Timm landete, wusste ich nicht, doch mir war immer noch unglaublich kalt. "Wir Glückspilze", sagte Moe mürrisch, als die ersten Regentropfen auf den Boden Platschten. Niemand sagte etwas dazu, wir waren wohl alle in unseren Gedanken versunken. Dass ich langsam wegschlummerte, merkte ich erst, als ich ein herbes Parfüm einatmete und weiche, warme Haut an meiner Nase wahrnahm.
Meine Gedanken sprangen langsam, träge zwischen den Namen Lucien oder Timm hin und her. Doch ich wusste bereits, an wessen Schulter, bzw an wessen Halsbeuge ich einschlief. Kein Kribbeln durchlief meinen Körper und hielt mich somit auch nicht vom einschlafen ab. Grey weckte mich als der Bus kam, die anderen hatten nicht geschlafen, weswegen sie nicht minder müde waren. Als wir dann endlich auf dem Weg zum Hotel waren, setzte Grey sich neben Timm und Moe sich neben eine ältere Dame, sodass mir nur Luciens Gesellschaft übrig blieb. „Du warst da draußen ziemlich weit weg", sagte er unvermittelt. Als ich nichts sagte, fuhr er fort: „An was hast du da gearbeitet?" Wieder blieb ich stumm und überlegte wie viel ich ihm erzählen konnte. „An nichts besonderem", antwortete ich leise, ließ es aber eher wie eine Frage klingen. „Schreiben ist also deine Leidenschaft?" „Was ist denn deine?", fragte ich aus einem Impuls heraus, um von mir und seiner Frage abzulenken. „Meine was?", fragte er mit einem kleinen Schmunzeln um die Lippen. „Leidenschaft", sagte ich Augen verdrehend. Sein Schmunzeln wurde zum Grinsen und er schaute mich lange an, bis er antwortete. „Frauen", sagte er stumpf, doch bevor ich erneut die Augenverdrehen, oder ihm das arrogante Grinsen ausschlagen konnte, sagte er noch: "Sport und Gitarre" Nun war ich wirklich überrascht, denn damit hatte ich nicht gerechnet. "Wie lange spielst du schon?", fragte ich neugierig und wartete gespannt auf seine Antwort. "Seit mein Dad mir zum 8. Geburtstag seine alte Akustik Gitarre geschenkt hat. Ich brachte mir das Notenlesen selber bei und nahm bei meinem alten Herrn einmal am Tag Unterricht, bis er mir nichts mehr beibringen konnte." Durch Luciens Erzählung hervorgerufene Bilder spielten sich vor meinem inneren Auge ab und bevor aus dem Jungen ein kleines Mädchen werden konnte und aus der Gitarre ein Klavier, vertrieb ich die Bilder. "Das klingt schön, ich hab mir damals auch das Noten lesen selbst beigebracht", flüsterte ich und wand mich dem Fenster zu. Lucien sagte nichts mehr und so war unsere erste richtige Unterhaltung auch schon wieder zu ende.
Im Hotel angekommen, gingen wir zu allererst auf unsere Zimmer. Die Müdigkeit hatte sich während der Busfahrt durch die gesamte Gruppe gezogen und so war es nicht überraschend, dass wir ein kleines Nickerchen machten.
Am nächsten und letzten Tag, wurden wir nochmal in Gruppen aufgeteilt um an einer Schnitzeljagd teilzunehmen. Davor hatten wir allerdings schon unsere Koffer gepackt, da wir am Nachmittag bereits wieder nach London fahren würden. Zwar schien teilweise die Sonne, dafür waren meine Gruppenmitglieder nicht gerade Grund zur Freude. Nicht nur Shelly, aka Schneewitchen stand mir gegenüber, sondern auch Todd, der Besserwisser-Nerd aka Sheldon Cooper und Holger, der finnische Austauschstudent, der kaum Englisch sprach. Als wir uns endlich auf eine Antwort auf die erste Frage einigen konnten, waren die anderen Teams bereits aufgebrochen. Unsere erste Frage führte uns zu einem Park, wo wir an einen Baum gepinnt, einen roten Umschlag fanden. Ich zog gerade den Pinn aus dem Baum, da riss Shelly den Umschlag auch schon an sich. "Geht zum ältesten Gebäude der Royal Mile und ihr werdet den nächsten Hinweis eindeutig erkennen", laß sie vor und fragte direkt danach in die Runde: "Weiß jemand wo die Straße ist?" Da wir unsere Handys vorhin im Hotel abgeben mussten, hatten wir keine Wahl als die Einheimischen um Hilfe zu bitten. Auf dem Weg zum John Knox House begegneten wir Grey, die von Morgan, Jamie und Lucien begleitet wurde. Morgan und Jamie hatten sich jeweils an einen von Luciens Armen geklemmt, während Grey vorweg ging. Ihrem Gesicht zu folge, wollte sie alle drei demnächst umbringen. Bevor ich allerdings dazu kam Grey zu begrüßen, krallten sich spitze Fingernägel in meinen Unterarm. "Leute kommt mit! Ich weiß was der Hinweis ist! Und auch wo er hinführt!!!", sagte Shelly eindringlich zu uns. Kaum eine Sekunde später fing sie an mich und Todd in eine Richtung zu ziehen und ihre Fingernägel gruben sich noch tiefer in meine Haut. Um ihre Hand von meinem Arm zu lösen musste ich anfangen zu rennen. Todd und Holger taten es mir nach, wenn auch mit leisen Protestrufen. Ein scharfes Brennen zog sich meinen Arm entlang, als ich endlich Shellys Fingernägel von meiner Haut entfernte. Rötliche, lange Kratzer zogen sich meinen Unterarm entlang und als wir endlich stehen blieben schaute ich Shelly böse an. "Geht's noch?" Als sie flüchtig einen Blick auf die hinterlassenen Kratzer warf, entschuldigte sich sich höflich, wenn auch nicht gerade nett bei mir. „Ich will nun mal gewinnen", versuchte sie sich zu rechtfertigen und fuhr dann mit ihrer Erkenntnis fort.
DU LIEST GERADE
A lovely Nightmare
ChickLitSeit knapp vier Jahren besteht Ava's Leben aus Konzerten, Groupies und ihrer Musik. Doch als sie sich der Schattenseite dieses Lebens nicht mehr entziehen kann, verlässt sie die Band. In London versucht die mittlerweile 21 Jährige ein normales Lebe...
