Jay reibt die in Handschuhen verpackten Hände über seine Oberarme und spürt, wie sich mehrere Blicke auf ihn richten. Er zieht den Kopf zwischen die Schultern und versucht so unauffällig zu sein wie möglich. Die Hände ballt er in den Taschen seiner Jacke zu Fäusten und starte stur in den Himmel, wo sich die bunten Figuren durch den Himmel jagen.
Seit er von Dana am See gefunden wurde, mit aufgekratzten Armen, neben einer Pfütze seines eigenen Erbrochenen, war er nicht alleine gelassen worden. Jeden Moment kann er die Augen auf sich spüren, die da in jedem Fall sind. Seine Klassenkameraden, aber auch die jüngeren und die Vertrauensschüler.
Er musste wirklich betteln, dass sie ihn nicht auf die Krankenstation schliffen und auch seinen Vater und Jill nicht informierten. Dafür muss er jetzt damit leben, dass er von allen Seiten beobachtet wird. Manchmal findet er das auch nicht so schlimm, wenn ihn Theo oder Blaise aus einem Albtraum wach schütteln oder ihn jemand unter der Dusche hervorzieht, bevor er in seinen Gedanken versinken kann.
Jay zuckt, als das gesamte Quidditchstadion in Lärm explodiert. Er sieht schnell in den Himmel, wo sich die Spieler für Hogwarts und Durmstrang alle um die französische Schiedsrichterin gescharrt haben. Besorgt sucht Jay Cedrics Gestalt und er atmet erleichtert auf, als er den Älteren entdeckt. Dieser ist mit seinen Teamkameraden in die Diskussion mit der Schiedsrichterin vertieft, sodass er nicht der Gefoulte sein kann.
„Was ist passiert?" wendet sich Jay an seine Mitschüler um ihn herum.
„Mensch, Jay. Du solltest wirklich ein bisschen mehr aufpassen. Die Dappen haben Leon in die Zange genommen und ihn beinahe vom Besen geschmissen. Ein Freiwurf ist da echt zu wenig. Die haben ihn ja beinahe umgebracht." meckert Natascha. Jay antwortet darauf nicht, sondern wendet sich nur wieder dem Spielgeschehen zu.
Langsam ordnet sich alles und der Freiwurf wird ausgeführt. Cedric und Victor Krum jagen sich wieder hoch über dem Spielfeld umher und Jays Augen kleben an der Gestalt seines Freundes. Jay hofft, dass das auch so bleiben wird, trotz allem, was er gelernt hat und wie er sich nun verhält. Er weiß durchaus, dass er allen Sorgen bereitet, aber er kann einfach nicht anders.
Jay versucht seine Gedanken davon abzuhalten wieder in die dunklen Abgründe zu fallen und kneift sich in den Unterarm. Selbst durch die Handschuhe und Jacke kann er den dumpfen Schmerz spüren. Er hilft ihm etwas dabei sich abzulenken, aber seine Gedanken wandern dennoch.
Mit einem Mal bekommt er einen Klaps auf den Hinterkopf. Überrascht dreht er sich um. „Lass die dunklen Gedanken sein und hab einfach ein bisschen Spaß hier. Das ist dein Boyfriend, der da oben für unsere Schule fliegt. Und das gegen einen Weltstar. Er ist gut, verdammt gut. Schau ihn dir an und sei stolz auf ihn."
Jay weiß nicht, wie Draco mitbekommen hat, dass er Probleme mit seinen Gedanken hat oder wo der Blonde auf einmal her gekommen ist. Soweit Jay wusste, wollte er das Spiel mit seinen Freunden sehen, die Quidditch ähnlich lieben wie Draco selbst. Nicht wie Jay, der mit dem Spiel selten wirklich etwas anfangen kann. Eigentlich nur dann, wenn jemand teilnimmt, der Jay etwas bedeutet.
„Komm schon und schau, Jay. Ich wette er fliegt sich da oben das Herz aus der Brust, um dich zu beeindrucken. Ich meine, dass wäre schon was zum Angeben. Ich habe den Schnatz vor dem Sucher gefangen, der ihn im Endspiel der Weltmeisterschaft gefangen hat. Ich wünschte ich könnte so fliegen. Du könntest es, aber du magst es ja nicht."
Jay senkt den Kopf. Immer wenn Draco sein fliegerisches Talent anspricht fühlt sich Jay irgendwie schlecht. So, als hätte er dem Blonden etwas weggenommen. Immerhin will dieser unbedingt so fliegen können, wie Jay es kann und dieser mag es ja nicht einmal. Würde er es können, würde er Draco sein Talent schenken. Aber das kann er nun einmal nicht.
„Du sollst aufhören Trübsal zu blasen. Wow. Los komm schon." Draco ist nicht der einzige, der lautstark die Spieler anfeuert. Die beiden Sucher sind mit einem Mal in einen Sturzflug übergegangen und tauchen zwischen den anderen Spielern hindurch zum Boden ab. Jay sucht ihre Zielgegend ab.
„Es ist ein Blaff. Keiner von ihnen hat den Schnatz gesehen, der ist da nicht." meint er leise, doch Draco scheint ihn gehört zu haben. Er wirft lachend einen Arm um Jay und plappert etwas, dass Jay allerdings nicht versteht. Für ihn ist es, als würde ein Rauschen seine Ohren füllen.
Sein Blick klebt fest auf Cedric, der sich zeitgleich mit Victor wegdreht und aus dem Sturzflug in einen steigenden wechselt. Beide berührten mit den Schuhen den Rasen und für einen Moment glaubt Jay, dass sie beide abstürzen. Er hält den Atem an, bis er registriert, dass beide nicht mehr nahe des Bodens sind und Cedric unversehrt ist.
„Es ist eine Schande, dass du nicht spielst. Du konntest ja sogar sagen, dass das ein Bluff war. Ich habe das sofort geglaubt. Wie machst du das? Das war Wahnsinn." Eine ruckartige Bewegung fängt Jays Aufmerksamkeit ein und er starrt die beiden Sucher an, die diesmal auf den Hüter Durmstrangs zurasen. Direkt über diesem, vielleicht eine Handbreit, zuckt der Schnatz hin und her und auf diesen halten die Sucher zu.
Bruchteile von Sekunden, bevor sie den Sucher erreichen, trifft diesen ein Klatscher und dann sieht man für einen Moment nichts außer einem Chaos aus Körperteilen und der Besen. Jay hält die Luft an und das gesamte Stadion ist totenstill, bis sich Cedric aus dem Knäul löst, einen Arm in den Himmel gestreckt und stolz strahlend. Zwischen seinen Fingern kann Jay den goldenen Schein des Schnatzes ausmachen.
Das Stadion explodiert in Lärm, die Jubelrufe der Hogwartsschüler und die enttäuschten Geräusche der Durmstangschüler dringen nur gedämpft zu Harry durch. Seine Aufmerksamkeit klebt an Cedric, der noch in der Luft von seinen Teamkameraden umringt wird, und ein stolzes Lächeln breitet sich auf seinen Lippen aus.
„Wir haben gewonnen Jay! Wir haben gewonnen! Cedric hat Victor Krum geschlagen!" Draco fällt Jay um den Hals und hüpft auf und ab. Der lässt ihn, beobachtet aber weiter Cedric, bis er das Gefühl hat, dass der ihn entdeckt hat. Das strahlende Lächeln auf Cedrics Gesicht lässt Jay einen Entschluss fassen.
Er wird Cedric alles erzählen. Und hoffen, dass der ihn dann trotz allem noch mag.
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Die neue Generation im Haus der Schlangen
FanfictionJay kehrt zu seinem vierten Jahr nach Hogwarts zurück, das erste Mal ohne seine Beschützer. So verändert sich auch das Haus Slytherin, dass sich so lange auf die Beiden verlassen hat. Während er versuchen muss, sich daran zu gewöhnen und selbst mit...
