Jay steht vor dem Spiegel im Bad seines Schlafsaals und starrt sein Spiegelbild an, den Blick fest auf seine Augen gerichtet. Dann nimmt er einen tiefen Atemzug. Sein Blick wandert, wie so oft die letzten Tage, zu seiner Stirn und er hebt die Hand, bis er seine Fingerspitzen an der Stirn fühlt. Als hätte er sich verbrannt, zieht er die Hand weg und krallt sie in das Waschbecken.
Ihm ist schlecht, aber er kämpft dagegen an. Mit gesenktem Kopf, den Blick starr auf seine Hände gerichtet, schluckt er heftig, bis das Gefühl verschwunden ist. Erst dann hebt er den Kopf wieder und schaut wieder in den Spiegel. Wieder versucht er sich nur auf seine Augen zu konzentrieren.
„Ich hatte ein Horkrux in mir. Das ist ein Seelenteil eines anderen, das durch schwarze Magie erstellt wurde. Es braucht einen Behälter und der war eben in dem Fall ich. Nein... Das ist scheiße! So kann ich das echt nicht sagen." Jay rauft sich die Haare und spritzt sich Wasser ins Gesicht. Für einen Moment bleibt er mit gesenktem Kopf stehen, dann sieht er wieder auf.
„Weißt du was ein Horkrux ist? Das ist ein Seelenteil, das ein schwarzer Magier mit dunkelster Magie erschaffen und in einem anderen Gegenstand versiegelt hat. Warum ich frage? Weil ich ein solches Seelenteil in mir hatte. Von wem? Von Voldemort. Magst du mich trotzdem noch? Nein, das ist auch katastrophal! Konzentrier dich!"
Jay zuckt zusammen, als gegen die Tür des Badezimmers geschlagen wird. Schnell spritzt er sich noch einmal Wasser ins Gesicht, dann dreht sich zur Tür. „Was gibt es denn?"
„Hast du mal auf die Uhr geschaut, Jay? Wir müssen dann los. Da ist diese Vollversammlung aller Schulen, bei dem die irgendwas verkünden wollen. Und du wolltest doch unbedingt mit Cedric reden. Jay? Jay?! Hörst du mich? Geht es dir gut?" Theos Stimme wird panisch.
„Ich bin okay und ich höre dich. Ich brauche nur noch einen Moment." Jay kann im Spiegel sehen, wie er in dem Moment weiß wird, in dem Theo Cedric erwähnt. Er reibt sich die Wangen mit dem Handtusch und klatscht dann zweimal dagegen, um wieder etwas Farbe in sein Gesicht zu bekommen. Es knallt erneut an der Tür.
„Jay." Jay verdreht die Augen. Es sind alle immer noch so überbeschützend ihm gegenüber und wenn er sich irgendwo alleine befindet und für ein paar Momente nicht rührt, dann werden sofort alle besorgt. Jay mag es nicht, es nervt ihn. Aber es holt ihn auch immer wieder aus den dunklen Gedanken und das passt ihm dann doch ganz gut. Andernfalls würde er sich in diesen düsteren Gedanken wohl verlieren.
Er wirft einen letzten, kontrollierenden Blick in den Spiegel, er sieht immer noch nicht gut aus, mit geröteten Wangen und andernfalls bleich, aber es geht. Er zuckt mit den Schultern, ändern kann er es jetzt eh nicht mehr. Als er die Tür öffnet, hat er den Blick auf Theos Gesicht gerichtet, um dessen Reaktion zu sehen. Diese ist kurz geschockt, dann aber erleichtert.
Theo drückt ihm seine Tasche in die Hand und richtet seine Krawatte. Jay verkneift sich einen Kommentar, obwohl er sich an Jill erinnert fühlt. „Du siehst nicht sonderlich fit aus, aber das weißt du sicher selbst. Komm jetzt, wir wollen ja nicht zu spät kommen." Theo packt ihn an der Hand und zieht ihn aus ihrem Schlafsaal in Richtung der großen Halle.
Der Gemeinschaftsraum ist leer und auch auf den Gängen ist kaum jemand. Aber schon im Vorraum der großen Halle stehen alle in kleinen Gruppen herum und diskutieren. Jay sieht sich hektisch um, doch Theo zieht ihn unbeirrt weiter in die Halle, wo Jays Blick sofort zum Tisch der Hufflepuffs wandert. Er findet Cedric beinahe sofort und seine Augen kleben an dem Älteren.
„Theo, ich geh eben zu Cedric. Ich will noch mit ihm reden." Jay zupft Theo am Ärmel und wartet, bis dieser nickt, ehe er sich auf den Weg zu dem gelben Tisch macht. Die Halle, die vor Geräuschen zu vibrieren scheint, wird in Jays Gedanken auf einmal leise, als seine gesamte Aufmerksamkeit von Cedric eingenommen wird. Der lacht über etwas, was einer seiner Hauskameraden gesagt hat.
Jay liebt dieses Lachen, dass so voll von Fröhlichkeit und Lebenswille ist. Es ist ein Lachen, dass er noch so häufig wie möglich sehen will. Der Gedanke daran, dass er nie wieder der Grund dafür sein könnte, lässt ihn mitten in der Halle erstarren. Er ballt die Fäuste, sodass sich die Nägel in die Handballen bohren und der Schmerz bringt ihn zu sich zurück.
Mit einem Atemzug, den er langsam durch die Nase wieder ausatmet und versucht sich so zu beruhigen, setzt er wieder einen Fuß vor den anderen und bleibt erst wieder direkt vor Cedric stehen. Dieser hebt den Kopf und sieht Jay an. Das Lächeln, dass sich auf Cedrics Lippen ausbreitet ist beinahe so strahlend wie sein Lachen.
„Jay, hey. Kann ich was für dich tun? Bist du auch schon so aufgeregt wie ich auf die Verkündung? Bei uns gibt es schon Wetten, was so groß verkündet werden soll. Die meisten glauben es hat was mit dem Turnier zu tun, nur ist sich niemand sicher was genau. Für die Verkündung des Endresultats ist es eigentlich noch zu früh."
„Ich wollte eigentlich nur mit dir reden." Jays Stimme ist leiser als er gehofft hat und sie zittert etwas.
„Sicher. Sollen wir..." Ein Signalton unterbricht Cedric, der schon aufgestanden ist, und er setzt sich wieder. Jay will schon zu seinem Tisch gehen, doch Cedric greift ihn am Handgelenk und zieht ihn auf seinen Schoß. Jay weiß, dass sein Gesicht rot anläuft, einfach weil es warm wird, und als Cedric seine Arme um Jays Bauch schlingt und sein Kinn auf Jays Schulter legt wird diesem nur noch wärmer.
„Ich sollte wirklich zu meinem Tisch gehen." murmelt Jay, doch eigentlich will er nicht, dass Cedric ihn loslässt. Die starken Arme um seinen Bauch geben ihm ein Gefühl von Sicherheit, das er nicht verlieren möchte.
Cedric lacht und sein Lachen, dass seinen Körper vibrieren lässt, hört Jay nicht nur, sondern er spürt es auch. „Es ist nur eine Verkündung. Wir müssen nicht nach Häusern getrennt sitzen. Die meisten sitzen ja nicht einmal bei ihrer Schule. Die von Durmstrang und Beauxbatons sitzen an den Haustischen."
Jay sieht sich um und er erkennt, dass Cedric recht hat. Die Schüler aller drei Schulen sind bunt gemischt und niemand scheint etwas dagegen zu haben. Glücklich lehnt er sich tiefer in Cedrics Umarmung, um sie zu genießen. Wer weiß, ob er sie je wiederbekommen wird.
Vorne, auf der Erhöhung, auf der sonst der Lehrertisch steht, sammeln sich die Verantwortlichen für das Turnier. Jay muss zugeben, die Theorie der Hufflepuffs macht Sinn. Eine solche Verkündung macht nur Sinn, wenn es das Turnier betrifft, ansonsten müssten nicht alle anwesend sein.
Ihr Schulleiter räuspert sich und spricht dann einen Sonorus auf sich selbst. „Da wir uns nun alle hier eingefunden und Platz genommen haben, habe ich die große Ehre die Punktestände der Schulen bekannt zu geben. Es führt Durmstrang mit 764 Punkten, dicht gefolgt von Hogwarts mit 740 Punkten und Beauxbatons mit 699 Punkten. Doch eine letzte Aufgabe steht noch an und diese kann das Punktetableau noch einmal komplett wenden. Damit darf ich an meine verehrte Kollegin Madam Maxim abgeben."
„Ich danke Ihnen, Direktor McCoy. Ich habe die Ehre die letzte Aufgabe für dieses Turnier anzukündigen. Jede der Schulen wählt einen Vertreter, der diese Aufgabe für seine Schule absolvieren wird. Die Aufgabe besteht daran, sich durch ein Labyrinth voller Gefahren zu kämpfen und als erster die Mitte zu erreichen. Dort wartet ein Portschlüssel, der den Gewinner zurückbringen wird. Der Punkteabstand wird in Zeit umgerechnet, sodass der Champion von Durmstrang das Labyrinth zuerst betreten wird."
Sie macht Platz und Direktor Karkaroff nimmt ihren Platz ein. „Der Vertreter der Schulen wird allein von den Schülern gewählt, muss von dem Direktor der Schule aber bestätigt werden und über dem Alter von 16 Jahren sein. Ansonsten gibt es für die Kandidaten keine Voraussetzungen. Es bleibt nur daran zu erinnern, dass die Teilnahme gefährlich sein kann und auf eigene Gefahr begangen wird."
Kaum hat er geendet, da bricht unter den Schülern Getuschel los. Auch am Tisch der Hufflepuffs. Cedric aber wendet sich Jay zu. „Du wolltest mit mir reden?" Jay nickt. „Dann komm." Cedric gibt ihm einen kleinen Stubs, sodass er aufsteht und steht dann selbst auf.
Sie kommen aber keine drei Schritte weit, da wird Cedric schon von der Seite angesprochen und beinahe von Jays Seite gezerrt. Ihm sinkt das Herz in der Hose, als der den Blick aus Cedrics Welpenaugen sieht. „Geh mit deinen Freunden. Wir reden wann anders darüber." Cedric lächelt entschuldigend, lässt sich dann aber von seinen Freunden wegziehen.
Jay sieht ihm hinterher und zuckt zusammen, als ein Arm um seine Schultern geschlungen wird. Es sind Theo und Dana, die auf ihn einplappern und ihn aus der Halle ziehen, doch Jay hört ihnen nicht zu.
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Die neue Generation im Haus der Schlangen
FanfictionJay kehrt zu seinem vierten Jahr nach Hogwarts zurück, das erste Mal ohne seine Beschützer. So verändert sich auch das Haus Slytherin, dass sich so lange auf die Beiden verlassen hat. Während er versuchen muss, sich daran zu gewöhnen und selbst mit...
