P.o.V. Kōtarō
Mit Sugawara zu fahren war angenehm. Er stellte keine Fragen und führte Smalltalk mit Keiji. Irgendwie war er dafür echt dankbar, denn die vorherige Unterhaltung beschäftigte ihn sehr. Kōtarō wollte gerne helfen, wusste aber noch nicht wie. Ratlos ließ er seinen Blick über die vorbeiziehenden Häuserreihen schweifen. Die Lage war tatsächlich sehr kompliziert. "Wir sind da. Ich bleibe hier im Auto, habt euren Spaß." Suga parkte vor dem Einkaufszentrum. Dann reichte er ein T-Shirt und ein paar Flipflops nach hinten. Irritiert nahm Keiji diese entgegen. "Du kannst nicht barfuß und oben ohne einkaufen gehen.", erklärte die Eule. Der Meermann zog sich an und sie sprangen aus dem Auto. Es war kein besonders großes Einkaufszentrum, nur zwei Stockwerke, dennoch griff Keiji nach der Hand seines Freundes als sie vor dem Gebäude standen. "Na dann." Sie traten ein. Es war nicht besonders voll, ein paar Schüler, die hier ihre Mittagspause verbrachten und die ein oder andere Familie, welche letzte Einkäufe vor dem Wochenende tätigte, waren die einzigen Besucher. Kōtarō sah sich nach einem Kleidungsgeschäft um. Rechts zwei Restaurants, links eine Apotheke und ein Sportgeschäft, gegenüber ein Lebensmittelladen. "Sieht aus, als müssten wir eins weiter nach oben." Keiji klammerte sich an seine Hand, als er ihn zu der Rolltreppe zog. "Was ist das?"
"Eine Rolltreppe. Für faule Menschen, die sich nicht bewegen wollten." Kōtarō sah den Meermann einen Moment lang an, während dieser versuchte den richtigen Moment abzupassen. Mit einem Seufzen legte er die Arme um die Hüften seines Freundes und hob ihn hoch. Dieser sah ihn erschrocken an. "Kōtarō! Hier sind doch überall Leute."
"Ist doch egal." Er setzte Keiji auf der Treppe ab und betrat sie ebenfalls. "Wenn ich schon das Glück habe einen so perfekten Mann meinen Freund nennen zu dürfen, kann das auch ruhig die ganze Welt sehen." Der Meermann wurde rot.
"Idiot."
"Keiji?"
"Ja?"
"Kann ich einen anderen Spitznamen bekommen?"
Keiji lachte sein wundervolles Lachen und versuchte von der Rolltreppe zu treten. "In Ordnung. Ich denke mir was aus." Grinsend legte Kōtarō einen Arm um ihn und lupfte sein Wasserwesen von der Treppe. Keiji sah zu ihm hoch, seine Augen strahlten. Das zu sehen allein machte die Eule schon zum glücklichsten Menschen der Welt. Sein Freund stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen flüchtigen Kuss. Sofort wurden die Wangen des Älteren warm. "Was war das denn? Ich dachte, hier wären überall Leute."
"Und ich dachte, die ganze Welt soll sehen, dass wir zusammen sind."
Kōtarō starrte ihn an. "Wie kann man nur so perfekt sein?", murmelte er. "Sag du es mir, du bist der Perfekte von uns. Ich glaube, wir müssen da hin." Er deutete auf einen Kleidungsladen gegenüber der Rolltreppe. Dieser Junge war so... so... Nein, kein Wort konnte das beschreiben. Keiji zog an seiner Hand. "Kam das so überraschend? Tut mir leid, die Vorlage war zu gut, das konnte ich nicht ungenutzt lassen." Kōtarō lächelte Keiji an. "Ich liebe dich." Sein Freund lief knallrot an. "Kōtarō. Das war... Das kam überraschend." Die Eule machte noch einen weiteren Schritt auf ihn zu und legte seinen Arm um die Schultern des Meermannes, ohne jedoch seine Hand loszulassen. "Dann lass uns mal gehen, Arielle."
P.o.V. Keiji
Der Laden war beängstigend groß. Keiji war vorher noch nie Kleidung kaufen gewesen, seine Eltern hatten ihm immer alles Nötige besorgt. Etwas überfordert lief er Kōtarō hinterher. "Such dir einfach etwas aus. Ich suche so lange ein paar Hosen für dich." Der Meermann nickte und sah einen Kleiderständer mit T-Shirts durch, ohne wirklich eine Ahnung zu haben, was er suchte. Dann fiel sein Blick auf eine große Wand. Lauter Kleiderbügel hingen an den daraus hervorstehenden Stäben. Daran wiederum hingen Badehosen, in den verschiedensten Farben und Formen. Zufrieden lief er hinüber und besah sich die Hosen. Einige davon waren wirklich schön. Er suchte sich ein paar aus und sah sich um. Wo war Kōtarō? Langsam breitete sich dieses Gefühl von Panik in ihm aus, hektisch schaute er um sich. Er kannte sich hier nicht aus, wenn er seinen Freund nicht fand... "Ich bin hier.", ertönte die sanfte Stimme von hinter ihm. Erleichtert drehte er sich um. "Verschwinde nicht einfach so, sonst habe ich..." Sein Freund fuhr ihm durch die Haare und lächelte ihn an. "Keine Sorge, ich lasse dich nicht alleine. Ich habe alles, gehen wir zur Umkleide." Keiji hob seine Ausbeute hoch. "Ich habe auch Hosen gefunden." Kōtarō lachte. "Ja, Badehosen. Du brauchst schon was Richtiges zum Anziehen. Jeans, Shorts und Oberteile. Komm mit, du musst das noch anprobieren." Der Meermann zog schmollend die Lippen zusammen. "Wieso reicht eine Badehose nicht?" Kōtarō nahm ihm die Kleidungsstücke wieder weg und begann sie zurück an die Haken zu hängen. "Durch eine Badehose kann man zu viel sehen." Er kehrte zu seinem Freund zurück und nahm seine Hand. "Und welchem guten Boyfriend wäre es egal, dass jeder andere die gleiche Aussicht genießen darf wie er selbst?" Es überraschte Keiji, dass die Eule so offen darüber sprach ohne rot zu werden. Er hatte ihn wohl doch schon zu sehr abgehärtet. Schade eigentlich, sein Kōtarō war echt süß wenn er rot anlief. "Hast wohl Recht." Lächelnd zog der Große ihn zu den Umkleiden. Es waren fast alle leer, doch der Vogelmann führte ihn zielstrebig zu der hintersten Kabine. Auf den fragenden Blick antwortete er nur: "Da sieht dich nicht jeder." Dann überreichte er ihm die Anziehsachen. Schicksalsergeben nahm er den Stapel entgegen und verschwand in der Umkleide. Wie erwartet waren die Hosen aus festem Stoff, kein bisschen elastisch und eng. Keiji seufzte und versuchte sich in das erste Kleidungsstück zu zwängen. Ein Bein heben, die Hose über den Fuß... Er hätte den Flipflop vorher ausziehen sollen. Aber er wollte auch nicht wieder zurück. Also drückte er mit mehr Nachdruck gegen die Öffnung, um auch mit Schuh hindurchzukommen. Der Meermann verlor das Gleichgewicht. Polternd fiel er gegen die dünne Kabinenwand. "Keiji?" Das Wasserwesen rappelte sich auf. "Ich bin okay. Hab nur das Gleichgewicht verloren." Er hörte Kōtarō glucksen. Dieses Geräusch... wahrscheinlich machte der Große gerade ein total niedliches Gesicht. Aber er konnte es nicht sehen, weil er es nicht schaffte sich eine Hose anzuziehen! Armselig. Unzufrieden streifte er die Flipflops ab und legte sich erneut die Kleidung zurecht. "Brauchst du Hilfe?", drang die belustigte Stimme seines Freundes herein. "Nein! Komm nicht rein, ich kriege das hin." Verzweifelt zwängte Keiji seinen Fuß in das Hosenbein. Wieder kippte er zur Seite, konnte sich diesmal aber fangen. Das war allerdings nicht minder laut, so hart schlug seine Ferse auf den Boden. Plötzlich wurde der Vorhang zur Seite gezogen. Erschrocken sah der Meermann hinüber. "Das klingt aber ganz anders." Kōtarō grinste sein himmlisches Grinsen und trat zu ihm in die Kabine. Den Vorhang zog er hinter sich wieder zu. Ein seltsames Gefühl breitete sich in dem Jüngeren aus. Die Atmosphäre hier hatte sich ganz unverhofft verändert. Zu zweit in einer winzigen Umkleide ganz hinten im Gang, keine anderen Menschen in der Nähe. Er halb nackt und sein Freund breit grinsend. Eine wirklich sehr seltsame Atmosphäre. Er spürte, wie ihm das Blut ins Gesicht schoss. "Du bist so ein... Idiot."
"Also bekomme ich keinen neuen Spitznamen?"
Erstaunt sah Keiji auf. Etwas in Kōtarōs Tonfall war komisch. Ein Gefühl das mitschwang, als hätte die Eule versucht es zu verstecken. Ein Gefühl, das er noch nicht von ihm kannte. Doch Kōtarō lächelte nur als wäre nichts, also beschloss Keiji darüber hinwegzuhören. "Eigentlich passt der Jetzige ganz gut." Sein Freund trat einen Schritt auf ihn zu. "Willst du dich nicht weiter umziehen?" Hatte er falsch geantwortet? Keiji nickte und hob das andere Bein um sich die Hose ganz anzuziehen. Natürlich kippte er auch diesmal weg, doch der Vogelmann griff sofort nach seinen Schultern und hielt ihn fest. "Danke." Er schenkte dem Luftwesen ein flüchtiges Lächeln, welches sein Freund erwiderte. Vielleicht hatte er sich das mit dem Ton doch nur eingebildet. "Oh Keiji." Was war das denn schon wieder für eine Stimmung? "Du bist so... verdammt schön." Bitte was? Woher kam das denn auf einmal? "Kōtarō... sag sowas nicht einfach so. Das ist mir irgendwie..." Die Eule grinste wieder. "Peinlich? Aber es ist doch wahr." Sein Gesicht brannte. Es war schön, dass er ihm jetzt so offen Komplimente machen konnte, aber musste das gleich sowas sein? Er schlug die Hände vor sein Gesicht. "Hör auf." Hör nicht auf. "Aber es kann doch jeder sehen. Das stört mich ein bisschen." Eine der Hände löste sich von seiner Schulter. "Bitte..." Bitte mach weiter. "Immerhin..." Jetzt war die Stimme ganz dicht neben Keijis Ohr, sanft und flüsternd. "gehörst du nur mir." Nur ihm. Eine warme Hand legte sich auf seinen nackten Bauch. Erschrocken ließ er die Hände sinken und sah Kotaro an, der, den Kopf gesenkt, vor ihm stand. Langsam ließ er die Hand nach oben gleiten, fuhr sanft über das angedeutete Sixpack und dann über seine Seite zu seinem Rücken. Keijis Körper begann zu kribbeln, eine angenehme Wärme breitete sich in ihm aus. Dann hob Kotaro den Kopf und sah ihn an, ein irgendwie ironisches aber zugleich auch trauriges Lächeln auf den Lippen. "Hm.", wie ein spöttisches Lachen. "Wie egoistisch von mir. Du gehörst nur mir. Pfff. Sowas zu sagen... als hätte ich keine Erziehung genossen. Tut mir leid, Keiji. Natürlich gehörst du nur dir selbst." Überrumpelt stand der Meermann da, unfähig etwas zu sagen. Kōtarō hingegen drehte sich um und verließ die Umkleidekabine. Da löste sich der Jüngere aus seiner Erstarrung. "Kōtarō! Warte, hey!" Ohne groß darüber nachzudenken lief er hinaus auf den Gang. Sein Freund stand mit geschlossenen Augen an die Wand gelehnt. Er griff nach der Hand seiner Eule und zog ihn an sich. Erschrocken riss dieser die Augen auf. Der unerwartete Ruck brachte ihn zum stolpern, er versuchte sich mit der Hand an der Wand zu fangen. Keiji hatte nicht mit so wenig Widerstand gerechnet und strauchelte ebenfalls. Dann rutschte er ganz weg. Im Fall schloss er die Augen und wartete auf den harten Aufprall. Dann hörte er den Knall. Im nächsten Augenblick lag er auch schon auf... etwas, das nicht der Boden war. Er schlug die Lider auf. Kōtarō hatte ihn im Fall irgendwie gedreht, sodass der Große als erstes auf dem Grund aufgekommen war. Er selbst lag oben auf. Der Vogelmann hob die Hand und fuhr sich über den Hinterkopf. "Uhh.", stöhnte er und hob den Kopf um ihn anzusehen. "Das war anders geplant gewesen. Geht es dir gut?" Keiji nickte. "Und du sagst, dass du selbstsüchtig bist?" Kōtarō sah wieder an die Decke und schwieg. "Du bist die wohl am wenigsten egoistische Person die ich kenne." Der Meermann drehte sanft den Kopf des Luftwesens zu ihm. "Sei nicht so hart zu dir." Er senkte seine Lippen auf die seines Freundes. Er ließ sie eine ganze Weile dort liegen und genoss das Gefühl, als sein Freund sich unter ihm entspannte. Schließlich löste er sich doch von dem Eulenmann und setzte ich auf. Ganz leise meinte er Kōtarō flüstern zu hören: "Womit habe ich das nur verdient?", aber es hätte auch Einbildung sein können.
"Shoppen wir weiter?"
"Ja."
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Complete my World (BokuAka)
FanficBokuto x Akaashi - Eine verbotene Liebe... Eine kaputte Welt... Eine dramatische Tragödie... Und mitten drin ganz viel Haikyu und Fantasy! - Vor vielen Jahrhunderten haben sich die Menschen zu Elementarwesen weiterentwickelt, den sogenannten Urvölk...
