Kapitel 17

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P.o.V. Kōtarō

Mit Keiji stimmte etwas nicht. Eben, als Kōtarō die Küche betreten hatte, waren ihm die Gesichtszüge vollkommen entglitten. Er hatte sich schnell wieder gefangen, immerhin war es Keiji, aber nicht schnell genug. Er wollte das nicht jetzt sofort ansprechen, immerhin war hier ein Haufen von Erdwesen, aber er würde schon noch darüber reden. Diesen verzweifelten und vollkommen überforderten Blick zu sehen... Nun ja, im Augenblick konnte das Luftwesen nicht helfen. Der Meermann lief vor ihm den Weg entlang, schnurstraks und mit einer irgendwie grimmigen Verbissenheit, ohne sich umzudrehen. Was wollte er damit denn erreichen? In dieser Ungewissheit gelassen zu werden machte die Eule einerseits wütend, andererseits nervte ihn die Situation jetzt schon. Er packte Keijis Oberteil und zog ihn nach hinten. Obwohl das Meerwesen inzwischen um einiges besser laufen konnte, einem so plötzlichen Ruck konnte er noch nicht standhalten und so fiel er rückwärts in Kōtarōs Arme. Zufrieden zog dieser den Jüngeren enger an sich und legte das Kinn auf dessen Kopf ab. "Ich weiß, dass irgendwas los ist, also tu nicht so als wäre nichts. Wir reden da später drüber, wenn wir allein sind.", knurrte die Eule leise. Keiji nickte leicht, ließ das aber sofort wieder sein. Ihm war wohl aufgefallen, dass er dem Größeren so einen Kinnhaken verpasste. Kuroo kam über den Hof auf sie zu, er hatte das Auto geholt. "Können wir?" Der Meermann nickte erneut. Kōtarō hob den Kopf und rieb sich den Unterkiefer. "Ja, wir wären soweit.", antwortete er. Nach einer kurzen Verabschiedung von den Katzen stiegen sie ins Auto und fuhren los. Kuroo am Steuer und die beiden 'Turteltäubchen' auf der Rückbank. Die Stimmung war merkwürdig, als wenn sich die mäßige Laune Keijis auf die anderen Anwesenden niederschlagen würde. Nach einer kurzen Weile griff der Meermann nach Kōtarōs Hand, ohne jedoch den Blick vom Fenster zu nehmen. Langsam machte die Eule sich wirklich Sorgen. Sanft drückte er die Hand seines Freundes. Es schien tatsächlich ein bisschen zu helfen, das Wasserwesen entspannte sich sichtbar und begann schließlich eine Unterhaltung. "Sag mal, wie ist deine Familie eigentlich so?" Es war ein bemitleidenswerter Versuch, aber er beschloss mitzuspielen. "Sie sind eigentlich alle ganz nett. Ich habe eine ältere Schwester, sie heißt Kaori. Außerdem meine Eltern Hoshi und Takeyuki Bokuto. Haruki und Akinori sind meine zwei kleinen Brüder. Sie sind Zwillinge und spielen auch mit Volleyball. Vermutlich wirst du dann bald auch ein paar Freunde von mir kennenlernen, die mit im Team spielen. Tatsuki Washio und Yamato Sarukui sind mit die besten Spieler im Team, sie regeln so ziemlich alles, was ich nicht alleine hinbekomme. Besonders Washio ist eine große Hilfe. Sie sind allesamt zuvorkommend und vorurteilsfrei und... ach, so richtig ätzend sozial." Keiji nickte. "Verstehe. Also wie eine Familie sein sollte." Überrascht sah Kōtarō auf, doch sein Freund blickte weiter auf die vorbeifliegenden Felder. "Tut mir leid, es ist nur..." Der Meermann biss sich auf die Unterlippe. "Ach, egal." Langsam machte er die Eule echt sauer. Natürlich, noch war Kuroo da und so konnte er noch nicht darüber reden, aber es ärgerte ihn wirklich, wie der andere offenbar fest davon überzeugt war, ihm würde das entgehen. Auch der schwarzhaarige Fahrer hatte die merkwürdige Stimmung bemerkt und startete einen Auflockerungsversuch. "Bokutos Familie ist echt in Ordnung, da braucht man sich eigentlich keine Gedanken machen. Am Schwersten wird es wohl für ihn, seine Geschwister erzählen nähmlich gerne Geschichten über ihn. Freu dich drauf, Kaori wird dir eine Liste mit all seinen Macken aushändigen, fein säuberlich aufgeschrieben und alphabetisch sortiert." Das schien Keijis Interesse geweckt zu haben, denn er wandte sich von der Scheibe ab. "So etwas existiert?" Die Katze lachte fies. "Und ob, ich selbst habe das ein oder andere ergänzt. Hach ja, und die Brüder erst! Glaub mir, auf das Gespräch kannst du dich freuen!" Keiji lächelte matt. "Jetzt habe ich ziemlich hohe Erwartungen."
"Glaub mir, die werden übertroffen."
"Und ich hab Angst.", merkte die Eule an.

P.o.V. Keiji

Die Unterhaltung hatte ihn tatsächlich abgelenkt. "Von der Liste wusste ich selbst noch nichts. Wann ist das passiert?" Kuroo lachte diabolisch. "Tja, das wirst du wohl nie erfahren. Du solltest dich eher fragen, was es sonst noch alles gibt, von dem du nicht weißt." Kōtarō tat gespielt ängstlich. Als sie auf einer Raststätte zu den Parkplätzen abbogen, war Keijis Laune zumindest etwas besser. Außer ihnen befand sich nur ein einziges, großes, schwarzes Auto auf dem Platz. Lässig daran lehnend stand ein hochgewachsener, blonder Mann mit Brille und sah ihnen entgegen. "Oh, sieh mal einer an, der werte Herr hat sich dazu herabgelassen uns persönlich abzuholen.", bemerkte  Kōtarō belustigt. "Welch Ehre.", kicherte Kuroo. Er hielt neben dem großen Kerl und öffnete die Tür. Auch die Eule stieg aus und half dem Meermann. "Tsukkiiiiiiiiii!", brüllte der Kater und warf sich auf den Blonden. Dieser schenkte ihm einen angewiderten Blick und ignorierte die Umarmung. Eiskalt. Irgendwie mochte Keiji diesen Jungen jetzt schon, er war so... ruhig. "Darf ich vorstellen, das ist Tsukishima. Er ist Mittelblocker in einem weiteren Team und gehört zu den Krähen." Tsukishima pflückte Kuroo von sich. "Hör auf damit. Ist ja nicht so, als hätten wir uns ewig nicht gesehen oder so." Er wandte sich dem Meermann zu. "Ich bin Tsukishima." Keiji schüttelte seine Hand. "Akaashi. Freut mich." Der Riese nickte nur. "Können wir dann los?" Kōtarō grinste. "Sicher."
"Bokuto! Es nimmt Überhand. Er hat mich gekorbt!", beschwerte sich Kuroo. "Ich weiß, ich weiß. Mich hat er noch nicht einmal begrüßt! Wir müssen wohl mal mit seinen Eltern sprechen." Der Brillenträger fuhr herum. "Untersteht euch!", fauchte er, doch die beiden Freunde grinsten nur fies.
"Er hat es nicht abgestritten."
"Hat sie dann wohl als neue Eltern akzeptiert."
"Ein bisschen traurig macht mich das schon."
"Ja, aber es ist das beste für ihn. Unter Artgenossen fühlt er sich dann doch wohler." Tsukishima seufzte resigniert. "Ich habe wenig Lust, mit euch darüber zu streiten. Sie selbst sehen sich doch auch nicht als unsere Eltern." Kōtarō ging zum Kofferraum und holte das Gepäck. "Bist du dir da sicher?", fragte er. "Nur weil sie es nie selbst sagen, heißt es nicht, dass sie das nicht insgeheim genießen." Keiji verstand zwar kein Wort, doch er begrüßte die Ablenkung. "Da fällt mir ein, woher hast du eigentlich das Auto?", warf Kuroo ein. Die Krähe schien langsam echt genervt und schmiss den Rucksack auf den Beifahrersitz. "Von Tadashi." Die Katze rieb sich die Hände. "Lass mich raten, er weiß nichts davon."
"Er hätte nichts dagegen." Kuroo und Kōtarō sahen sich an, als wäre eine total verrückte Theorie gerade belegt worden. "Sag mal...", begann die Eule. "...du und Yamaguchi...", fuhr Kuroo fort. "Ich fahre jetzt! Wer mitkommt soll einsteigen, den Rest lasse ich zurück." Noch immer grinsend verabschiedeten sich die Freunde und die Eule stieg gemeinsam mit Keiji in das Auto. 

Complete my World (BokuAka)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt