Lucius konnte seine Töchter noch einen Tag länger bei sich behalten. Er hatte ihnen den Plan, für den er sehr dankbar war, erklärt und ihnen klar gemacht, dass keine anderen Bedingungen mehr gemacht werden würden. Sonst konnten sie auch da bleiben. Sie waren mürrisch gewesen, aber Siofra hatte es eingesehen und konnte auch Frija schließlich überzeugen.
Der extra Tag gab außerdem die Möglichkeit, noch einmal über die gepackten Sachen drüber zu gehen und sie zu durchdenken, sowie den Mitgliedern der Familie Zeit, sich zu verabschieden. Vor allem Tiberius hatte danach verlangt, zu kommen, aber auch Lucia brauchte das. Auch wenn sie es nicht immer zugeben wollte, sie würde die Chaoten vermissen. Natürlich würde sie das. Sie alle kamen am Tag vor der Abreise, bis auf die Großeltern der Mädchen. Aber um ganz ehrlich zu sein, sie zählten so oder so nicht.
Den ganzen Tag hatten sie gelacht, Spiele zusammen gespielt, gegessen und sich die besten Geschichten erzählt, die sie gemeinsam erlebt hatten. Am besten hatte Lucius die gefallen, als Frija eines Tages, als sie sechs war, einen Vogel mit nach Hause gebracht hatte, den sie mit einem Stein erschlagen hatte. Während er flog. Seine Frau war mehr als nur ein wenig ausgerastet und zusammen mit der kleinen Frija, die so etwas als ganz normal empfunden hatte, war es ein grandioser Anblick gewesen. Zumindest für ihn. Auch wenn er das nie gesagt hatte.
Die Gäste blieben über Nacht, denn die Mädchen würden morgen bei Sonnenaufgang aufbrechen. Keiner wollte das verpassen. Außerdem waren alle gespannt, wen Lucius hatte auftreiben können, der sie nach Germanien brachte. Man hatte nicht so wirklich damit gerechnet, aber jetzt, da Lucius sehr überzeugt gesagt hatte, sie würden auf jeden Fall sicher dort ankommen, wollten es doch alle wissen.
Kurz vor Sonnenaufgang war die Familie auf dem Hof versammelt. Alle waren vor noch nicht ganz so langer Zeit aufgestanden, deshalb hatten sich die meisten einfach warme Felle oder Wolldecken um den Körper gewickelt. Frija und Siofra waren beide von Lucius gut ausgestattet worden. Sie hatten hohe Stiefel bekommen und sie hatten große Beutel aus Leder, durch die nicht so leicht die Nässe vom Schnee an den Proviant kam. Der bestand überwiegend aus sättigendem Brot, Wasser natürlich, Käse, Brei in Tongefäßen, gesalzener Fisch und ein paar Äpfel, die sie seit dem Sommer im kalten Keller gelagert hatten. Lucius hatte sie außerdem in sehr warme Kleidung gezwungen. Unter ihren Kleidern trug jede von ihnen noch einen Unterrock, die Kleider selbst waren statt den üblichen Leinen aus warmer Wolle. Darüber hatten sie warme Fellmäntel mit Kapuzen. Lucius hoffte wirklich, dass das reichen würde. Aber andererseits dachte er auch, dass er Diana schon vertrauen konnte. Sie sorgte schon für die beiden.
Er bemerkte gerade, dass Frija ihren Mantel nicht richtig verschlossen hatte, deshalb ging er zu ihr und zog ihn zurecht. „Vater, danke, das musst du wirklich nicht", versuchte sie, seine Hand weg zu schieben und warf einen Seitenblick zu Spurius, der hämisch grinste. Lucius sagte: „Lass mir das." Sie ließ ihn den Mantel schließen. Er strich durch ihre roten Haare und lächelte sie traurig an. Sie guckte zerknirscht zurück, doch bevor sie etwas sagen konnte, trat Lucius zurück und ließ sie zu ihrer Schwester und ihrem Gepäck gehen. Dann wandte sich sowieso Antonius an Lucius. „Und du hast wirklich jemanden gefunden, dem du deine Töchter anvertrauen willst?" Lucius zog seinen Bärenfellmantel enger um sich und nickte. „Bist du sicher?" Er lächelte seinen Bruder amüsiert über dessen Besorgnis an. „Ich bin sicher. Keine Sorge, wir kennen uns schon länger. Auf Frija und Siofra wird aufgepasst." Immer noch skeptisch aber beruhigter zog sich Antonius zurück zu den Fackeln, bei denen es wärmer war. Langsam setzte wieder Schneefall ein. Am Himmel wurde es etwas heller, die Wolken verdeckten aber das meiste Licht.
Nach ein bisschen Zeit stießen weitere Leute hinzu, die sich von den Zwillingen verabschieden wollten. Ein paar Sklaven wünschten ihnen alles Gute, dann begaben sie sich an ihre Arbeit. Schließlich, nach weiterem Warten, tauchte im Tor des Hofes eine Silhouette auf. Ein Mantel mit Kapuze war zu erkennen. Die Zwillinge griffen aufgeregt nach ihrem Gepäck. Lucia eilte zu ihnen, während ihr ein paar Tränen die Wangen hinunter liefen, und drückte beide fest an sich. Siofra wischte ihre Tränen weg. Danach folgten nacheinander alle Familienmitglieder, als letztes Spurius und Lucius. „P-passt auf euch auf", sagte Spurius, als er seinen Schwestern steif auf die Schultern klopfte. „Keine Sorge. Wir schicken dir ab und zu mal Briefe, du brauchst also nicht zu viel weinen, kleiner Bruder", grinste Frija. „Ich weine gar nicht! Guck, guck! Schau her, nichts!"
Lucius betrachtete lächelnd seine Kinder, bis sich die Zwillinge an ihn wandten. Frija umarmte ihn wortlos. Siofra kam danach und flüsterte: „Danke für alles." Lucius löste sich von ihr und sagte zu ihnen beiden. „Ich werde euch vermissen. Und denkt dran, wenn ihr irgendetwas braucht oder nicht mehr weiter wisst, dann könnt ihr immer zu mir kommen." Sie nickten tapfer. Dann ertönte eine energische Stimme von hinten: „Seid ihr jetzt fertig? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit, also kommt schon." Die Blicke fuhren zu Diana, die jetzt im Licht einer Fackel stand, ihre Kapuze abgesetzt. „Schon gut, schon gut", rief Lucius, „Geht jetzt." Die Mädchen liefen zu Diana und musterten sie interessiert. Sie schickte sie schon zum Tor hinaus und folgte dann selbst. Lucius hielt sie noch kurz zurück. Er blickte zu ihr auf und sagte: „Ich danke dir für deine Hilfe." Sie grinste. Ihr Lächeln war dasselbe, wie Apollos. „Nicht so förmlich, Kleiner. Klar mach ich das. Gern geschehen." Er lächelte sie dankbar an. „Pass gut auf meine Mädchen auf." Sie nickte und verließ dann eilig den Hof. Lucius schaute ihr hinterher. Kurz war er beeindruckt, dass sie nackte Beine hatte. Dann fiel ihm ein, dass sie eine Göttin war.
Er blieb für eine Weile stehen, bis die drei gestalten vollständig aus seinem Blickfeld verschwunden waren. Erst jetzt bemerkte er seinen Bruder, der neben ihm stand und es ihm gleich tat. Antonius sah ihn an. „Und das, was auch immer es war, soll deine Töchter sicher nach Germanien bringen? Und du bist dir sicher?" „Ja?" Antonius schaute ihn an, als hätte er seinen Verstand verloren. Als Lucius sich zum Gehen umdrehte, sah er, dass der Rest seiner Familie das auch tat. Er ging trotzdem nach drinnen. Ihm war kalt.
Er ließ sich in seinem Zimmer in seine Alltagsklamotten kleiden. Danach ging es für ihn zum Frühstück und anscheinend hatte der Rest seiner Familie denselben Gedanken gehabt. So saßen sie gemeinsam und aßen, während sie in Gedanken vor sich hin schwiegen. Es war unangenehm still, das übliche Gekabbel fehlte. Sei es nun zwischen den Zwillingen selbst, zwischen ihnen und Spurius oder Tiberius, mit Lucia, die versuchte, sie zu regeln und Lucius, der mit sanfter Strenge einschreiten musste, oder Lucia Minor, die die Mädchen erfolglos versuchte, zur Ordnung zu rufen.
Antonius brach das Schweigen als erster. „Also... Wie bist du auf diese Idee gekommen? Ich meine Siofra und Frija hatten schon eine verrückte Idee, aber tut mir leid, du hast es nicht besser gemacht. War nicht deine Sorge, dass ihnen etwas zustößt?" Die anderen schienen dieselbe Frage auf den Lippen gehabt zu haben, jedenfalls sahen sie Lucius alle wartend auf seine Antwort an. Er seufzte. „Ich habe doch schon gesagt, es ist alles in Ordnung. Ich vertraue ihr, ich kenne sie schließlich schon eine Weile lang." „Manchmal überraschen mich deine Bekannten wirklich", warf Spurius ein. Lucius zuckte nur mit den Schultern. „Woher kennst du sie eigentlich?", fragte Antonius. „Ausbildung", sagte Lucius knapp. Die Kinder und Lucia Minor sahen sich gegenseitig an, schienen zu keinem Ergebnis zu kommen und wandten sich zu Antonius. Der schüttelte ebenfalls den Kopf und Lucius war erleichtert, dass er anscheinend keine Fragen mehr beantworten musste. Bis er das nachdenkliche Gesicht von Antonius entdeckte. Das irgendetwas zu begreifen schien.
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Amor vincit omnia
Fiksyen Sejarah16 Jahre nach seinem vermeindlichen Tod wacht Apollo aus seinem Koma auf. Er befindet sich wieder auf dem Olymp und muss feststellen, dass seine große Liebe bereits verheiratet ist und ganze vier Kinder hat. Ob er es trotzdem schafft, Lucius wieder...
