„Lieber Apollo,
wir haben Sol in victus schön verbracht und ich hoffe, das hast Du auch. Wir sind alle gemeinsam zu den Feuern gegangen, die Kinder haben sie sehr gemocht. Wir haben uns entschieden, alle gemeinsam zu opfern und haben uns deshalb alle den Preis für einen Ochsen geteilt. Mit ‚wir alle' meine ich übrigens Antonius und Lucia Maior, Tiberius, Spurius, Lucia Minor, Quintus, Siofra und Frija. Gut, wir haben uns nicht alle den Preis geteilt, das waren Antonius und ich. Aber das sind die Leute, die alle mitgekommen sind.
Der Schnee liegt immer noch. Es war wirklich merkwürdig, aber ehrlich gesagt haben die Feuer über dem Schnee noch schöner ausgesehen, als sonst. Und wenn man warm angezogen ist, mit Mänteln und vielen Schichten an Stoff, dann ist es wirklich schön draußen. Aber den Frühling kann ich auch wieder nicht erwarten.
Ich bin aber auch froh, dass Du gute Beschäftigung zu haben scheinst. Es würde mir Leid tun, wenn Du die ganze Zeit einfach nur alleine herumsitzen würdest. Da würde ich ja schon fast darüber nachdenken, ob ich versuchen könnte, Dich zu besuchen. Aber ich bin auch ganz froh, dass ich das nicht muss, denn ob so eine Aktion sicher und reibungslos vonstatten gehen würde, wüsste ich nicht. Ich bleibe lieber bei den Briefen, wenn ich ganz ehrlich bin.
Wenn Hymen vorbei kommt, kannst Du ihm auch gerne Grüße von mir ausrichten. Wenn er mag, kann er übrigens in drei Tagen gerne mal zum Essen zu uns kommen, es gibt Eintopf bei uns. Du hattest ja mal erzählt, dass er den gerne mochte. Und diejenige, die ihn macht, Farah, macht den besten, den ich bisher gegessen habe. Wenn er also Lust hat, zu probieren, soll er einfach hereinschauen. Vielleicht nicht ganz so auffällig durch die Vordertür, aber ein Fenster sollte es definitiv tun. Oder er versucht einfach, nicht ganz so furchtbar göttlich zu wirken.
Das einzig sonst interessante diese Woche war, dass wir einige Sklaven dazu bekommen haben. Einige Bauern haben aufgrund der Kälte ihre Tiere schlachten müssen, andere sind an Krankheiten verstorben. Sie hatten nichts mehr, deshalb haben sie stattdessen ihr Land verkauft und sich auf den Weg zu uns, beziehungsweise mir, gemacht. Es waren ein Bauer, seine Frau und insgesamt vier Kinder, der älteste Sohn ist vierzehn, die jüngste Tochter fünf. Sie haben gefragt, ob wir sie aufnehmen könnten, ich habe es getan. Die Frau backt gut, der Bauer selbst und die Söhne können auf dem Hof helfen. So weit ich weiß, kann das Mädchen weben. Mit etwas Übung kann uns das auch nützlich sein, also werde ich es mir auch leisten können, sie für einen Winter zu versorgen.
Ich denke außerdem schon, dass man bei Spurius' Dichtungen von Berufung sprechen könnte. In der letzten Zeit sitzt er beinahe nur noch daran und berät sich mittlerweile mit seinem Lehrer ausführlich darüber. Keiner hier kann sich daran erinnern, ihn jemals so lange still sitzen gesehen zu haben. Ich werde Dir seine, nun, Werke zeigen, wenn du wieder zurück bist. Ich werde sie nicht abschreiben können oder sonst etwas in der Richtung, Spurius behält sie immer gerne bei sich. Außerdem sind sie sehr notizbehaftet, ich weiß nicht, ob ich einen Überblick darüber bekommen würde, bevor Spurius alles noch einmal ordentlich in einer finalen Form abgeschrieben hat.
Ich vermisse Dich sehr und ich wünsche mir, dass Du bald wieder kommst. Und wehe dir, wenn Du Dich darüber wieder lustig machst, ich darf das und falls Du es tust, schläfst Du auf dem Boden, wenn Du wieder hier bist.
Ich liebe Dich trotzdem.
Liebe Grüße
Dein Lucius"
„Liebe Melilla,
es ist sehr schön zu hören, dass Du schöne Feiertage hattest und dass es Dir und Deiner Familie gut geht. Ich habe mir die Feuer angesehen, ich glaube, ich habe Euch auch gesehen. Ich war natürlich nicht da, aber ich habe Dir ja mal erklärt, wie das mit dem Spiegel funktioniert. So einen gibt es auch hier in Hyperboreer.
Manchmal finde ich es sehr lustig, wie unsere Jahreszeiten das komplette Gegenteil voneinander zu sein scheinen. Du erzählst, wie es bei Euch furchtbar kalt ist, während ich hier mit kaum irgendwelcher Kleidung in der Sonne liegen kann.
Die ‚gute Beschäftigung' beginnt leider langsam, zu schwinden. Natürlich habe ich hier viele Dinge, die ich tun könnte, aber ich bin langsam tatsächlich dabei, zu überlegen, ob ich nicht einfach einen Tag oder zwei bei Dir vorbeisehen sollte. Aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, was das für Auswirkungen haben würde, denn ich habe bisher in keinem Jahr Hyperboreer während meines Besuches verlassen, auch nicht für eine Weile. Ich hatte bisher aber auch noch keine Gründe dafür. Ich werde in der nächsten Zeit mal sehen, was und wie ich es machen könnte.
Von Hymen soll ich Dir schöne zurücksenden. Er hat sich sehr gefreut und Du hättest ihn sehen sollen, als er hier angekommen ist. Wie ich schon prognostiziert hatte, war ich erst einmal unwichtig und er ist alles erkunden gegangen. Später hat er mir dann erlaubt ihn richtig herum zu führen, aber das hat eine Weile gedauert. Außerdem hat er sich die ganze Zeit gewünscht, dass doch Amor da wäre, es wäre mit ihm bestimmt noch viel lustiger. Ich fange in letzter Zeit wirklich an, zu zweifeln, werde ich wirklich so alt? Wirke ich so alt? Ich gehöre doch zu den Göttern, die ewige Jugend besitzen, wo ist das Problem, mit mir durch die Wälder zu streichen und dabei Tricks und Streiche zu planen? Ich sollte Merkur einladen, einfach aus Protest. Dabei hat er leider immer so viel zu tun, ich weiß nicht, ob er Zeit hat. Vor allem hast Du ja erzählt, dass bei Euch gerade Schnee liegt, da gibt es bestimmt mehr tote Seelen als sonst. Das ist schade, aber was soll man schon machen. Ich glaube, er wird einfach keine Zeit haben.
Ach, und zu Deiner Einladung an Hymen, hätte ich fast vergessen, erwarte ihn in den nächsten Tagen. Er hat sich sehr gefreut und meinte, ein gutes Essen könne man sich doch nicht entgehen lassen. Und Dich selbst mag er ja auch sehr gerne, also ja, er kommt.
Und keine Sorge, Melilla, ich finde es sehr süß, dass du mich so vermisst. Solange musst du es aber aushalten können, du bist doch schon ein großer Junge. Nein, nein, ignoriere das, ich habe überhaupt keine Kommentare gemacht. Ich bin ganz lieb. Ich will nicht auf den Boden. Ich wüsste nicht, ob Du mich aus dem Bett heraus bekommen würdest, wenn ich einmal drin bin, aber ich habe leider die leise Vermutung, dass Dir schon etwas einfallen würde, nicht? Also ja, ich habe gar nichts gesagt, ich muss nicht auf den Boden.
Ich vermisse Dich auch schrecklich, bereite Dich darauf vor, Dir einen Tag frei zu nehmen, sobald ich wieder da bin. Der ist dann für mich. Was hältst Du davon, einfach im Bett liegen zu bleiben? Ich denke, das wäre doch ein Anfang, um die Zeit aufzuholen.
Bis dahin liebe Grüße und ganz viele Küsse, die ich nicht mehr als Zahl definieren werde
Dein Apollo"
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Amor vincit omnia
Historische Romane16 Jahre nach seinem vermeindlichen Tod wacht Apollo aus seinem Koma auf. Er befindet sich wieder auf dem Olymp und muss feststellen, dass seine große Liebe bereits verheiratet ist und ganze vier Kinder hat. Ob er es trotzdem schafft, Lucius wieder...
