Die Wettbewerbe II

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Der Abend war angebrochen und die Sonne hing nur noch mit ihrem letzten Zipfel über den Dächern der Hauptstadt der Welt. Im Pompeiustheater war die Pause angebrochen, die in der Mitte der Wettbewerbe lag. Lucius saß nach wie vor mit seiner Familie in seiner Reihe, die Zwillingsschwestern waren wieder zu ihnen gekommen. Die vorderen Reihen waren wesentlich angenehmer, wenn es zu der Wahrscheinlichkeit von Prügeleien kam. Die ersten Unruhen hatte es im gegenüberliegenden Block schon gegeben, aber jetzt gerade war es friedlich. Lucia war allerdings zu Quintus gegangen, nachdem sie versprochen hatte, gleich zurück zu kehren, wenn es gefährlich werden sollte.

Lucius hörte nur mit halbem Ohr zu, wie Spurius ihnen von den Dichtern erzählte und was er an ihnen am meisten gemocht hatte. Ab und zu brummte er zustimmend, oder ließ ein scheinbar interessiertes „Aha." hören, doch mit seinen Gedanken war er woanders. Er war sich nicht sicher, ob andere das merkten, doch er hoffte nicht darauf.

Gerade hatte er sein wievieltes-auch-immer Hähnchen aufgegessen, als er einen Stupser an der Schulter spürte. Er drehte sich verwundert um und hinter ihm in der Reihe stand ein freundlich lächelnder Apollo. „Hallo! Ich hoffe, ich störe nicht?"  Lucius drehte sich halb auf seinem Sitz um. „Ich denke nicht, mein Sohn Spurius hat sich bloß gerade warm geredet." „Oh, über was?", fragte Apollo neugierig, während er sich auf der Rückenlehne neben Lucius niederließ, so gut es ging. „Die Dichter und ihre Auftritte." „Oh ja, ich fand den mit dem Werk über Minthe nicht schlecht."

Aus dem Augenwinkel bemerkte Lucius, dass Antonius sich nun auch zu ihnen gewandt hatte. Die Zwillinge standen so oder so mit dem Blick in ihre Richtung. Lucius Kopf lief bereits auf Hochtouren, wie er mit dieser Situation jetzt umgehen sollte, als die beiden Jungen den Unbekannten nun auch bemerkten. Und Spurius hatte es niemals so sehr damit, sich zurück zu halten. Jedenfalls schaute er ein paar Mal mehr als auffällig an Apollo herauf und hinunter, blieb häufiger an seiner, mit Goldfäden zusammen gehaltenen Frisur hängen und dem sich anschmiegenden breiten Gürtel. An dem Lucius selbst schwerlich vorbei gucken konnte, aber er hielt seine Augen doch recht erfolgreich bei denen von Apollo.

Schließlich drehte er sich um und sagte an seine Familie gewandt, die ihn alle fragend ansahen: „Das hier ist Chrysalliòn. Chrysalliòn, das sind mein Bruder, sein Sohn und meine eigenen Kinder. Die jüngste Tochter fehlt allerdings, sie ist gerade bei ihrem Verlobten." Apollo begegnete allem mit einem süßen Lächeln. „Es freut mich, auch alle kennen zu lernen. Der Herr Lucius hat schon viel von euch erzählt." Besagter nestelte an seiner Toga herum. Es war furchtbar ungewohnt, „Herr Lucius" von jemand anderem als seinen Sklaven oder Fremden zu hören. Und dann auch noch von Apollo, oh Götter.

„Ähem, wenn ich fragen darf... Woher kennt ihr zwei euch", fragte Spurius nach. Lucius war unfassbar erleichtert, als Apollo für sie beide antwortete. „Wir haben uns auf der Eröffnungsfeier kennengelernt. Der Kaiser hatte meine Begleitung erwünscht und daher lag ich neben eurem Vater. Vielleicht haben die Mädchen mich ja gesehen. Danach haben wir uns noch einmal flüchtig im Palast gesehen." Frija wiegte ihren Kopf. „Es tut mir leid, aber ich erinnere mich nur daran, dass irgendwer bei Vater war. Nicht an ein Gesicht oder sonstiges. Verzeiht." „Ach was, schon gut. Ich denke, ihr wart selbst eher damit beschäftigt, euch selbst möglichst gefahrlos aus der Misere zu lenken, nicht?", kicherte Apollo. Siofra kratzte sich verlegen am Hinterkopf und Frija nickte.

„Nun ja, ich glaube, die Pause ist in nicht allzu weniger Zeit vorbei. Ich gehe lieber schnell nach unten, ich weiß nämlich auch nicht, wie lange es dem Kaiser genehm ist, dass ich weg bin. Und ich möchte noch unten bei meinen Dichterkollegen vorbei schauen." „Viel Spaß", wünschte Lucius. „Vielen Dank, Euch auch." Im Weggehen rief Spurius ihm noch hinterher: „Ich freu mich, eure Bekanntschaft gemacht zu haben! Kommt doch gerne mal wieder, wenn ihr euch über Dichtkunst unterhalten mögt!" Apollo drehte sich kurz um, grinste und winkte. Zufrieden setzte sich Spurius wieder gerade auf seinen Platz und murmelte halblaut, aber so, dass Lucius es noch hören konnte: „Wenn er häufiger im Palast ist, hat er sicher die besten Geschichten auf Lager." Frija nickte eifrig.

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