Juno und andere Götter

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Lucius stieg die Treppe in den ersten Stock hinauf, nach rechts in den Westflügel. Er kam an der Türe seiner Gemächer an und schluckte, sandte in Gedanken ein kurzes Stoßgebet. Dann öffnete er die Türe.

Alle riesigen Steine schienen ihm vom Herzen zu fallen, er seufzte erleichtert aus, als er sah, dass seine Sorge unbegründet gewesen war. Auf dem Bett hatte Apollo es sich gemütlich gemacht, wohl einige weitere Kissen aus den Truhen geholt, kritzelte etwas auf einer kleinen Wachstafel. Er sah auf, als Lucius eintrat und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Er ließ die Tafel verschwinden und breitete die Arme aus, Lucius nahm die Einladung gerne an und ließ sich in seine warme Umarmung fallen. Er schmiegte sich an Apollos Brust und ihm war es sehr egal, dass er noch Schuhe und Toga trug und seine Beine auch noch halb über dem Bettrand hingen.

Diesen Umstand änderte Apollo auch bald, als Lucius spürte, wie sich seine Sandalen lösten und verschwanden, genau, wie der Stoff um seinen Körper sich löste und Lucius aus dem Augenwinkel sah, dass er sich faltete und über dem Hocker zusammenfaltete.

Er krabbelte weiter auf das große Bett und ließ sich endgültig zu Apollo in die Kissen sinken. „Also... Worüber habe ich mir heute den ganzen Tag unnötig Sorgen gemacht?", nuschelte er ausgelaugt. Apollo lachte leise. „Tut mir leid dafür. Willst du noch was Essen?" Neben Lucius erschien eine Schüssel mit Suppe. Er drehte sich langsam um, kuschelte sich in Apollos Arme und nahm die Schüssel entgegen. Er fing an zu essen, fragte dann aber doch nach ein paar Löffeln erneut: „Willst du erzählen? Du scheinst einigermaßen gut drauf zu sein", erwähnte er mit einem Blick auf das leichte Lächeln, das die ganze Zeit kein bisschen von Apollos Gesicht gewichen war. „In Ordnung. Ich sage dir, heute war bei uns richtig was los..."

„Apollo, du hast dich immer noch nicht von diesem Menschen losgesagt. Tu es endlich, mach es dir selbst nicht so schwer. Du weißt, dass meine Forderungen lediglich der väterlichen Sorge entspringen und ich wäre sehr erfreut, wenn du auch nur ein einziges Mal auf sie hören würdest."

Der goldene Sohn des Jupiter kniete, wie so oft in letzter Zeit, im Thronsaal seines Vaters und hörte sich dieselbe Standpauke zum bestimmt elften Mal an. Er hob seinen Kopf, erneut der entschlossene Ausdruck in seinem Gesicht, der seinem Vater so viel Sorge bereitete.

„Ich habe es dir schon mehrmals gesagt, das wird nicht passieren. Ich bin bereits für ihn durch den Tod gegangen, ich habe es mit Freuden getan, und wenn ich wüsste, dass mein Leben morgen enden würde, würde ich jede einzelne verbleibende Sekunde mit ihm verbringen wollen."

Jupiter rieb sich über seinen Nasenrücken, er sah aus, als könne er schon nicht mehr für die Stabilität seiner Nerven garantieren. Unter ihnen grollte es schon.

Mit einem Rumms wurde die Türe aufgeworfen, zwei Augenpaare sahen sich überrascht um, als sie den Saal betrat. Die Königin des Olymp, Juno, treue Frau des Jupiter. Hinter ihr folgten Diana, Merkur, Venus, ihr Sohn Cupido, Hymen und sogar Mars, die jedoch alle wirkten, als hätte ihnen ein etwas weniger dramatischer Auftritt durchaus gereicht. Außer Venus. Und Mars sah so aus, als wäre er ganz und gar nicht freiwillig hier.

„Was wollt ihr hier?", natürlich klang Jupiter nicht erfreut. Doch seine Frau lächelte, war sie doch sehr immun gegen jegliche Launen ihres Mannes. „Oh, wir wollten gar nicht stören, keine Sorge. Wir hatten nur von der Diskussion, die hier geführt wird, erfahren und wollten wissen, ob man nicht daran teilnehmen könne." Das Lächeln wurde zuckersüß. Jupiter schlug mit seiner Faust auf die rechte Lehne seines Throns. „Nein, hier kann niemand teilnehmen. Das ist eine Sache zwischen Apollo und mir. Verschwindet!"

Gemächlich ließ sich Juno auf ihrem Thron neben ihrem Mann nieder. „Das entscheide ich, sobald einer von euch beiden mir erklärt hat, worum es geht."

Apollo musste zwei Mal denken. Er war heute morgen doch aufgewacht, oder nicht? Doch, er war eigentlich wach. Er kniff sich verstohlen in sein Bein, das war das, woran er am ehesten drankam. Es tat weh. Gut, dann am besten erst einmal nichts Falsches sagen, lass Juno vorher reden, sie kann das besser.

Auch der Rest beschwor sich nun Stühle herauf und setzte sich so hin, dass sie mehr oder weniger einen Kreis bildeten, Diana, Merkur und Mars rechts von Apollo, Venus, Cupido und Hymen links von ihm.

„Also?", Juno sah zwischen Apollo und Jupiter hin und her, auf eine Antwort wartend. Jupiter sah so aus, als würde er sie alle gleich auf ewig verfluchen, vielleicht mit Würmern in den Ohren, und nicht darauf ausgelegt, noch ein Wort zu sprechen. Aber Apollo wusste, wie ungeduldig Juno manchmal sein konnte und wenn sie schon mal hier war, musste das etwas heißen. Also fasste er sich ein Herz.

„Vater fordert mich nur erneut dazu auf, mich von dem Sterblichen Gaius Lucius Aquilius loszusagen. Er ist der Meinung, er sei nicht gut für mich und würde mir mit seinem Tod erneut Schmerz bereiten, nachdem ich ihn schon vor dem Tod bewahrt habe. Ich habe jedoch keinerlei Intentionen, diesem Rat zu folgen, da mich Gaius Lucius Aquilius von allen Geschöpfen, die mir bisher begegnet sind, am glücklichsten macht."

Juno nickte, offenbar mit der Aussage zufrieden. Dann wandte sie sich an ihren Mann. „Ich beurteile diese Diskussion als eine, an der wir teilnehmen sollten. Wir bleiben." Jupiter sagte noch immer kein Wort, er hatte die Lippen aufeinander gepresst und warf jedem einzelnen im Raum Todesblicke zu. Doch Mors* schien gerade nicht Willens zu sein, darauf einzugehen. „Also, wer möchte den ersten Kommentar äußern?", fragte Juno freundlich in die Runde. Mars hob erstaunlicher Weise als erster die Hand und Juno nickte ihm bestätigend zu. Er hatte das Wort. „Warum genau bin ich hier?" „Das ist kein Kommentar, sondern eine Frage, Sohn. Ja, Diana bitte." Mars rutschte unzufrieden weiter an der Lehne seines Stuhls hinunter. „Ich schließe mich Apollos Aussagen an. Ich habe meinen Bruder selten so strahlend und voll von Inspiration und vor allem von Liebe gesehen. Ich kann diese Verbindung nur befürworten." Als Apollos Augen zu seiner Schwester huschten, zwinkerte sie ihm unauffällig zu. „Danke sehr. Hymen?" „Dies kann ich bestätigen. Außerdem möchte ich anmerken, dass ich bereits einige Zeit mit Gaius Lucius Aquilius verbracht habe und ihn kennen gelernt habe. Ich kann keinerlei der Aussagen über schlechten Einfluss auf meinen Vater von seiner Seite unterstützen. Diese scheinen mir eher erstaunlich fern."

Venus war als Nächste dran. „Ich denke, ich kann mir erlauben, mich selbst als Expertin in diesen Angelegenheiten zu bezeichnen. Und als Expertin sage ich: absolut positiver Eindruck. Keine Mängel vorhanden oder Anmerkungen zu machen. Ich befürworte diese Beziehung." Und sie murmelte, auch wenn es noch recht gut hörbar war: „Außerdem ist es so romantisch. So viel Liebe mit der richtigen Prise Drama und dann auch noch diese Sterblichkeit. Herrlich." Cupido blieb seiner Mutter treu. „Ich kann mich damit ebenfalls identifizieren. Außerdem habe ich mir genug Arbeit dabei gemacht. Sieh es als Entschuldigung für die Sachen, die zwischen uns nicht so gut gelaufen sind, ja?", meinte er mit einem schiefen Grinsen an Apollo gewandt. Dieser lächelte stumm und nickte. Entschuldigung angenommen.

Als letzter warf Merkur ein: „Es wurde eigentlich schon alles gesagt. Ich kann mich allen Aussagen anschließen und habe nichts Weiteres anzumerken. Nur das Gaius Lucius Aquilius ein wirklich guter Kerl ist." Juno nickte erneut, sie hatte die Hand an ihr Kinn gelegt und schien nachzudenken. Schließlich schien sie zufrieden mit ihrem gedanklichen Ergebnis und hatte sich die Worte zurecht gelegt. „Also dann, Olympier. Ich schlage eine Abstimmung vor. Wer die Verbindung zwischen Apollo und Gaius Lucius Aquilius befürwortet, hebt die Hand." Sechs Hände wanderten nach oben. Apollo war sich nicht sicher, ob er einbezogen war, aber er hob auch seine Hand vorsichtshalber.

„Gut, sieben Stimmen", er war also doch mitgezählt worden. „Wer dagegen ist, hebe jetzt die Hand." Jupiters hob seine Hand und schaute immer noch sehr, sehr grimmig in die Runde. Fragende Gesichter drehten sich in Richtung Mars. Dieser verdrehte die Augen und erklärte: „Ich enthalte mich. Ist mir doch egal, wen er liebt, wenn er das so haben will, soll er doch." Apollo grinste, das war das netteste, was sein Halbbruder seit langem zu ihm gesagt hatte.

Amor vincit omniaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt