Lucius saß in seinem Arbeitszimmer. Er hatte sich einen Tag frei genommen, nachdem die gestrigen Termine allesamt gut verlaufen waren und die Vorbereitungen für den Moment abgeschlossen waren. Er war zwar gerade dabei, Einladungen zu entwerfen, aber immerhin war das nicht halb so anstrengend und er konnte zuhause bleiben. Er hatte gerade den ersten Entwurf fertig, als es an der Türe klopfte. „Herein", meinte der Hausherr und seine jüngste Tochter streckte den Kopf ins Zimmer. Sie fragte höflich: „Hallo, Vater. Hast du einen Moment Zeit? Ich würde gerne mit dir reden. Oder ist es gerade ungünstig?" Lucius legte seinen Griffel zur Seite. „Nein, komm nur herein. Was gibt es denn?" Lucia kam langsam ins Zimmer und setzte sich auf den Stuhl gegenüber von ihrem Vater. Lucius merkte, dass sie ein wenig unsicher war. „Also... Es geht um Quintus." Bei Lucius klickte es. „Ah, derjenige mit dem du dich letztens getroffen hast?" Sie nickte verlegen. „Du meintest ja, dass ich ihn mal mitbringen kann, wenn es etwas Ernstes ist, richtig?" Lucius bestätigte: „Ja, das habe ich gesagt." Lucia holte noch einmal Luft. „Er würde dich gerne kennenlernen und sich vorstellen. Wäre es in Ordnung, wenn er in drei Tagen zum Abendessen kommt?" Lucius dachte kurz nach, nicht, dass er am Ende genau dann einen Termin hatte und gar nicht da war. „Doch, das würde passen. Ich sage dann den Köchen Bescheid, dass sie etwas mehr machen sollen. Ich freue mich schon." „Ja?" „Natürlich. Wir hatten ewig keinen Besuch, der billiger als der Kaiser war." Lucia schmunzelte, dann ging sie, sichtlich erleichtert, aus dem Zimmer, nachdem sie sich verabschiedet hatte.
Lucius versuchte wieder, sich auf die Einladungen zu konzentrieren, doch leider klappte es nicht mehr so ganz. Auch davor war es mit der Konzentration schwierig gewesen, aber jetzt war sie eindeutig nicht mehr vorhanden. Lucius entschied, dass er dringend frische Luft brauchte, stand also auf und ging in Richtung Hinterausgang zum Garten. Als er endlich draußen war, atmete er tief seine geliebte Seeluft ein. Er schlängelte sich zwischen den ordentlich angelegten Blumenbeeten hindurch, an dem riesigen Olivenbaum vorbei, den zwei Männer mit ihren Armen nicht umfassen konnten. Er kam zu den letzten Ausläufern seines Gartens, wo die Erde sich ganz langsam in Sand verwandelte.
Dann musste er einige Felsen hinunter steigen, nicht tief, aber mit der Toga genügend schwer. Schließlich ließ er den ganzen Stoff kurzerhand fallen und oberhalb der Felsen liegen. Er stieg in seiner Tunika hinunter und zog sich auch die Sandalen aus, während er auf das Meer zu lief.
Seine Fußspitzen berührten das Wasser, es war angenehm warm. Lucius legte den Kopf in den Nacken, um die Sonnenstrahlen besser zu fühlen. Schließlich ging er wieder einige Schritte zurück und ließ sich einfach in den Sand fallen.
Auf einmal fühlte er sich wieder, als sei er sechzehn, ganz unbefangen, frei, ein wenig naiv. Es fühlte sich ein bisschen an, wie vor seiner Ausbildung, als er noch nicht wusste, dass die Moiren ungerecht waren und immer als erstes die liebsten Menschen dahin rafften.
Er musste eine Weile lang eingenickt sein, bevor er eine Bewegung im Sand und eine kleine Berührung an seiner ausgestreckten Hand bemerkte. Dann sagte eine Stimme: „Das ist ein wirklich schöner Ort."
Lucius schlug sofort die Augen auf. Die Stimme war ihm so vertraut, ihm so sehr im Gedächtnis geblieben. Sie klang wie Musik, der Klang der Vögel, der Gesang der Nymphen. Aber sie war auch etwas tief, angenehm, beruhigend und irgendwie warm, wie ein kleines Feuer am Herd daheim.
Langsam drehte Lucius seinen Kopf nach rechts, um tatsächlich, tatsächlich in ein paar Augen zu sehen, das dieselbe Farbe hatte, wie der Himmel über ihnen, das Meer in der Ferne. Langsam setzte Lucius sich auf. Er hatte keine Angst, komischer Weise. Er war ganz ruhig, während er Stirrius betrachtete, dort neben sich liegend, mit seinen schönen, goldenen Haaren, und den Augen, die ihn immer noch mit einem traurig-erfreuten Ausdruck ansahen. Er sah aus, wie in den Träumen, die Lucius zuvor gehabt hatte, das griechische Gewand, das einen Teil seines Oberkörpers frei gab und dort eine Narbe zu sehen war und die Kette mit dem blauen Stein darin.
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Amor vincit omnia
Historical Fiction16 Jahre nach seinem vermeindlichen Tod wacht Apollo aus seinem Koma auf. Er befindet sich wieder auf dem Olymp und muss feststellen, dass seine große Liebe bereits verheiratet ist und ganze vier Kinder hat. Ob er es trotzdem schafft, Lucius wieder...
