Ein Flug und Geheimnisse

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Lucius wachte am Morgen auf, da ihn etwas an der Nase kitzelte. Er rümpfte sie kurz, um das störende etwas, was es auch immer sei, zu vertreiben, aber es wollte einfach nicht weggehen. Schließlich wurde es ihm zu nervig und er öffnete die Augen, nur um kurz darauf zu sehen, dass vor ihm ein grinsendes Apollo-Gesicht schwebte und ihn mit einer seiner Haarsträhnen an der Nase kitzelte.

Lucius drückte seine Hand sanft weg und murmelte: „Ja, ja. Bin wach. Guten Morgen." Apollo kicherte und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Guten Morgen, Melilla. Hast du schön geschlafen?" Lucius rollte sich stöhnend auf den Rücken. „Bis eben schon. Dann ist nur jemand auf die Idee gekommen, mich aus meinen süßen Träumen zu wecken." Apollos Grinsen wurde breiter. „Dann hast du wohl von mir geträumt." „Vielleicht. Seit wann bist du denn eigentlich wieder hier?", erkundigte sich Lucius. Apollo rieb sich kurz nachdenklich im Nacken, während er in Richtung Fenster sah. „Vielleicht eine Stunde. So in etwa." Lucius drehte sanft Apollos Kinn, sodass er ihn wieder ansah. „Was ist los? Ist es wieder dein Vater?", fragte er leise.

Apollo nickte leicht. „Was ist denn passiert?" Der Gott seufzte und begann, zu erzählen: „Wir haben uns jetzt ganz zerstritten. Er und Diana auch. Wir reden nicht mehr miteinander und irgendwie ist das schon merkwürdig. Man merkt, dass er sauer ist, er schaut mich immer so an, wenn wir uns sehen. Die anderen Götter wissen aber nicht genau, was los ist."

Lucius seufzte leise, dann richtete er sich auf und küsste Apollo tröstend. Er schien wirklich ein wenig deprimiert, so entschlossen er auch war. Und Lucius gefiel es immer noch nicht ganz, dass er so viel auf sich nahm.

Apollo zog ihn näher zu sich, Lucius saß nun auf seinem Schoß, und auch die Küsse waren intensiver geworden. Doch irgendwann, als sie beide schon ganz gut außer Atem waren, löste sich Apollo von ihm und meinte dann: „Ach, woran ich dich eigentlich erinnern wollte, dafür habe ich dich ja geweckt... Du hast noch gleich eine Audienz beim Kaiser, richtig?" Lucius ruckte zurück und sah Apollo entsetzt an. Dann sprang er auf und lief zum Fenster, von dem man aus auf den Hof und die dortige Sonnenuhr schauen konnte. Lucius fluchte laut, als er die Uhrzeit sah, dann rannte er zum Schrank, um sich seine Tunika überzuziehen und dann mit der Toga zu kämpfen. Apollo schnipste jedoch schnell mit den Fingern und sie legte sich von selber um ihn.

Schließlich stand Apollo selber auf, als Lucius gerade im Nebenzimmer war, um die Dokumente zusammen zu suchen, die er brauchen würde. Apollo lehnte sich grinsend in den Türrahmen. Dann sagte er amüsiert: „Du weißt schon, dass du dir ein bisschen Zeit lassen kannst. Ich flieg dich hin, wenn du willst. Zumindest bis außerhalb der Stadt. Ganz zum Forum Romanum würde ich dich jetzt nicht bringen wollen, aber..."

Lucius drehte sich blitzschnell zu ihm um, und Apollo musste laut lachen, als er diesen grummeligen Ausdruck auf seinem Gesicht sah. Es passte überhaupt nicht zu ihm. Lucius ließ seinen Oberkörper verzweifelt auf die Tischplatte sinken. „Du kannst mir doch nicht so einen Schrecken einjagen." Apollo kicherte immer noch, doch er ging hin und zog Lucius entschuldigend in seine Arme. „Ja, es wäre nett, wenn du mich absetzen könntest. Eine Gasse irgendwo in der Nähe sollte reichen." „Mach ich. Hast du alles? Dann können wir schon los." Lucius nickte. Apollo nahm seine Hand und zog ihn mit in Richtung Balkon. Dabei ließ er kurz los, um sich selbst seine Tunika anzuziehen. Draußen stellte er sich mit dem Rücken zu Lucius hin. „Na dann, rauf mit dir", forderte er auf. Lucius kletterte auf seinen Rücken und fragte etwas zweifelnd: „Und du bist sicher, dass das funktioniert?" Apollo nickte. „Todsicher."

Dann stieg der Gott auf die Balustrade und ließ sich einfach nach vorne fallen. Lucius krallte sich kurz in seinen Schultern fest, doch der Schreck ging schnell vorbei, als Apollo seine Gestalt änderte und sie dann als großer, goldener Vogel mit einigen kräftigen Flügelschlägen höher in die Luft brachte. Dann richtete er sich zur Seite und nahm Kurs in Richtung Rom auf.

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