Lucius hatte bereits am vorigen Tag erwartet, dass die Zwillinge etwas auf dem Herzen hatten. Wie sie auf einmal so höflich geworden waren, war bereits verdächtig gewesen, wie sie miteinander geflüstert hatten. Dabei hatten sie versucht, so subtil zu wirken, wie möglich und das hatte sein Ziel erfolgreich verfehlt. Daher wunderte Lucius sich nicht, als sie ihn fragten, um alleine mit ihm zu sprechen.
Sie hatten sich zusammen in sein Arbeitszimmer gesetzt und tranken dabei eine leichte Brühe. Siofra war diejenige, die das Thema als erste anschnitt: „Wir möchten uns entschuldigen, dass wir so lange eine Last für dich waren." Lucius runzelte die Stirn. „Was meint ihr? Wenn ihr meint, dass ihr bis heute nicht verheiratet seid, dann müsst ihr euch nicht entschuldigen. Ich weiß, dass es bis jetzt niemanden für euch gibt, den ihr wollt, und das ist für mich in Ordnung. Ich habe euch lieber spät in guten Händen als früh in schlechten." Frija kratzte sich am Hinterkopf. „Ja... Was das angeht... Wir glauben nicht, dass das jemals passieren wird."
Lucius legte den Kopf schief. Siofra erklärte: „Wir möchten nicht heiraten. Wir beide nicht, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Aber wir möchten dir auch nicht weiter zur Last fallen. Ich weiß, ich weiß, du wirst jetzt sagen, dass wir das nicht tun, aber so ist es doch. Du wirst uns auch nicht ewig durchfüttern können, während wir hier versuchen, irgendetwas dazu beizutragen. Es klappt ja doch nicht richtig. Und deswegen hätten wir eine Bitte." Sie sah ihre Schwester an, um ihr zu signalisieren, dass sie weiter sprechen solle.
„Wir würden gerne zurück nach Hause. In unser zweites Zuhause. Wir wissen, dass wir hier willkommen sind, und wir danken dir dafür, dass du uns ein Zuhause gegeben hast, als wir keines hatten. Aber wir möchten gerne zurück nach Germanien. Wir merken, dass wir hier nicht hingehören. Unsere wenigen Jahre, die wir dort verbracht haben, scheinen größeren Einfluss gehabt zu haben, als man denken würde. Wir glauben nicht, dass wir uns noch hier einleben werden. Ich für meinen Teil wäre ehrlich gesagt auch nicht unbedingt begeistert davon." Siofra warf ein: „Ich meine, ich habe mich in letzter Zeit bemüht, aber auch ich merke, dass es einfach nichts gibt. Die Schriften, die ich studiert habe, wollen für mich einfach keinen Sinn haben und die Leute in Rom gefallen mir bis heute nicht. Man ist freundlich und bekommt nur das Gegenteil zurück. Ich weiß, dass du das auch manchmal so siehst. Oder du weißt zumindest, wovon ich spreche." Lucius nickte langsam, seine Finger ruhten an seinem Kinn. Er überlegte einen Augenblick. „Ich kann eure Gründe sehr gut nachvollziehen und ehrlich gesagt, kann ich nichts gegen sie einwenden. So gerne ich euch auch hier behalten würde, muss ich doch sagen, ich kann euch verstehen. Eine Frage habe ich aber doch. Was wollt ihr tun, wenn ihr in Germanien seid?" Die Schwestern sahen sich an. Siofra antwortete dann für sie beide: „Wir wollten versuchen, unsere Familie zu finden. Weißt du noch, die Mäntel, die wir von unserer Mutter mitgegeben bekommen haben, bevor du uns mitgenommen hast? Auf ihnen ist das Muster eines Stammes eingestickt und danach wollten wir suchen. Zumindest wollten wir dort anfangen. Und du kannst uns doch sicher auch die Gegend sagen, woher wir kommen."
Lucius meinte bereitwillig: „Das kann ich wohl tun. Ich denke, ich habe hier irgendwo noch eine Karte, darauf könnte ich es euch zeigen, wenn es so weit ist. Ich kann sie euch vielleicht sogar mitgeben." Frija fragte aufgeregt: „Kannst du sie jetzt suchen?"
Lucius sah von seiner Schüssel auf, aus der er gerade getrunken hatte. „Meine Güte, wann wollt ihr Mädchen denn los?" Er lachte. Sie sagten unisono: „Morgen." Lucius blinkte zwei Mal. Er sah seine Töchter an. Er stellte seine Schüssel ab und fragte: „Wie war das?" Frija sagte ungeduldig: „So schlecht können deine Ohren nun wirklich nicht geworden sein. Morgen." Lucius begann, sich Sorgen zu machen.
„Lieber Apollo,
Du willst gar nicht wissen, was heute bei uns los war.
Heute Vormittag war es schon stressig, denn der Wagen mit dem Futter für die Pferde muss irgendwo auf der Landstraße im Schnee stecken geblieben sein. Deshalb musste ich erst einmal sehen, wo ich jetzt welches für die nächste Zeit bekomme, aber ich habe glücklicherweise einen Mann gefunden, der im Sommer wohl eine gute Ernte hatte und mir etwas verkaufen konnte. Sein Hof war nicht so weit entfernt, deshalb konnte ich es gleich abholen lassen. Ich bin froh, dass das gut ausgegangen ist und nach einer aufregenden Suche gut gelöst wurde, aber jetzt kommen wir zum problematischen Teil.
Meine Töchter haben sich in den Kopf gesetzt, dass sie wieder zurück nach Germanien gehen wollen. Morgen. Sie haben mir heute davon erzählt. Aus irgendeinem Grund haben sie sich mehr sorgen darum gemacht, dass ich sie nicht gehen lassen könnte, als um den Winter. Schließlich ist es überhaupt nicht gefährlich, dass man erfrieren könnte, wenn schon hier, in Rom, Schnee liegt. Und das seit Wochen. Ich weiß wirklich nicht, wie sie sich das vorgestellt haben und als ich gefragt habe, schien es so, als wüssten sie es selber nicht. Nachdem ich aber gesagt, habe, dass es für mich in Ordnung wäre, wenn sie gehen, zählt nur noch der Gedanke: Wir gehen nach Germanien.
Ich habe versucht, ihnen zu erklären, dass es schon in Ordnung sei, sie es aber auf den Frühling aufschieben müssten. Da keine Einsicht folgte, habe ich gesagt, dass wir dann wenigstens jemanden finden müssen, der ihnen den Weg zuverlässig nach Germanien zeigen kann. Selbst im Sommer wäre es mir nicht recht, wenn sie so alleine die Alpen überqueren wollten, aber im Winter? Am liebsten würde ich jetzt noch ‚Nein' sagen, aber ich denke nicht, dass das noch wirkungsvoll wäre. Und irgendwie hat sich jetzt auch noch die Annahme gefestigt, dass ich bis morgen jemanden finden könne, der sie führen kann.
Ich liebe meine Töchter ja wirklich sehr, aber manchmal bringen sie mich zur Verzweiflung. Jetzt hätte ich auch eine Frage an Dich, ist das normal? Ich glaube schon, aber hattest oder hast Du das auch? Wenn ja, gibt es irgendwelche Ratschläge eines hochgepriesenen Gottes dazu, was ich jetzt tun könnte? Denn ich weiß es wirklich nicht.
Die allerbesten Grüße und Küsse an Dich
Dein Lucius"
„Lieber Lucius,
ich hoffe, dieser Brief kommt nicht zu spät bei dir an, denn es schien, als ob Du sehr bald Hilfe bräuchtest. Denn ja, ein hochgepriesener Gott hat tatsächlich Ratschläge für Dich, besser gesagt, eine Lösung.
Ich habe nämlich meine Schwester zu Besuch gehabt, die in den Wäldern hier jagen gegangen ist. Das macht sie häufiger und wenn ich auch hier bin, hat sie gleich bei mir vorbei geschaut. Ich habe ihr von deinem Problem erzählt und siehe da, sie würde sich dazu bereit erklären, morgen deine Töchter sicher nach Germanien zu bringen. Dass es sicher wird, kann ich Dir versprechen, niemand kennt die Wildnis der Welt besser als sie. Wenn du sie also noch für einen Tag hinhalten könntest, wäre das sehr gut. Sie würde sie dann bei euch direkt abholen. Sorge nur dafür, dass sie genug Proviant und Geld für einige Zeit haben, denn es dauert eine Weile, bis man in einen Wald kommt, in dem man Wild schießen kann oder sonst wie etwas Essbares findet. So lange müssen die Herbergen auf dem Weg dann genutzt werden. Ein bisschen was zur Selbstverteidigung wird auch sehr von Nutzen sein, ein kleineres Messer zum Beispiel, ein Dolch, etwas in der Richtung.
Ich hoffe, ich konnte Dir rechtzeitig behilflich sein.
Ich liebe Dich.
Apollo"
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Amor vincit omnia
Fiksi Sejarah16 Jahre nach seinem vermeindlichen Tod wacht Apollo aus seinem Koma auf. Er befindet sich wieder auf dem Olymp und muss feststellen, dass seine große Liebe bereits verheiratet ist und ganze vier Kinder hat. Ob er es trotzdem schafft, Lucius wieder...
