„Wahnsinn, hier ist alles viel größer, als bei uns!" „Nun ja, wir sind ja auch nicht unbedingt der Kaiser." „Ja, weiß ich ja, aber schau! Wahnsinn!" Die Jüngsten der Familie Lucius standen mitten in der Menge, die zu Neros Feier in seinem Palast eingeladen war. Er wollte seine Siege groß feiern, und um möglichst viele Leute zusammen zu bekommen, war es allgemein erlaubt worden, selbst Leute einzuladen. Frija, Siofra, Lucia und Spurius waren von Julia eingeladen worden, Frijas guter Freundin. Auf dem Bankett, dass es zu Beginn der Festspiele gegeben hatte, hatte sich auch der Rest der Geschwister gut mit ihr angefreundet, vor allem Lucia und sie. Sie war altersmäßig etwa zwischen ihr und den Zwillingen, sie war neunzehn. Außerdem war sie frisch verheiratet, was das erste Thema gewesen war, über das Lucia und Julia sich ausführlich unterhalten hatten.
Gerade kam sie ihnen entgegen. „Da seid ihr ja. Willkommen im kaiserlichen Palast, meine Lieben. Ein wahrlich prächtiger Anblick, findet ihr nicht?" Spurius nickte nur, er war auf die verzierten Säulen fixiert, Lucia meinte: „Ja, stimmt. Muss eine Menge Geld gewesen sein." „Tja nun, die Steuern haben es gezahlt. Aber reden wir jetzt nicht drüber. Kommt, ich führe euch herum."
Die kleine Gruppe folgte ihr in den Garten, wo es an jeder Ecke etwas zu sehen gab. Links von ihnen begeisterten Feuerspucker die Zuschauer, rechts gab es Früchte zu probieren, die noch keiner von ihnen je gesehen hatten, weiter hinten warteten Tiger und Löwen, um von ihnen bestaunt zu werden. In einem Becken mit einem hübschen Springbrunnen gab es exotische Fische und Sklaven verteilten Krüge, mit denen man versuchen konnte, sie zu fangen, um sie mit nach Hause zu nehmen. Für das leibliche Wohl wurde von anderen Sklaven gesorgt, die mit großen Früchtekörben, Gebäck und Wein herumgingen.
„Falls ihr doch Lust auf ein vollständigeres Essen habt, dann könnt ihr dort drüben hingehen und euch hinlegen, wo es euch beliebt. Dann bekommt ihr dort ein Abendmahl serviert", erklärte Julia. „So, das war jetzt alles Wichtige. Ich entschuldige mich, mein Mann wird sicher schon auf mich warten, ihr kommt sicher allein zurecht. Haltet euch nur von denen fern, die reich genug aussehen, um euer Leben zu ruinieren. Viel Spaß!" Mit diesen Worten verschwand sie in der Menge. „Ich mag dieses Mädchen ja echt gerne, aber manchmal macht sie mir Angst," sagte Frija. Die andere nickten.
Sie beschlossen, erst einmal ein wenig herum zu gehen, um sich die ganzen spannenden Dinge genau anzuschauen. Passend zu Julias Rat liefen sie auch gleich in den Mann hinein, den sie sehr wohl kannten.
„Wenn ich es euch sage, ich habe so etwas noch nie gehört." Nero stand inmitten seines Gefolges, Senatoren, Sklaven, Reiche, Philosophen, und erzählte aufgeregt. „Ich schwöre euch bei den Göttern, das, das war ein Zeichen! Ich weiß es. Es war das Zeichen des Höchsten, des Strahlenden! Er hat mir die Ehre erwiesen, diesen Klang zu vernehmen und er hat versprochen, mich bei sich aufzunehmen, wenn ich diese Welt verlasse!" Einer der Herren um ihn herum lächelte sanft. „Ja, eure Majestät. Ihr werdet sicherlich ein Teil des Apollos Gefolge sein, wenn Eure Zeit reif ist. Davon bin ich überzeugt, ganz wie Ihr." „Ganz genau! Du hast es auch gehört, nicht? Der Herr hat mich endlich anerkannt, oh Götter!" Er schien den Tränen nahe. „Wir müssen ihm heute opfern. Einen Raben, nein besser, gleich einen Schwan. Treibt mir einen Schwan auf! Rasch!" Andere der Männer warfen sich amüsierte Blicke zu und auch die Jugendlichen sahen sich ein wenig zweifelnd an. Aber sie sagten lieber mal nichts, schließlich hatten sie, zumindest die weiblichen Mitglieder unter ihnen, nicht allzu gute Erfahrung mit ihm gemacht.
„Oh, ich wusste gar nicht, dass Vater auch hier ist", bemerkte Siofra, die ihn in der Nähe des Kaisers entdeckt hatte. Es war ungewöhnlich, ihn in grün zu sehen. „Aber er hat doch gesagt, dass er heute Abend ausgeht, wo sollte er anders sein?", sagte Lucia. „Die Vermutung läge doch am nächsten." Jetzt, wo Siofra so darüber nachdachte, hatte sie recht. Leise fragte Frija: „Sagt mal, meint ihr, wir hätten ihm sagen sollen, dass wir hier sind." Dasselbe dachte sich wohl Spurius, der seine Geschwister zerknirscht ansah. Die Blicke wanderten zu Lucia. „Oh, verdammt."
Gerade, als sie bereit waren, in Panik zu verfallen, war es auch schon zu spät. Ihr Vater hatte sie entdeckt und sah so aus, als könne er nicht ganz einordnen, wo sie hergekommen waren. Spurius winkte schüchtern. Frija schlug seine Hand hinunter. „Lass das gefälligst, du machst es nicht besser." Lucius wurde abgelenkt durch seine Majestät, die zu ihm kam. „Mein lieber Lucius, du hast es doch auch gehört, nicht? Oh, du musst ihnen auch erzählen, wie wundervoll es war." Dieser lächelte schief. „Ich muss mich entschuldigen, Eure Majestät. Ich war zu dem Zeitpunkt noch in den Warmbädern, nicht bei Euch in den Gärten Ich habe nicht mitbekommen, wovon Ihr sprecht." Der Kaiser guckte enttäuscht. Um die Situation anscheinend zu retten, meldete sich ein alter Bekannter von der Seite. „Verzeihung, Eure Hoheit, ich war bis eben nicht hier. Darf ich fragen, was denn eigentlich geschehen ist?"
„Chrysallìon!" „Bist du wohl leise, Spurius!" „'Tschuldigung." Gerufener scheute auf, wie auch einige andere, doch der Fokus richtete sich schnell wieder auf Nero, der drauf und dran war, seine Geschichte erneut zu erzählen. „Oh ich sage Euch, mein Hübscher, ich habe heute die Stimme der Götter vernommen. Ich bin im Garten in den Bädern und möchte gerade einen Wohltuenden Wein zu mir nehmen, da höre ich es: Eine Stimme, von dort, wo das Bild des Apollon steht und ich sage Euch, es muss seine selbst gewesen sein. Und er hat mich gerufen, so wunderschön, und er hat mir befohlen, an seiner Seite zu weilen. Wenn ich erst einmal in die ewige Unsterblichkeit gekommen bin, werde ich einer der Seinen sein und ich werde sein Liebster sein, das weiß ich." Nero hatte sich schon wieder umgedreht und redete zu seinem Publikum. „Jetzt muss ich aber schnell zu den Feuern. Ich muss ihm danken, dass er mich auserwählt hat. Bringt mir Honig! Und wo bleibt eigentlich mein Schwan?"
Mit diesen Worten zog er ab, der eine Teil der Menge folgte ihm, der andere wandte sich wieder seinen Gesprächen zu. Spurius lief aufgeregt zu seinem Vater und Chrysallìon und hörte gerade noch, wie dieser in seinen Kelch flüsterte: „Das bezweifle ich." Und noch verwunderter wurde er, als sein Vater fast an seinem Wein erstickte. Spurius zuckte einfach mit den Schultern und kam endlich zu seinem Punkt. „Chrysallìon, ich habe euch schon vermisst. Ich wollte doch so gerne mit euch über diesen einen Hymnus reden." Dieser wuschelte ihm durch das Haar. „Aber nicht heute", beschwichtigte er ihn. „Vielleicht erlaubt mir dein Vater ja mal, dass ich bei euch vorbei schaue. Dann kannst du mir gerne alles erzählen, was du willst." Große Welpenaugen sahen Lucius an.
„Wir beide reden später noch darüber. Wir müssen schließlich auch schauen, wann Chrysallìon Zeit hat und ich auch und denk dran, Spurius, wir haben im Moment kein fertiges Haus in Rom. Und wir wollen ihn doch nicht zu der langen Fahrt zwingen", meinte Lucius. „Mich würde die Fahrt nicht stören." „Es wäre trotzdem nicht angemessen", beharrte er. „Och, Vater! Komm schon." „Spurius, ich habe nicht gesagt, dass er nicht kommen kann. Ich habe nur gesagt, dass ich ein entsprechender Gastgeber sein möchte und du dich vermutlich ein wenig gedulden musst." „Na schön", stöhnte Spurius. Chrysallìon belächelte ihn. „Du wirst wohl ein wenig Zeit ohne mich überleben. Ansonsten wäre dein Leben sehr kurz, das wäre doch schade." Die Mädchen kicherten und Spurius verdrehte die Augen. Da erhoffte man sich einen neuen Freund und bekam einen zweiten Vater.
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Amor vincit omnia
Historical Fiction16 Jahre nach seinem vermeindlichen Tod wacht Apollo aus seinem Koma auf. Er befindet sich wieder auf dem Olymp und muss feststellen, dass seine große Liebe bereits verheiratet ist und ganze vier Kinder hat. Ob er es trotzdem schafft, Lucius wieder...
