Rückkehr

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Lucius hatten in der Zeit, nachdem Apollos letzter Brief mit seinem Versprechen gekommen war, deutlich weniger Albträume gehabt. Er hatte nach seinem ersten Anfall mehrere weitere gehabt, von denen seine Familie glücklicher Weise nichts mitbekommen hatte, aber nun waren sie vollständig verschwunden. Natürlich hatte er noch düstere Gedanken, zum Beispiel, was wäre, wenn Apollo nicht zurückkehren würde, aber sie ließen sich besser zur Seite schieben.

Es war der dritte Morgen nach der Ankunft des Briefes und Lucius wurde von einem Kitzeln in seinem Gesicht geweckt. Er wischte die Fliege zur Seite, sie waren dieses Jahr wirklich früh dran.

Es war noch nicht einmal Sommer. Das Kitzeln kehrte zurück und er wischte es genervt ein weiteres Mal zur Seite. Er hörte ein Glucksen. Götter, man konnte ihn wirklich nicht- Moment!

„Melilla", sagte jemand sanft. „Melilla, wach auf." Lucius war hellwach. Er riss seine Augen auf und setzte sich auf, ein grinsender Apollo hockte auf seinem Schoß. „Ich bin zuhause", verkündete er.

Lucius verschwendete weder Worte, noch Gedanken, stattdessen warf er sich um Apollos Hals. Wie sehr er ihn vermisst hatte, seine Hände in den weichen, goldenen Haaren, seine Haut, die über die weiche Haut des anderen strich und der sanfte Geruch nach Honig und Morgenluft.

Er zog Apollo näher an sich heran, denn er wollte keinen einzigen Quadratfuß* verschwenden. Sein Gesicht war in Apollos Brust gepresst, sein gesamter Oberkörper gegen den des Gottes. Dieser schien genauso zu fühlen, denn er schlang seine Beine um Lucius Hüften und überkreuzte seine Füße hinter seinem Rücken.

Lucius wusste nicht, wie lange sie schon so da saßen, es kam ihm wie eine viel zu kurze Ewigkeit vor. Irgendwann lösten sie sich aber doch wieder voneinander. Apollo strich über seine Wangen und er merkte erst jetzt, dass er geweint hatte. Immerhin waren es Freudentränen. Es tat ihm aber auch wieder leid, dass er Apollo ganz nass gemacht hatte. Als er es erwähnte, winkte Apollo nur ab und trocknete sich mit einer Handbewegung wieder.

Lucius schaute zu ihm herauf und erlaubte sich, für einen Moment lang einfach nur zu schauen. Das wenige Morgenlicht, das durch sein Fenster drang, schien auf Apollo, gerade so, dass es seine Locken und seine Augen erleuchtete. Er war wunderschön, das war er immer, aber manchmal wurde es Lucius so bewusst und dann war es doch wieder unglaublich für ihn. Er fuhr mit seinen Händen durch die Haare seines Geliebten und strich über seine Wange, er fuhr über seine Kehle, seine Schultern, Arme, Oberkörper. Apollo erschauderte unter seinen Berührungen und genauso, wie seine Schönheit für Lucius unglaublich war, war es für ihn unglaublich, dass es tatsächlich seine Berührung war, die den Gott erschaudern ließ.

Sein Weg leitete ihn wieder zu Apollos Gesicht, er nahm es in seine Hände und streckte sich hinauf für einen Kuss. Apollo kam ihm entgegen und beugte sich zu ihm herunter, sonst wäre er wahrscheinlich auch bloß auf die Höhe kurz unter seinem Kinn gekommen. Seine Lippen wieder auf seinen eigenen zu spüren war wie eine Erlösung und es ließ Lucius realisieren, er ist wirklich wieder hier. Er fing direkt wieder an, zu weinen, doch Apollo schmunzelte nur ein den Kuss und wischte seinen Tränen erneut weg. Als sie sich doch voneinander lösten, reichte er ihm ein Taschentuch.

Lucius entschied, für diesen Tag die Arbeit Arbeit sein zu lassen. Seine Kinder waren außer Haus, Spurius besuchte einen Freund, einer von denen, mit denen er sich häufiger in der Bibliothek traf, Lucia war bei Quintus. Stattdessen beorderte Lucius die Sklaven, ihm ein großes Frühstück auf sein Zimmer zu bringen.

Es wurde auf einem Tablett vor seine Türe gebracht, die Sklaven kannten ihn nun schon gut genug, um zu wissen, dass er sie nicht gerne in seiner Anwesenheit in seinem Zimmer hatte. Er nahm das Tablett entgegen und dankte der Sklavin. Er schloss die Türe und reichte das Essen Apollo, der auf dem Bett saß und es auf seinem Schoß platzierte, dann ließ er sich daneben plumpsen.

Amor vincit omniaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt