„Nein! Wir können ihn nicht antreten lassen! Dann haben die Grünen doch schon so gut wie gewonnen!" „Das ist doch der Sinn der Sache. Ich weiß ja, dass Ihr Anhänger der Weißen seid, aber der Kaiser ist es nun einmal nicht. Wir können den Erfolg der Wagenrennen so gut wie vergessen, wenn die Grünen nicht gewinnen. Dem Kaiser würde das nicht gefallen und dann haben wir alle ein gewaltiges Problem."
Lucius versuchte nun schon seit einer geschlagenen halben Stunde, Aeterius zu erklären, dass sie den besten Wagenlenker der grünen Partei für die Rennen brauchten, um dem Kaiser eine Freude zu bereiten. Dieser war nämlich ein fanatischer Anhänger. Doch Aeterius, versessen von der weißen Partei wie er war, wollte das nicht zulassen. Denn der beste Wagenlenker der Weißen war nicht halb so gut, wie der der Grünen. Doch schließlich ließ er sich beleidigt auf seinen Sitz im Senat fallen, nachdem die anderen Lucius mehrfach zugestimmt hatten und auf ihn eingeredet hatten.
„Gut, da wir das jetzt geklärt hätten, hat noch irgendjemand Einwände oder Vorschläge? Ansonsten schreibe ich heute Nachmittag das Programm auf und sende es an den Kaiser", teilte Lucius mit. Aus einer Ecke meldete sich Julius, mit dem er nach wie vor Kontakt über Briefe und den Senat hatte und sich gut verstand. „Wie wäre es, die Instrumente mit den Dichtern zu tauschen. Dann haben wir eine sanftere Einleitung in das Geschehen." Es erhob sich zustimmendes Gemurmel und nach kurzer Nachfrage änderte Lucius den Programmpunkt. „Sonst noch jemand?" Die Köpfe wurden verneinend geschüttelt. „Dann erkläre ich die Sitzung für beendet. Vielen Dank für euer Kommen und eure Mühen."
Langsam leerte sich der Saal, während Lucius die vielen Pläne und Schriften einpacken ließ, die er über dem Tisch verteilt hatte. Dabei kam Julius auf ihn zu, begleitet von Marcus. Lucius lächelte, als er seine Jugendfreunde sah und begrüßte sie erfreut. „Das war wirklich eine gute Sitzung. Du hast Aeterius wirklich im Griff, Kompliment", äußerte sich Marcus. „Danke. Aber irgendwer muss es ja haben. Sonst würde er ja immer nur seine Meinung bekommen. Und wenn ich ein bisschen Anstoß gebe, habt ihr ja gesehen, melden sich auch ganz viele andere gegen ihn zu Wort", erwiderte Lucius. Julius schüttelte den Kopf. „Sie sagen halt immer zu allem ja, was ihnen besser in den Kram passt und leichter ist. So sind sie eben. Aber ehrlich, du hast wirklich das Zeug dazu. Alle Sitzungen, die du leitest, laufen gut und kommen zu vernünftigen Ergebnissen. Das haben wir ja sonst nicht immer." Lucius zuckte darauf nur mit den Schultern. Er dachte nicht, dass so viel Lob angebracht wäre. Er war schließlich nur vernünftig und sage das gerade heraus, was ihm logisch und richtig erschien.
Langsam verabschiedeten sich seine Freunde wieder und auch Lucius' Sklaven meldeten, dass sie alle Unterlagen verladen hatten und nach Hause fahren könnten. Als Lucius aus dem Senatsgebäude trat, blieb er stehen und genoss für einen kurzen Moment noch die Sonne, ehe er wieder in den abgedunkelten Wagen kletterte. Während der Heimfahrt diktierte er schon einmal seinem Schreiber das vollständige Programm für die Neronia, das dann zwei Mal aufgeschrieben wurde. Das eine behielt er für sich selbst, das andere schickte er direkt mit einem Boten zum Kaiser los, dann musste dieser nicht so weit zurück laufen.
Wieder daheim angekommen hatte Lucius ein wenig Zeit zu entspannen. Er nahm zuerst ein ausgiebiges Bad, bei dem er sich verwöhnen ließ, dann ging er zu den Pferden und besuchte Coenomi. Der kleine Hengst begrüßte ihn noch immer sehr glücklich, auch, wenn er schon recht alt war. Lucius schonte ihn sehr, denn er schien mittlerweile Probleme mit den Gelenken zu bekommen und er wollte sie nicht überstrapazieren. Also holte Lucius ihn einfach nur aus seinem Stall und machte einen langen, entspannten Spaziergang am Strand und über ein paar Wiesen, die in der Nähe lagen. Er ließ ihn auch ein wenig grasen und Coenomi schien sich wirklich zu freuen, mal anderes Gras zu kosten, außer dem, was es immer daheim auf den Weiden gab. Nach einer Weile schlenderte Lucius aber doch mit ihm nach Hause, denn in Richtung Meer schien das Wetter schlechter zu werden und er hatte nicht wirklich Lust, in ein Gewitter zu kommen.
Als die beiden schließlich daheim waren, stellte er Coenomi wieder zurück und versorgte ihn noch persönlich. Es entspannte Lucius immer ein wenig, sich um die Pferde zu kümmern. Auch die anderen begrüßte er alle einmal, sie zogen überwiegend immer seine Wagen oder dienten als Lastpferde. Er hatte nur noch drei, die er vor Jahren noch mit in den Krieg genommen hatte, die anderen beiden hatte er leider damals verloren.
Schließlich begab er sich wieder ins Haus, er wollte schließlich pünktlich zum Essen kommen, nun, da er mal die Chance hatte, mit seinen Kindern zu essen.
„Nein, er trennt sich ganz bestimmt nicht von ihm! Du bist doch vollkommen verrückt!" „Er ist sterblich!" „Na und? Das ist kein Argument!" „Diana, lass gut sein." Seit einer halben Stunde schrien sich nun Jupiter und Diana gegenseitig an, die Diskussion ging darum, ob sich Apollo von Lucius trennen sollte, oder nicht. Es war noch nicht vielen Göttern bekannt, dass diese Frage offen stand, eigentlich wollte Jupiter das mit Apollo alleine klären. Doch natürlich hatte Diana die Niedergeschlagenheit ihres Bruders bemerkt und dann richtig bei ihrem Vater auf den Tisch gehauen. Sie sah es keinesfalls ein, warum Jupiter ihrem Bruder wieder sein ganzes Glück nehmen wollte. Als Gott, als Unsterbliche, musste man schließlich jede Sekunde davon auskosten. Denn mit der Zeit passierte einem nun mal wirklich viel Schlechtes.
Und außerdem waren Lucius und Apollo einfach nur perfekt zusammen. Sie ergänzten sich gegenseitig, gaben sich den Halt und das Glück, das sie beide brauchten, und Diana hatte gesehen, dass sie nicht ohne einander konnten. Warum sollte man denn ein so wundervolles Paar trennen?
Diana warf einen Blick zu ihrem Bruder, der schräg hinter ihr auf einem Hocker saß und sich gerade zu Wort gemeldet hatte. „Aber-", wollte sie ansetzen, doch Apollo beharrte darauf, sie solle bitte wieder gehen. Er wollte das alleine klären. Schließlich verließ sie mit einem letzten skeptischen Blick den Saal. Als sie draußen war, fing Apollo an zu sprechen.
„Bitte Vater. Nenn mir einen guten Grund, einen wirklich guten Grund, warum ich mich von Lucius trennen sollte. Ich liebe ihn, wie ich noch nie zuvor jemanden geliebt habe und er teilt diese Gefühle. Warum sollte ich dann aufhören, mich mit ihm zu treffen? Warum sollte ich ihn alleine lassen?" Jupiter schwieg für eine ganze Weile. Dann sagte er: „Er ist sterblich."
Apollo starrte ihn an. Das konnte doch nicht sein Ernst sein. „Das ist kein Argument", wiederholte er die Worte seiner Schwester. Doch Jupiter hob die Hand. „Doch das ist es. Höre mich einfach nur an. Ich traue dir zu, dass du besser nachvollziehen kannst als Diana, was ich dir jetzt sage, deshalb erkläre ich es jetzt erst." Der Göttervater stand auf und begann in dem Saal langsam auf und am zu schreiten. „Die Sache ist ganz einfach. Dein Lucius ist sterblich. Und er wird nun einmal irgendwann sterben, das ist der geregelte Lauf der Dinge. Und Apollo", er sah seinen Sohn eindringlich an.
„Ich weiß, wie sehr du dann trauern wirst. Ich habe dich doch gesehen, bei Hyacinthos, bei Daphne, bei all diesen. Ich will dich nicht noch einmal so sehen und ich weiß, wie schlimm es für dich werden wird, wenn Lucius stirbt. Viel schlimmer, als zuvor, denn ich weiß, dass du ihn mehr liebst, als alles andere, verstehst du? Ich will dich einfach nicht mehr so am Boden zerstört sehen und deshalb ist mein Befehl: Trenne dich von Lucius. Jetzt wird es nicht so weh tun, später dafür umso mehr."
Apollo ließ die Worte seines Vaters kurz in sich sacken. Dann richtete er seinen Blick, er hatte zuvor auf den Boden gestarrt, auf seinen Vater und dieser erkannte die Entschlossenheit darin. „Das ist es wert." „Wie bitte?" „Du hast mich gehört. Das ist es wert. Mir ist egal, wie viele Schmerzen ich später leiden werde. Ich werde Lucius nicht aufgeben." Damit war für Apollo das letzte Wort gesprochen und er verließ den Saal, seinen Vater ungeachtet stehen lassend.
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Amor vincit omnia
Historical Fiction16 Jahre nach seinem vermeindlichen Tod wacht Apollo aus seinem Koma auf. Er befindet sich wieder auf dem Olymp und muss feststellen, dass seine große Liebe bereits verheiratet ist und ganze vier Kinder hat. Ob er es trotzdem schafft, Lucius wieder...
