Eine Frage

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Lucius hatte einen langen Tag hinter sich. Und dabei war es noch gar nicht so spät. Die Sonne stad zwar schon etwas tiefer, aber das lag daran, dass sie ja noch Frühling hatten.

Er war in seinem Zimmer und verstaute die Einkäufe, die er erledigt hatte. Neue Tinte hatte er schon in sein Arbeitszimmer gebracht, bevor er eine Weile lang gearbeitet hatte, nun stellte er gerade ein neues Paar Schuhe zu den anderen. Ein Paar war während des Winters kaputt gegangen.

Er erinnerte sich an die Briefe, die er heute schon durchgelesen hatte. Zwei hatte er schon beantwortet, einen Kaufvertrag und einen seines Bruders. Bei diesem könnte er jetzt wohl noch einiges anhängen.

Am meisten Sorgen bereitete ihm allerdings der wohl wichtigste von allen, und zwar der des Kaisers. Der Kaiser hatte sich während des ganzen Winters nicht bei Lucius gemeldet, er hatte höchstens Dinge aus zweiter Hand von ihm erfahren, aber auch bei anderen war der Kontakt wohl rar gewesen. Anscheinend war er irgendwo hin in den Süden verschwunden und Lucius vermutete, dass er in einer seiner Ferienvillen gewesen war. Soweit er wusste, hatte Nero in Tarentum eine.

Nun, nach etwa vier Monaten Stille, hatte gestern ein Bote vor ihrer Türe gestanden und den Brief überbracht. Und Lucius war genauso enttäuscht worden, wie er es erwartet hatte, denn er war nach Chrysallìon gefragt worden. Nero wirkte fast ein wenig wie Spurius, aber gleichzeitig auch überhaupt nicht. Während Spurius ungeduldig darauf wartete, dass sein Idol zurückkehrte, und das, obwohl er noch nie ein Gedicht von ihm gehört hatte, um mit ihm über sein erstes Gedicht zu sprechen, wartete Nero voller Ungeduld darauf, dass ‚er den schönen Jüngling erneut wiedertraf, da er ihn doch gerne auf eine seiner nächtlichen Gartenfeiern einladen wollte, um eine schöne Zeit zu haben'. Lucius schüttelte sich.

Er dachte noch darüber nach, was er Nero antworten würde. Vermutlich dasselbe, wie Spurius, dass Chrysallìon noch in Griechenland war und er noch nicht wusste, wann er wieder da sein würde. Theoretisch war das sogar richtig, Apollo war auf dem Olymp und Lucius wusste nicht, wann er zurückkommen würde. Sie hatten sich nicht verabredet und Lucius ließ nur das ganz kleine Detail aus, dass er Apollo an demselben Morgen noch gesehen hatte.

Von Spurius wanderten Lucius Gedanken weiter zu seiner Tochter Lucia. Er wünschte ihr das Beste für sich und ihr Kind. Natürlich auch für Quintus, aber er stand bei dem Thema dann doch an zweiter Stelle. Damit würde er leben müssen.

Zuerst hatte Lucius sich Sorgen gemacht. Er erinnerte sich, wie viele Gedanken durch seinen Kopf geschossen waren und leider waren sie aller negative Natur gewesen. Wird alles in Ordnung bleiben? Wird Quintus sich gut um sie kümmern? Ist die bereit für ein Kind? Wird für das Kind gesorgt sein?

Doch dann hatte er Lucias breites Strahlen gesehen und alles war wieder gut gewesen. Er wusste, dass sie bereit für ein Kind war, es war ihr Wunsch. Er wusste, dass für es gut gesorgt war, Lucia liebte es jetzt schon, Quintus freute sich, Lucius konnte sie unterstützen und im Zweifelsfall würde Spurius die beste Unterstützung sein, wie er konnte. Lucius konnte sich vorstellen, dass er den Geschichtenerzähler geben würde.

Das letzte, was ihn noch von der Seite gepikst hatte, war die Frage, ob alles gut gehen würde. Er hatte seine Frau, seine vielleicht beste Freundin, verloren, weil nicht alles gut gegangen war. Er hatte ein Kind daran verloren, einen kleinen Sohn, oder eine kleine Tochter. Er wollte das nicht noch einmal erleben und er wollte Quintus nicht diese Erfahrung machen lassen. Doch dann war ihm eingefallen, dass der Gott der Heilkunst sin Geliebter war. Er konnte ihm jederzeit eine klatschen, falls er entschied, Lucia krank werden zu lassen. Somit hatte sich auch diese Sorge schnell aufgelöst.

Aber an das ‚Großvater' würde er sich wirklich noch gewöhnen müssen. Sein Sohn hatte ihn schon für eine sehr lange Weile dafür ausgelacht und verkündet, dass er nun offiziell alt war. Dabei war er doch erst in der Mitte seiner Dreißiger. Er war nicht alt, alle bekamen einfach nur schnell Kinder. Er selbst, weil er unter Druck seines Vaters gestanden hatte und er zu dem Zeitpunkt nicht wirklich etwas darum gegeben hatte, was mit seinem Leben passieren würde. Seine Tochter, weil sie ihren Mann sehr liebte.

Amor vincit omniaGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt