Lucius rollte das Pergament auseinander. Er war gerade frisch aus dem heißen Bad gekommen und in seinem Zimmer hatten die Sklaven das Fenster zum lüften aufgemacht, daher fröstelte er ein wenig, aber das störte ihn nicht. Seine Aufmerksamkeit lag eher bei dem Brief.
Mein liebster Sohn,
Schon bei der Anrede musste Lucius schnauben. Sein Vater wollte definitiv irgendetwas von ihm, sonst würde er niemals so anfangen.
ich hoffe sehr, dass du wohlauf bist und es deinen Kindern ebenso gut geht.
Da war irgendetwas im Busch. Nun gut, weiterlesen.
Leider habe ich eher schlechte Neuigkeiten, hier von daheim. Deiner Mutter geht es nicht mehr allzu gut, sie hustet häufig und muss sich immer öfter hinlegen. Der Medicus hat sie bereits untersucht und meinte, dass es an der schlechten Stadtluft liege. Du weißt ja genauso gut wie ich, wie stickig, heiß und staubig es hier in Rom sein kann. Der Medicus sagt, dass dies nun im Alter die Lunge angreife.
Lucius runzelte besorgt die Stirn. Wenn es sein Vater gewesen wäre, hätte es ihn nicht interessiert, ob seine Lunge intakt war, oder nicht. Aber das hier war seine Mutter, da machte er sich schon eher Sorgen.
Nun hätte ich eine Bitte an Dich.
Aha, da war es ja schon.
Da deiner Mutter empfohlen wurde, sich an Orte mit besserer Luft zu begeben, hätte ich den Vorschlag, dass wir in Deine Villa kommen können.
Ganz schlechter Vorschlag.
Da ich mich ohnehin um einen Übernehmer für unsere Pferdezucht bemühen wollte, und jemand selbstverständlich auch auf die Villa in Rom achten muss, biete ich Dir nun an, das Gut hier in Rom zu übernehmen. Ich stelle es Dir vollständig zur Verfügung, Villa, Pferdezucht, sowie die Weinberge und die zugehörige Winzerei. Der Grund, warum ich Dir dieses Angebot unterbreite, und nicht Deinem Bruder, ist der. Antonius hat bereits genug im Militär zu tun. Er reist in ferne Länder und wird vermutlich auch demnächst wieder in Britannien gebraucht. Sein Talent besteht nun einmal darin, sowie in der Redekunst. Darin macht er sich wirklich gut. Doch Du, Lucius, hat ein Gespür für Finanzierung und Organisation, was ich nun, bei den Vorbereitungen für die Festspiele des Kaisers mehr als ausreichend gesehen habe.
Ich denke also, es wäre gut, wenn Du nun hier in Rom übernehmen würdest. Deine Mutter würde es Dir danken und auch ich werde schließlich nicht mehr jünger.
Überlege es Dir und melde Dich dann möglichst schnell zurück.
Dein Dich liebender Vater
Gaius Lucius Aquilius
Lucius ließ den Brief langsam sinken. Sein Hirn arbeitete auf Hochtouren. Er wägte alle Möglichkeiten ab und tatsächlich kam er zu dem Schluss, dass sein Vater recht hatte. Vielleicht hätte er unter anderen Umständen nichts von ihm angenommen, doch nun, da es auch seine Mutter betraf, würde er dem Angebot zusagen. Es half ihr und außerdem war er selbst in letzter Zeit so häufig in Rom und musste jedes Mal die weite Strecke fahren, da war er nur praktischer, wenn er wieder nach Rom kam. Für seine Tochter Lucia war es auch nur von Vorteil, schließlich wohnte Quintus auch in der Nähe von Rom.
Während er noch so nachdachte, spürte Lucius plötzlich eine Präsenz hinter sich. Doch er erschrak nicht, auch nicht, als sich zwei starke Arme um ihn legten. Er wusste schließlich sehr genau, wer das war.
„Was ließt du da, Melilla? Ist das ein Brief?", fragte Apollo hinter ihm. Lucius nickte und reichte ihn nach hinten, sodass Apollo ihn ebenfalls lesen konnte. Er drehte sich in seinen Armen um und schaute Apollo an, der seine Stirn kraus gezogen hatte.
„Und? Wirst du annehmen?" Lucius nickte. „Es ist tatsächlich nur zum Vorteil für alle. Und außerdem kann ich meine Mutter nicht im Stich lassen. Wenn sie noch kränker wird und am Ende womöglich noch stirbt, könnte ich mir das niemals verzeihen." Apollo nickte langsam und meinte entschuldigend: „Ich darf mich da leider auch nicht einfach so einmischen. Vor allem bei älteren Leuten wird es im Olymp nicht gerne gesehen, wenn ich sie heile. tut mir also leid, da werde ich nichts machen können. Ich habe im Moment schon genug Probleme mit denen, da brauche ich das Fass auch nicht zum Überlaufen bringen."
Lucius lächelte sanft, er konnte das verstehen. Er wollte schließlich auch nicht immer Apollos Fähigkeiten ausnutzen, ihm tat es ohnehin schon leid, dass dieser sich immer so sehr auf ihn fokussierte und teilweise dadurch die Gebete vernachlässigte. „Es ist in Ordnung", flüsterte er. Dann schmiegte er sich wieder in Apollos Arme. Es war zwar noch nicht allzu lange her, dass sie sich zuletzt gesehen hatten, doch er wollte gerade, nach der ganzen Aufregung mit seinem Verschwinden und den Sorgen seiner Kinder und Sklaven, einfach nur ein bisschen Ruhe und Apollos Nähe.
Dieser schien zu verstehen. Er drückte den Kleineren noch näher an sich und hauchte ihm einen Kuss auf den Haarschopf. Manchmal fühlte sich Lucius dabei so, als wäre er wieder sechzehn. Beim Gedanken an diese anfängliche Schüchternheit und das von beiden Seiten, musste er grinsen. Apollo bemerkte es. „Woran denkst du, Melilla?" Lucius grinste zu ihm hinauf. „An die Zeit, in der ich mich in dich verliebt habe. Ich war so unfassbar schüchtern und unerfahren."
Jetzt, wo er es laut aussprach, klang es irgendwie komisch. Auch Apollo schien der Meinung zu sein, denn sein typisch schelmischer Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. Lucius Wangen liefen knallrot an, denn er wusste ganz genau, was Apollo sagen wollte und er selbst musste auch wieder an Hymens Worte denken. Er war immer noch genau so schüchtern und unerfahren. Apollo prustete los, denn seine Gedanken schienen sich durch Lucius Reaktion genau bestätigt zu haben.
Lachend legte er seinen Kopf auf Lucius Schulter ab und auch dieser musste kichern, weil sein Atem ihn am Hals kitzelte. Bald fing Apollo an, eben dort sanfte Küsse zu verteilen. Lucius streckte ihn ganz leicht, um zu zeigen, dass Apollo nicht aufhören sollte. Doch sie beide wussten genau, dass er noch nicht weiter gehen wollte, auch wenn er selber nicht immer wusste, warum. Doch es war in Ordnung, auch für Apollo, das wusste Lucius. Sie hatten zwar nie drüber gesprochen, doch Apollo drängte ihn niemals, zu nichts. Er verwöhnte Lucius einfach immer ein bisschen und wenn er sagte, dass es genug sei, dann war es genug, und wenn er sagte, er solle weiter machen, dann tat er es.
Genau so, wie jetzt, wo ihn Lucius in Richtung Bett zog, aber sagte, wie fast immer: „Nur kuscheln, ja?" Und das war in Ordnung, denn Apollo war glücklich, wie noch nie.
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Amor vincit omnia
أدب تاريخي16 Jahre nach seinem vermeindlichen Tod wacht Apollo aus seinem Koma auf. Er befindet sich wieder auf dem Olymp und muss feststellen, dass seine große Liebe bereits verheiratet ist und ganze vier Kinder hat. Ob er es trotzdem schafft, Lucius wieder...
