Quintus Cantus

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Quintus war aufgeregt, sehr aufgeregt sogar. Heute war nämlich der große Tag. Er würde sich dem Vater seiner großen Liebe vorstellen, von Lucia Maior Secunda. Er würde mit ihrer Familie zu Abend essen und zum Ende hin hoffentlich um ihre Hand anhalten. So war es zumindest in seinen Wunschvorstellungen geplant.

Leider war ihm ebenso bewusst, dass all dies eigentlich nicht realistisch war. Lucia war adelig, ihr Vater war Gaius Lucius, derjenige, mit dessen Hilfe damals die germanischen Aufstände nieder geschlagen werden konnten und der nun eine nicht unbedeutende Rolle im Senat spielte.

Er selbst lebte mit seinen Eltern in einer einfachen Schmiede außerhalb der Stadt. Sie hatten zwar sechs Sklaven, die ihnen im Betrieb halfen, aber das war absolut kein Vergleich zu den Verhältnissen, in denen Lucia leben musste. Er konnte es sich nicht richtig vorstellen, aber die mussten an die hundert Sklaven besitzen, zumal Gaius Lucius bekannt war als sehr gütiger Herr. Es hatte schon einige gegeben, die sich freiwillig zu ihm in die Sklaverei begeben hatten, weil sie dann besser lebten, als auf ihren armen Bauernhöfen.

Auch, wenn Quintus schon so viel gehört hatte und ihm Lucia auch versicherte, dass alles bestimmt klappen würde, war er unfassbar aufgeregt. Er hatte bestimmt eine halbe Stunde lang vor dem Spiegel gestanden und überprüft, wie die Falten seiner Toga lagen. Seine Mutter trat von hinten zu ihm und strich ihm beruhigend über den Arm. Höher kam sie nicht, sie war klein und Quintus recht groß. Er überragte seinen Vater zwar nicht, aber seine kleine, süße Mutter alle mal.

„Das wird schon, Quintus. Glaub an dich. Du bist ein toller junger Mann und ich glaube, dass Gaius Lucius das sehen wird. Seine Tochter hat es doch auch gesehen", munterte sie ihn auf. Er grinste schief. „Das ist ja auch der Grund, warum ich auf keinen Fall will, dass etwas schief läuft." „Und das wird es nicht. Ganz bestimmt nicht. Jetzt los mit dir, Syrus hat den Wagen fertig." Quintus atmete tief durch und sagte sich: „Gut. Das geht jetzt alles in Ordnung. Ich gehe da hin, bin freundlich und höflich, dann klappt das schon. Und heute Abend bin ich dann schon mit Lucia verlobt." Damit ging er vor die Türe, verabschiedete sich von seinem Vater, der ihm auch noch mal zuversichtliche Worte sagte, dann kletterte er auf den Wagen, der ihn zur Villa der Lucianer bringen würde.

In eben diesem Landhaus überwachte Lucius gerade die letzten Vorbereitungen. Er hatte schon mit den Sklaven aus der Küche besprochen, was es zu Essen geben würde und achtete jetzt darauf, welche Zutaten sie genau nahmen. Dieses Mal würden die Gänge überwiegend vegetarisch sein, denn nach dem Besuch des Kaisers wollte er bei dem teuren Fleisch ein wenig sparen.

Schließlich war er zufrieden und begab sich noch in das hauseigene Bad, um sich zu waschen und sich eine neue Toga anziehen zu lassen. Beim Herauskommen sah er Lucia, die etwas nervös an den Locken nestelte, die ihr die Sklavinnen ins Haar gedreht hatten. Bei ihr wurde noch die letzte Schminke gemacht. Lucius trat hinter sie, wobei er darauf achtete, dass er den Sklavinnen nicht im Weg stand. „Du siehst wunderschön aus, Lucia. Fast so, wie deine Mutter", sagte Lucius und er meinte es ehrlich so. Vielleicht hatte er seine Frau niemals wirklich geliebt, aber er konnte auf keinen Fall leugnen, dass sie hübsch gewesen war. Nun, kein Vergleich zu Apollo, natürlich nicht, aber dennoch.

Ein leicht verträumtes Lächeln schlich sich auf Lucius' Gesicht, als er an Apollo dachte. Vor drei Tagen war er aufgetaucht. Er hatte ihm gesagt, dass er Apollo sei und ihm alles erklärt. Es war ein Schock für Lucius gewesen, erstens, dass tatsächlich ein Gott vor ihm saß, und zweitens, dass er all die Jahre in einen Schlaf gefallen war. Lucius hatte ihm zuerst nicht so ganz geglaubt, doch als er näher darüber nachgedacht hatte, machte die ganze Sache sehr viel Sinn. Und als er es dann realisiert hatte, hatte er ein wenig Angst gehabt. Was würde Apollo nun tun, was würde er mit ihm machen?

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