Kapitel 1

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Renn. Das war wohl alles, was in mir schrie. Ich konnte es mir eigentlich nichts anders leisten, als an dieses eine Wort zu denken. Und trotzdem, so waren Gefühle in mir, die ich nicht wirklich beschreiben konnte. Es war eine Mischung aus allen möglichen, was so wiedersprüchlich war, dass sich alles schlecht anfühlte. Meine Augen füllten sich mit Tränen, da ich diese ganze Situatuon, zusammen mit den Emotionen nicht verkraftet. Ich glaube, wenn ich nicht durch die dunklen Straßen gezogen werden würde, so würde ich nicht mehr rennen, sondern weinend zusammenbrechen. Es waren Motorgeräusche zu hören. Franzi bog in die nächste Gasse ein und wir rannten da entlang. Den ungefähren Weg kannten wir. Er wurde wärend der Planung oft besprochen.

Doch, liefen wir richtig? Oder ließ die Panik uns rennen? Wo war die Panik eigentlich? War es dieses nervöse Gefühl in mir? Ich verstand selbst alles nicht. Ich wusste nur, dass ich rennen sollte. Ich wusste, dass ich rennen MUSSTE! Sonst wäre alles für umsonst, sonst wären ihre Versuche, die anderen aufzuhalten für umsonst. Aber es sollte nicht umsonst sein, nicht schon wieder. Die Opfer sollten nicht umsonst sein, nicht dieses mal. Dieser Entschluss fasste sich so schnell, so schlagartig, dass es sich anfühlte, als hätte ich einen Energieschub bekommen, der besser wirkte, als jeder Adrenalinstoß. Aber vielleicht war es einfach Adrenalin, wer weiß es schon?

Ich nahm Fanzi den Rucksack ab, sie hatte durch die geringere Nahrung weniger Kraft, also würde ich ihn tragen. Ich griff nach ihrer Hand und ließ mich nicht mehr am Handgelenk hinter sie herziehen. Wir beide wollten nicht loslassen, wir wollten einfach zusammen sein, hier zusammen es durchstehen. Jetzt war unsere Chance, wir waren hier. Unsere Füße schmerzten, die Muskeln brannten und die Luftröhre kratzte. Als ein Auto am anderen Ende der Gasse vorbeifuhr, mussten wir bremsen. Aber sobald es vorbei war, rannten wir weiter. Jetzt mussten wir die Straße entlang, ab hier gab es keine Gassen mehr.

Wie lange wir schon rannten war unklar. Aber wir wussten beide, dass wir es nicht mehr lange aushalten würde. Fünf Stunden Fußweg standen uns bevor. Wenn wir zügig waren, wenn wir nicht stoppten und keine Pause einlegten, dann könnten wir es in drei Stunden schaffen. Ab hier waren es 15km. Zwanzig Kilometer bis nach Barcelona, bis zu der hoffentlich Rettung, ein Viertel war geschafft. Denn Lilli hatte uns eins weißgemacht, rufen wir bei den Villen nach Hilfe, so waren wir schneller zurück, als wir blinzeln konnten.

Als wir die Straße nach Barcelona erreichten, wurden wir etwas langsamer, liefen aber nicht. Noch immer joggen wir, wollten so schnell wie möglich dahin, weg von hier, wussten aber, dass unsere Körper es nicht mitmachen würden. Irgendwann mussten wir Pause machen. Doch noch waren unsere Adern voll Adrenalin, noch hatten wir die Möglichkeit, so schnell es ging von der Stelle zu kommen. Vielleicht wäre es einfacher, wenn wir auf der Straße gerannt wären. Doch das wollten wir nicht, wir wollten nicht zu leicht Opfer werden, rannten auf unebenen Boden, gut zehn Meter neben der Straße entlang.

"Sie werden sich nicht die Mühe machen, euch zu suchen. Vielleicht euch hinterher rennen, sobald ihr das Grundstück verlassen habt, aber dannach habt ihr freie Bahn. Die Mühe euch zu fangen, werden sie nicht machen. Ihr Ziel wird das selbe sein wie eures."

Der Plan war gut. Nicht so gut, dass ich dachte, dass er funktionierte, aber gut genug um logisch zu sein. Wozu die Fische jagen wenn man sie einfach fangen konnte?  Wenn man wusste, wo sie hin wollten, so konnte man früh genug ein Netz errichten, sodass die Fische gar nicht dran denken würden, dass es eine Falle war. Unser Netz war Barcelona, aber es war auch die einzige nahe Hilfe, die es hier gab. Würden wir es nicht hinein schaffen, so würden wir wieder bei James sein und selbst wenn wir durch die Löcher des Netzes gingen, so gab es keine Sicherheit, dass dahinter nicht mehrere Haken waren.

Ich stolberte immer mehr, konnte gar nicht sehen, wo ich eigentlich hinlief. Meine Nase lief und ich bekam nur noch schwer Luft. Das einzige, was mich zum weiterrennen animierte, war die kalte Hand, welche ich fest gedrückt hatte.

"Ich kann nicht mehr." Keuchte Franzi und wurde langsamer.

"Hauptsache wir bleiben nichts stehen." Meine Stimme hatte kaum einen Ton.

Wir wurden langsamer, bis wir nur noch liefen. Denn selbst wenn wir stehen bleiben wollten, so ging es irgendwie nicht. Unsere Beine trugen uns weiter und weiter. Hinten, am Horizont konnte man leicht Lichter erkennen. Aber auch nur am Himmel, denn mehr als fünf Kilometer Sichtweise hatte man nicht, wenn man auf einer flachen Ebene war. Scheinbar war viel los, dass so viele Lichter an waren. Andererseits war es vielleicht erst 21 Uhr und somit die meisten noch wach. Ich sah nach hinten, man konnte an den Berg die Villen sehen. Ein paar mehr, ein paar weniger. Ich drehte mich wieder nach vorne und konzentrierte mich halbwegs aufs Laufen. Oder mehr darauf, dass ich nicht aufhörte mich zu bewegen.

"Als ich runter kam, habt ihr irgendwas ausgemacht. Worum ging es da?" Wollte ich wissen.

Es war still. Ich dachte erst, dass sie nicht antworten wollen würde, doch scheinbar versuchte sie nur die richtigen Worte zu finden.

"Du bist die jüngste von uns. Du hast die meiste Zeit deines Lebens vor dir und auch wenn du anders behandelt wurdest und daher auch meine falschen Vorurteile kamen, so kann man dich nicht da lassen. Wir haben beschlossen, dass wir, sogut es ging dich rausbringen. Wir waren uns einig, dass du leben solltest, auch wenn wir alle dafür zurück mussten. Wir würden es aushalten, wir würden es ein weiteres mal versuchen. Aber wir wollten dich raus haben." Erklärte Franziska ruhig.

Schon wieder. Schon wieder opferte man sich also für mich. Oder wegen mir. Ich wollte es nicht und trotzdem konnte ich nicht anders.

"Danke, das weiß ich zu schätzen." Bedanke ich mich.

Zumindest bei ihr. Zumindest konnte ich mich bei einer bedanken. Die anderen, so fies es auch klang, sah ich hoffentlich nie wieder.

Just ask me, little one IIIGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt