Kapitel 2

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Ich setzte den Rucksack ab. Mein Rücken tat weh und meine Beine wollten keinen Zentimeter mehr laufen. Halb elf, wir waren noch neunzig Minuten gelaufen. Nur noch ein und eine halbe Stunde  dann wären wir in Barcelona. Aber wir konnten nicht mehr. Es tat einfach alles weh. Um uns auszuruhen, hatten wir uns noch einmal von der Straße entfernt, hofften nicht so sehr aufzufallen. Ich zog die Ärmel über meine Hände, die Kaputze zog ich über den Großteil meines Gesichtes. Ich setzte mich neben Franzi, welche sich schon hingelegt hatte. Meine Augen wollten kaum offen bleiben, aber andererseits traute ich mich nicht sie zu schließen.

Ich lehnte mich an den Rucksack. Das blonde Mädchen legte ihren Kopf auf meine Brust und kuschelte sich eng an mich. Irgendwie schaffte die junge Frau es einzuschlafen, doch bei mir war es nicht so leicht. Ich kämpfte dagegen, traute mich nicht, wollte vielleicht auch gar nicht einschlafen. Doch immer wieder erschlaffte meien Nackenmuskulatur. Immer wieder nickte ich weg und viel in den Halbschlaf. Doch sobald ein Auto auf der Straße fuhr, war ich wach sah es an und sah hinterher, wenn es einfach normal die Straße weiter entlang fuhr. Von entspannen war nicht wirklich die Rede und davon musste sie auch nicht sein. Entspannen konnte ich, wenn ich zu Hause war. Bei meiner Familie, bei meinen Freunden. Entspannen konnte ich, wenn ich in meinen eigenen Bett lag, wenn ich in Sicherheit war.

Irgendwann war ich wohl doch, mit diesen Gedanken, eingeschlafen, denn Franzi weckte mich, kurz nachdem die ersten Sonnenstrahlen den Himmel bedeckten. Wir holten das Essen aus dem Rucksack und liefen los. Wir wollten nicht lange warten, mussten schließlich zur Stadt, wir froren und unsere Beine schmerzen, wollten eigentlich gar nicht mehr laufen. Doch das Ziel war so greifen nah, wir konnten gar nicht anders als unsere schmerzenden Glieder in Bewegung zu setzen. Das Gefühl in der Mitte hatte ich lange ignoriert, doch heute morgen war es dann zum Glück weg oder der Muskelkater überspielte das Gefühl. Ich blieb einfach dabei, dass das Gefühl weg war. Ich wollte daran nicht mehr denken müssen. Doch noch immer wurden meine Gedanken dahingelenkt und da wir eigentlich garnicht redeten, wurde ich auch nicht davon abgelenkt.

Zu essen tat gut. Es gab Kraft und wärmte, auch wenn das Essen kalt war, es sorgte nur dafür, dass unser Körper es schneller aufwärmen wollte und somit wurde uns auch warm. Das Wasser war fast ungenießbar. Es war so kalt, dass es an den Zähnen weh tat. Aber trotzdem mussten wir was trinken. Unsere Hälser waren trocken und unsere Stimmen würden kratzen, sobald wir versuchen sollten zu reden. Fast so, als wären wir durch eine Wüste gelaufen nur, dass es keine Wüste war, wie die Sahara, sondern eher wie die Antarktis. Die Gebäude der Stadt wurden immer größer je näher wir ihnen kamen. Ich selbst war nie wirklich in Großstädten gewsen, weshalb ich schon etwas überrumpelt war. Wir waren fast da. Nur noch eine halbe Stunde. Doch genau dann, bogen wir ab. Auch wenn es zu schön wäre um wahr zu sein, so könnten wir die Stadt doch nicht von der einzigen Straße betreten, die in Richtung dieser Villen führte.

Es war eine Qual so nah und doch so fern zu sein. Zwar wurde nie erwähnt, wie weit wir außen rum laufen würden, doch ich konnte mir vorstellen, dass Franziska kein Risiko eingehen wollte und wenn ich ehrlich war, so würde ich lieber um die ganze Stadt laufen, als wegen Leichtsinnigkeit wieder bei James zu landen. Meine Beine beschwerten sich, doch ich ignorierte es. Die Sonne war schon eine ganze Weile komplett am Himmel zu sehen und trotzdem fror ich. Vielleicht wäre es besser, wenn ich mich in noch ein paar Pollover gezwängt hätte. wieso habe ich eigentlich keinen Pollover von James mitgenommen? Der hätte bestimmt noch über meine Kleidung gepasst. Dabei trug ich schon gut fünf Schichten. Wie spät es war wusste ich nicht, auch vie viele Kilometer wir enlang der Stadt gelaufen waren, war uns unklar. Aber nun war es so weit.

Wärend wir uns ihr immer mehr näherten, desso mehr waren wir auf alles vorbereitet. Es war so, als hätten wir plötzlich einen Adrenalinstoß bekommen, der nur durch unseren schlimmsten Vermutungen ausgelöst wurde. Das Gefühl unsere Umgebung mit verbesserten Sinnen wahrzunehmen wurde immer größer. Dieses Empfinden war so ungewohnt, so paranoid, doch im Moment war es genau richtig, es war genau das, was wir in dieser Situation brauchten. Doch es passiete nichts. Wir traten in die Stadt, völlig fertig, kaputt, mit Schmerzen und mit höchster Vorsicht. Alles war ruhig. Die Menschen gingen ihre Wege, waren auf den Weg in die Stadt oder zur Arbeit, gingen mit ihren Hund raus und schienen zu genießen, dass heute mal keine Wolke am Himmel ihre Wege zogen. Normal. Normaler Alltag, normale Menschen! Passanden die taten, was sie nun einmal taten ohne zu wissen, wie groß und wie nah die ganzen Grausamkeiten dieser Welt waren. Ich hatte leicht Tränen in den Augen, aber bewegte mich trotzdem weiter. Wir passten nicht ins Bild. Absolut nicht. Wir trugen weder eine Jacke, noch Schuhe, unsere Augenringe waren tief und wir waren blass und sahen halb erforen aus. Doch wem interressierte es? Genau, niemanden. Und das war gut so. Denn wenn wir eine falsche Art der Aufmerksamkeit bekommen würden, so würden wir schneller erkannt werden. Doch wir gingen in der Menge unter, keiner Schaute uns komisch an oder kicherte wegen unserem Anblick.

Just ask me, little one IIIGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt