Ich hatte mich mittlerweile etwas beruhigt und dachte nun über das nach, was Kyle mir erzählt hatte. „Drake, das war doch der Wolf, der mit dir gekämpft hatte, oder?“, fragte ich. „Ja“, antwortete er langsam „Drake ist der Wolf mit dem ich gekämpft hatte.“ „Aber warum? Und was heißt, dass er ein dunkler Wolf ist?“, stellte ich die nächsten Fragen, ich hatte noch viele weitere Fragen. „Er hat mich angegriffen, weil er wütend ist, dass ich sein Rudel verlassen habe“, beantwortete er mir meine erste Frage, aber bevor er zur zweiten Antwort ansetzten konnte, unterbrach ich ihn: „Hat er dich deswegen einen Verräter genannt?“ „Ja. Mila deine Fragen werden alle noch beantwortet, glaub mir, nur fürs erste musst du noch abwarten“, er sah mich mitleidig an, was mich wütend machte. „Ist das dein Ernst? Zuerst erzählst du mir, dass du genau weißt wie ich mich fühle, aber dann beantwortest du noch nicht mal meine Fragen?“ „Es tut mir leid, aber ich kann nicht“. Ich glaubte, dass es ihm leid tat, aber das machte es trotzdem nicht besser. „Warum kannst du nicht? Hm? Weil meine Eltern es dir nicht erlauben?“ Als er auf den Boden sah, wusste ich, dass ich Recht hatte. „Was haben meine Eltern dir zu sagen? Warum hörst du auf sie?“, fuhr ich ihn an. „Mila, bitte. Du wirst das alles bald verstehen, wirklich“, versuchte er mich zu besänftigen. „Ich will es aber jetzt verstehen und ich finde ich habe ein Recht darauf“, schnaubte ich.
„Jetzt beruhige dich endlich mal! Warum kannst du dich nicht einfach damit zufrieden geben, es fürs erste nicht zu wissen. Sei doch nicht andauernd so neugierig!“, schrie er mich an. Daraufhin stand ich auf und ging weg. Wenn er mich verstehen würde, würde er sicherlich nicht so reagieren. Ich habe erfahren, dass ich ein Werwolf bin und dass mein ganzes Leben eine einzige Lüge war und nun will mir niemand die ganze Wahrheit erzählen, das ist einfach ein scheiß Gefühl und wie es aussah verstand er es nicht.
Ich hörte wie er mich hinterher rief, aber ich ignorierte ihn. Stattdessen, ging ich einfach weiter. Das einzige Problem war, das ich nicht wusste wohin. Deswegen änderte ich meine Richtung und ging wieder auf das Rudel zu. Dort angekommen, blieb ich am Rand stehen und überlegte wen ich fragen sollte. Einer von ihnen wäre bestimmt so nett und würde mir erklären, wie ich wieder nach Hause kommen würde. Nach Hause wollte ich eigentlich nicht wirklich, aber es war besser als hier zu sein. Hier kannte ich niemanden und zu Hause hatte ich wenigstens meine Mutter, oder meine angebliche Mutter. Im Endeffekt war es egal wo ich war, ich wurde sowieso überall nur angelogen.
Ich erblickte Kyle, wie er mit einem Mädchen redete. Das Mädchen sah in meine Richtung und ging dann auf mich zu. Mein erster Gedanke war wegzurennen, aber ich blieb wo ich war.
„Hallo Mila, ich bin Adriana“, sagte das Mädchen, als es vor mir stehen blieb und ihre Hand ausstreckte. Ich blickte runter auf ihre Hand, machte aber keine Anstalten diese zu schütteln. Stattdessen blickte ich wieder nach oben. Sie schien nervös zu sein. „Ich kann mir vorstellen, dass das alles hier nicht so einfach für dich ist, aber später wird dir alles klar werden und bis dahin kann ich dich ja vielleicht ein bisschen herumführen, da du die nächste Zeit hier sein wirst“, sagte sie und lächelte leicht. „Bring mich nach Hause“, erwiderte ich emotionslos. Sie wollte ein Schritt auf das Gebäude machen, in dem meine Eltern waren. „Das ist nicht mein zu Hause. Ich meine zu meiner angeblichen Mutter“, meinte ich, woraufhin sie stehen blieb und mich ansah. „Tut mir leid, aber das kann ich nicht tun.“
Ich schnaubte und murmelte: „Vielleicht sollte ich zu Drake gehen, der klärt mich vielleicht auf, auch wenn Kyle anderes behauptet hat.“ „Drake? Kyle's Bruder?“, fragte Adriana überrascht. Ich runzelte die Stirn. „Nein ich meine den Drake, der Kyle aufgenommen hatte, nachdem er ein Werwolf wurde, da er bei seiner Pflegefamilie nicht mehr bleiben konnte.“
„Kyle war nie in einer Pflegefamilie, er ist hier aufgewachsen, mit seinem Bruder Drake“, erklärte sie mir. „Ich dachte Drake gehört zu einem bösen Rudel an?“, ich war nun komplett verwirrt. „Drake gehört zu keinem Rudel an. Früher gehörte er zu unserem Rudel, aber er wurde verstoßen, weil-“, erzählte sie, aber ich unterbrach sie: „Kyle hat mir etwas völlig anderes erzählt. Er hat gesagt, dass er mich verstehen würde, weil er das selbst durchlebt hat und- Er hat mich angelogen, oder?“ Adriana presste ihre Lippen aufeinander und antwortete nicht. „Das kann doch nicht wahr sein!“, ich fuhr mir verzweifelt durch die Haare.
Ich konnte hier wirklich nicht mehr bleiben. Ich fasste einen Endschluss und drehte mich um, um zu verschwinden. Hinter mir hörte ich schwere Schritte und kurz darauf auch Kyle's Stimme: „Du solltest sie beruhigen und nicht weg scheuchen.“ „Das ist nicht meine Schuld, du hast ihr schließlich Lügen erzählt!“, verteidigte sie sich.
Ich wurde am Arm festgehalten. „Mila jetzt bleib doch mal stehen“, sagte Kyle. Ich blieb stehen und drehte mich zu ihm um. „Warum? Damit du mir weitere Lügen erzählen kannst? Ich hätte es wissen müssen, Drake hatte dich damals, Bruder genannt!“ „Da alles habe ich doch nur gesagt, damit du dich beruhigst, sonst hättest du gar nicht mit mir geredet. Ich hätte dir früher oder später noch die Wahrheit erzählt. Jetzt mach doch nicht so einen großen Aufstand!“
„Lass mich einfach in Ruhe, Kyle“, sagte ich und riss mich von seinem Griff los. Ich drehte mich um und wollte los laufen, doch plötzlich stolperte ich mit meinem linken Bein und fiel hin. Ich konnte mich noch mit der rechten Hand abstützen, sonst wäre ich mit dem Gesicht auf dem Boden gelandet. „Nein, Mila, steh auf“, hörte ich Kyle rufen. Am Ende des Satzes war seine Stimme nur noch ein Flüstern und alles wurde ausgeblendet. Im nächsten Moment durchfuhr mich dieses Gefühl, welches ich schon beim Sturm gespürt hatte.
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Emerald wolve
Lupi mannariWährend eines starken Sturmes wurde die 16 Jährige Mila Kingston fast von einem Baum erschlagen. Dank einer unbekannten Person wurde sie gerettet. Wer diese Person war und welch ein Schicksal Mila bevorstand, erfuhr sie noch früh genug.
